Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. Februar 2012

Reggae in Zürideutsch

Phenomden kommt mit seinem neuen Album "Eiland" in die Kaserne Basel.

  1. Das Phänomen Dennis Furrer alias Phenomden Foto: pro

Aus der regen Schweizer Reggae-Szene ragt er noch heraus: Dennis Furrer alias Phenomden ist der Reggaestar aus Zürich. Am Samstag kommt er in die Basler Kaserne.

"Diese schweizerdeutschen Texte sind doch sehr gewöhnungbedürftig", meckerte ein Kollege in einem großen deutschen Musikmagazin zu dem neuen Album "Eiland" von Phenomden. Man begegnet dem Oberlehrerton hier zu Lande oft, wenn es um den Zürcher Reggaestar geht. Die Musik: top, kein Zweifel. Die Texte: No way! Soviel Herablassung aus dem Lande von Jan Delay und Gentleman ist ein wenig peinlich. Dem Reggae ist doch das lokale Idiom, das Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist, von jeher in die Seele eingeschrieben, Stichwort Patois.

Man sollte sich mit voreiliger Kritik ohnehin zurückhalten angesichts der Beständigkeit, mit der die Schweiz schon lange im Offbeat-Fach mitmischt, angefangen von den Pionieren The Ganglords über den Dub-Nerd Peeni Walli aus St. Gallen bis zum Basler Famara und den Scrucialists, ebenfalls basiert am Rheinknie. Der einzige unter seinen Landsleuten, der jedoch das Reimen in heimischer Mundart wagt, ist das "Phänomen Dennis Furrer", oder kürzer: Phenomden.

Werbung


Schon als Heranwachsender rappt Furrer, durch Freundschaften zum Zürcher Reggae-Kollektiv Vibes Galaxy kommt er allmählich in einen neuen Bannkreis, dem er mit der Hillside Possee dann vollends erliegt. Bei den eingangs erwähnten Ganglords landet schließlich eines seiner Demos auf den Tisch. Der Neuling kommt bei den Herren unter die Fittiche, und einer Solokarriere steht nichts mehr im Wege. 2004 kann er erste Singles auf Dancehall-Kompilationen platzieren.

Richtig Auftrieb bekommt seine Karriere 2005 mit dem Album "Fang Ah", auf dem er eine liebevolle Kiez-Innenschau seiner Zürcher Vorstadt Wiedikon gibt, über skrupellose Politiker singt und ökologisches Engagement durchscheinen lässt. Mit dem Album "Gangdalang" festigt er seinen Anspruch auf den helvetischen Reggae-Thron und arbeitet für diese Produktion auch ohne Scheuklappen mit Größen aus Köln (Kingstone), Hamburg (Silly Walks) und Berlin (Sound Supersonic). "Nie Genug", sein Duett mit Uwe Kaa, landet auf Platz 2 der deutschen Reggaecharts.

Phenomdens neues Werk "Eiland" ist nun über weite Strecken von einem Jamaika-Aufenthalt geprägt, wie er für alle Reggae-Adepten mittlerweile zum guten Ton gehört. Ein ganzes Jahr lebte der Zürcher in der Karibik, trat in Kingston auf, vertiefte sich vor Ort in die Kultur. Produziert hat er die Scheibe dann aber doch wieder in der Heimat, zusammen mit seinen langjährigen Mitstreitern, den Scrucialists aus Basel. Nicht nur Jamaika und Helvetien verknüpft der Zürcher also, er versöhnt auch noch gleich die sich ewig befehdenden Deutschschweiz-Metropolen.

Das Album beherbergt eine Balance aus leicht verdaulichem Roots Reggae und sanftem Dancehall mit einfachem Rezept: Bläser, kräftige Keyboards, schmeichelnde Background-Mädels – und mittendrin der immer noch bubenhafte Tenor des 31-Jährigen, der in den Höhen ein paar Mal gerade zu lustvoll verunglückt. In den Texten verbreitet er ein wenig jamaikanische Landeskunde, erzählt, wie er zum Reggae gekommen ist, versucht vergeblich, seine ewige Jugendliebe zu becircen. Und er ist politisch geblieben, stichelt gegen die SVP, beklagt mit sonniger Naivität die Ausbeutung des Planeten durch den Westen.

Am schönsten ist seine Verherrlichung eines jamaikanischen Strandes: "Ich ha no nie sonen Ort gseh, es isch fascht scho mystisch, du müsstisch das gseh." So ein Wortspiel geht halt nur auf Züridütsch.

– Die CD: Phenomden, Eiland (Rootdown/Soulfood)

Termin: Basel, Phenomden, Kaserne, Rossstall 1 & 2, Sa, 11. Februar, 21 Uhr, Info: http://www.kaserne-basel.ch

Autor: Stefan Franzen