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25. Februar 2010 00:08 Uhr
Schlager
Merci Grand Prix: "Die Lieder sind kurios genug"
"Merci Grand Prix!" heißt ein Ensemble aus Freiburg – und der Name ist Programm: Die Gruppe präsentiert die besten Evergreens aus dem Eurovision Song Contest.
Erinnert sich noch jemand an den Auftritt des Schweizers Pepe Lienhard beim Grand Prix 1977 in London? An das Alphorn, das bei seinem Titel "Swiss Lady" zum Einsatz kam? Und das auch noch besungen wurde – als Frau: "Sie ist meine Swiss Lady / und ich ein Mann aus den Bergen." Nein, vermutlich erinnert sich keiner an diese Episode aus der Geschichte des Eurovision Song Contest, wie der Liederwettbewerb der europäischen Fernsehsender offiziell heißt.
Das Ensemble "Merci Grand Prix!" holt solche Lieder aus der Vergessenheit zurück. Der Contest als Kultveranstaltung zwischen Kunst und Komik, zwischen Höhenflügen und Abstürzen, zwischen Sangesdarbietungen und Showgebaren hat es den Freiburgern angetan. Seit mehr als drei Jahren bringen sie Songs aus der Grand-Prix-Geschichte auf südbadische Bühnen, zum Entzücken von immer mehr Fans. Am kommenden Sonntag gastieren Merci Grand Prix! in der Alemannischen Bühne in Freiburg.
"Ich wollte immer irgendetwas mit Grand-Prix-Songs machen", sagt Martin Glönkler. Der Tastenmann, der früher bei der Freiburger Schlager-Pop-Band B. B. Bernhard gespielt hat, hält den Eurovisionswettbewerb im Gegensatz zu wahrscheinlich vielen Leuten für eine Qualitätsveranstaltung – zumindest bis zum Jahrgang 2003, aus dem stammen die jüngsten Lieder im Programm. Das älteste ist Freddy Quinns "So geht das jede Nacht" vom ersten Grand Prix 1956.
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Für die Show suchte sich Glönkler Co-Sängerinnen und Musiker, die er nicht lange überzeugen musste. Nur Schlagzeugerin Christiane Ernwein war Grand-Prix-unkundig, aber nach Anhören einiger Songs fragte sie sich, so sagt Glönkler, wie sie ohne diese haben leben können.
In der Show übernimmt Ernwein das Punkteaddieren beim finalen Voting. "Von Anfang an war klar, dass wir die Show reinszenieren wollten", erzählt Sängerin Sandra Klein-Gißler. Da darf natürlich die berühmte Punktevergabe –"Germany twelve points" – nicht fehlen. Dafür wird das Publikum in Länder unterteilt und darf abstimmen. Den hilfreichen Schnelldurchlauf gibt es auch – wenn Glönkler in Laune ist.
Das Ensemble zelebriert seinen Eurovision Song Contest wie Liebhaber, die es nicht zu ernst meinen. Aber auch eine Persiflage soll die Show nicht sein. "Die Songs sind kurios genug", sagt Glönkler. Und so lachen die Zuschauer von ganz allein, wenn Klein-Gißler und Christiane Laube die unmotivierten Armbewegungen der Band Urban Trad nachmachen, die mit ihrem Titel "Sanomi" 2003 den zweiten Platz für Belgien holte. Übrigens in einer Phantasiesprache.
Auch Glönklers Version des Cliff-Richard-Auftritts von 1968 mit "Congratulations" ist einer der Höhepunkte der Show, dank der zappeligen Körpersprache, die original die des Künstlers ist. Wer’s nicht glaubt, sehe auf You Tube nach. Selbst Richards Rüschenhemd wird bei Merci Grand Prix! liebevoll andgedeutet. Wie sich auch die beiden Sängerinnen immer wieder Song-gemäß umkleiden.
Alle drei Vokalisten von Merci Grand Prix! erzählen zwischen den Liedern Anekdoten und Geschichten. Wie die von Sandie Shaw, die ihren Sieger-Song "Puppet on a String" von 1967 gehasst hat. Oder die vom Grand Prix 1990, als alle Länder die deutsche Einheit zum Thema machten. Warum das hübsche norwegische Lied – Refrain: "Har star vi på Brandenburger Tor" – letztes wurde, verstehen Merci Grand Prix! überhaupt nicht.
Glönkler hat eine Vorliebe für die Zeit, als beim Song Contest in den jeweiligen Landessprachen gesungen werden musste. Seit alle Englisch singen dürfen, sei er ein Einheitsbrei. 16 Sprachen haben Merci Grand Prix! im Repertoire. Die richtige Aussprache haben sie sich von Muttersprachlern im Bekanntenkreis beibringen lassen. Nur das österreichische Lied "Weil’s dr guat got" (gesungen von George Nussbaumer 1996) singen sie ein wenig österreichischer als das Original.
Auf seinem Computer hat Glönkler alle Stücke gesammelt, die je beim Grand Prix vorgetragen wurden. Es sind mehr als tausend. Aber darunter sind viele, die er nie auf die Bühne bringen würde: "Ich mag keine schlechten Songs." Und so spielen und singen er und seine Mitstreiter ihre eigene Auswahl an Grand-Prix-Stücken so ernsthaft und gut, dass man mitbekommt: Es gibt da tatsächlich gute Songs. Und beim Nachhausegehen singt man vielleicht: "Sie ist meine Swiss Lady..."
- Nächstes Konzert: Freiburg, Alemannische Bühne, So, 28. Februar, 20 Uhr. Info: BZ-Kartenservice 01805/556656.
- YouTube: Videos von Merci Grand Prix!
Autor: Thomas Steiner
