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06. Juli 2011

Die Truppe von der Musikschule

ZMF II: Die Band Soul Shaker aus St. Georgen bringt heute den Groove ins Actionprogramm.

  1. Mögen Schwarz-Weiß: Soul Shaker Foto: pro

Das erste Stück, das sie gemeinsam spielten, war aus dem Repertoire von Soul-Star Marvin Gaye. Vor zehn Jahren war das. In der Jugend-Musikschule von St. Georgen im Schwarzwald. Die Jüngste, Saxophonistin Myriel Kockerols, war da gerade 14, der älteste, Gitarrist Matthias Schwarz, 20. Dazwischen: Bassist Cyrille Kunz und Sänger Tobias Fritzsche. Die vier sind zusammen geblieben – und bis heute der Kern der Band Soul Shaker. Heute Abend ist die Formation im Actionprogramm des ZMF zu hören, bei freiem Eintritt. Nicht nur vier, sondern elf Musiker werden da dann auf der Bühne stehen. Und es wird Soul-Musik gespielt mit viel Groove und starker Bläser-Mannschaft.

An der Musikschule in St. Georgen werden mehr als 1700 Schüler von 70 Lehrern unterrichtet. Einer ist Andreas Erchinger, der Pianist im Quartett der Jazzsängerin Cécile Verny. Er hat selbst in St. Georgen vor 35 Jahren den ersten Unterricht bekommen. "Ohne die Schule wäre ich nicht Musiker geworden", sagt er. Als Dozent ist er an die Schule zurückgekehrt.

Soul Shaker sind so etwas wie seine musikalischen Kinder. In seinem Band-Unterricht studierten sie Blues-Brothers-Stücke ein, probten für eine Aufführung der "West Side Story", erarbeiteten sich ein Repertoire von Soul-Coverversionen. Die Band wurde größer – zwischenzeitlich waren sie auch mal zu vierzehnt, Umbesetzungen gab es vor allem auf dem Drummer-Stuhl, auf dem heute Simon Graus sitzt. Und die Band wurde zum Aushängeschild der Musikschule. Wenn die um musikalisches Programm gebeten wurde, wurden Soul Shaker gefragt.

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So spielten sie bei Stadtfesten, Burgspektakeln oder Radrennen. Und beeindruckten schon durch ihr Erscheinen: eine ganze Truppe in Schwarz-Weiß. Auf der Bühne wird auch einiges geboten. "Tobias ist ein echter Showman", meint Andreas Erchinger über den Sänger.

Erchinger hat, so sagt er, viel Herzblut in die Band gegeben. Und fragt man die Musiker von Soul Shaker, ob er so etwas wie eine Vaterfigur sei, nicken die. Erchinger hat auch die Debüt-CD von Soul Shaker mitproduziert. Auf der in der Dankesliste auch ganz förmlich "Herr Rimbrecht" steht, womit der Leiter der Musikschule St. Georgen, Bernd Rimbrecht, gemeint ist. Aber wie das so ist mit Schülern: Irgendwann gehen sie ihren eigenen Weg. Soul Shaker haben die Musikschule jetzt nach zehn Jahren verlassen und sich – mit Hilfe der Stadt – einen Probenraum in einer St.Georgener Schule eingerichtet. Was nicht heißt, dass alle Verbindungen gekappt sind. Tastenfrau Rebekka Ziegler etwa spielt noch im Jugend-Sinfonie-Orchester der Musikschule. Trompeter Christoph Sengle und Posaunist Manuel Schlenker sind übrigens auch nebenher traditioneller beschäftigt, im Musikverein.

Das nächstes Ziel der Band: eigene Stücke. Auf der CD spielen Soul Shaker Klassiker wie "Mustang Sally" oder "I Heard it through the Grapevine". Auf ihrer (von Tenorsaxophonistin Sabrina Scherzinger gestalteten) coolen Homepage aber sind schon Auszüge aus neuen Stücken wie "Layla and Jack" und "Monkey" zu hören. Der US-Soul-Rock der 70er ist da durchzuhören. Ideen zu Songs kommen meist von Gitarrist Hannes Donel, weiterkomponiert wird gemeinsam, Bläserarrangements schreiben Donel und Trompeter Jonas Graus, Texte macht Tobias Fritzsche. "Flying / flying up into the sky / riding /riding tonight" singt er im Refrain von "Got a Chance". Wäre ein gutes Motto für den Auftritt heute.
– ZMF, Fürstenbergzelt, heute, 19 Uhr.

Autor: Thomas Steiner