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17. August 2012

Afrika

Kanu-Safari durch Simbabwe

Eine Kanu-Safari auf dem Sambesi führt in ein wundersames Land, wo Gefahr lauert und Elefanten auf zwei Beinen gehen

  1. Dicht zusammenbleiben und Ruhe bewahren: Mit Flusspferden ist nicht zu spaßen. Foto: Winfried Schumacher

  2. Ein fast surreales Bild, bei dem Salvador Dalí den Pinsel hätte führen können: Paddler machen Rast am Sambesi. Foto: Winfried Schumacher

  3. Spurensuche: Henry begutachtet die Reste einer Löwenmahlzeit. Foto: Winfried Schumacher

  4. Klick, der Elefant ist im Kasten: Aber steht er gleich auch auf zwei Beinen, um an das schmackhafte Grün zu kommen? Foto: Winfried Schumacher

Der Koloss im Fahrwasser will nicht weichen. Zornig schnaubend streckt das Flusspferd die Nüstern aus den Fluten und wirft den Kanuten wütende Blicke zu. Der mächtige Bulle ist nur drei Paddelschläge entfernt. So schnell wird er den Weg in den schmalen Seitenarm des Sambesi nicht freigeben. Dies hier ist sein Revier. Und Eindringlinge leben gefährlich.

"Dicht zusammenbleiben und Ruhe bewahren!" Henry Bandure drängt die vier Kanus mit ruhiger Stimme ans Ufer. Der Guide weiß, mit gereizten Flusspferdbullen ist nicht zu spaßen. Und dieser hier gefällt sich besonders gut mit seinen Drohgebärden. Aber Henry bewahrt seine Gelassenheit. Ungelenk stoßen seine Schützlinge sich mit den Paddeln am lehmigen Ufer ab, bis es endlich auch das letzte Kanu an dem Ungetüm mit dem Großmaul vorbeigeschafft hat.

Mit Henry fühlen sich Kanu-Touristen sogar angesichts eines schnaubenden Dreitonnenriesen sicher. Selbst wenn sie wissen, dass Flusspferde in Afrika als die Großtiere gelten, denen die meisten Menschen zum Opfer fallen. Henry ist sich dessen bewusst. Aber er weiß, wie man durch umsichtiges Verhalten das Risiko, von einem wilden Tier angegriffen zu werden, minimieren kann. "Ich paddle seit fast 15 Jahren den Sambesi hinunter", erzählt der 36-Jährige, "aber noch nie wurde bei unseren Touren jemand von einem Flusspferd verletzt."

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Zu Beginn der viertägigen Expedition im Mana-Pools-Nationalpark im Norden Simbabwes hatte uns Henry ausführlich auf die Risiken des Flusses aufmerksam gemacht. "Die größte Gefahr sind nicht Flusspferde oder Krokodile, sondern die Sonne. Wer sich nicht ausreichend schützt, kann hier den Hitzschlag seines Lebens kriegen." Bei Flusspferden gilt es vor allem, Abstand zu halten, damit ihnen Raum bleibt, in tiefere Zonen abzutauchen. "Keine Sorge, sie sind Vegetarier, wir stehen nicht auf ihrem Speiseplan", sagt Henry.

Es ist der zweite Tag auf dem Fluss. Zwei Tage voller nilpferdgroßer und manchmal kolibrikleiner Abenteuer, die den Rest der Welt vergessen lassen. Auf dem braunen Wasser des Sambesi bekommt der Mensch seine Kinderaugen zurück: Wie die Elefanten in altkaiserlicher Würde zur Abendtränke schreiten und dabei ihre Kleinsten zärtlich mit den Rüsseln voranstupsen. Wie die Flügel der Bienenfresser eine graue Lehmwand in eine vor Farben sprühende Wolke verwandeln. Wie das nächtliche Brüllen der Löwen einem eisig über die Halswirbel gleitet.

Henry hatte in der ersten Nacht am Lagerfeuer versprochen, dass dies alles noch nicht genug der Wunder des Sambesi sein sollte, die wir erleben werden. "Mit etwas Glück werdet ihr mit eigenen Augen sehen: Hier gehen manchmal auch die Elefanten wie Menschen auf zwei Beinen und mit noch mehr Glück begegnen wir irgendwann einem Löwen auf der Pirsch.

Mit jedem Kilometer, den wir zwischen planschenden Flusspferdeherden und sich auf Lehmbänken sonnenden Krokodilen zurücklegen, lernen wir das Staunen neu. Was ist das für ein Land, in dem Leberwürste von den Bäumen wachsen – und seien die Früchte dieses Trompetenbaumgewächses, das wie eine Akazie aussieht, für den Menschen auch ungenießbar? Was für eine Welt, in der sich das Leben so dicht um einen Streifen Wasser schart. Träge fließt der große Strom durch eine Landschaft, die jedem Naturfreund den Atem raubt. In den saftig grünen Auen grasen Herden von Impalas und Wasserböcken. Hinter ihnen erhebt sich die flimmernde Silhouette der Berge jenseits der Grenze zu Sambia.

Der Mana-Pools-Nationalpark verschwand für fast ein Jahrzehnt von der Landkarte vieler Afrikareisender. Mit Simbabwes Präsident Robert Mugabes radikaler Landreform ab dem Jahr 2000 und der zunehmenden politischen Krise strichen mehr und mehr internationale touristische Unternehmen und Fluglinien das Land aus ihren Programmen. Seit der Regierungsbeteiligung der Oppositionspartei MDC im Frühjahr 2009 hoben die meisten westlichen Länder ihre Reisewarnungen wieder auf. Die Zukunft Simbabwes bleibt ungewiss. Dennoch kommen langsam die Touristen zurück in das einstige Musterland Afrikas. Viele machen jedoch nur an den Victoriafällen Station oder besuchen den Hwange-Nationalpark.
Nur ein paar hundert Meter hinter dem längst abgetauchten Flusspferdbullen lässt Henry die Kanus an Land ziehen. Die Sonne steht bereits hoch über den Akazienwipfeln und die Morgenluft ist erfüllt vom lethargischen Zirpen der Zikaden.

Keine Kanu-Safari ohne Landausflüge. Wer der Wildnis auf dem Wasser noch nicht nahe genug gekommen ist, spürt spätestens jetzt, sobald er die ersten Schritte in unbekannte Tierspuren gesetzt hat, die Halsschlagader unter der verschwitzten Haut beben. Nicht weit von hier hofft Henry eine Gruppe alter Elefantenbullen auszukundschaften, die tatsächlich auf zwei Beinen gehen sollen. Zunächst stoßen wir nur auf das abgenagte Gerippe eines Büffels – die Reste einer Löwenmahlzeit. "Allesamt folgen mir in einer Reihe und verlassen niemals die Gruppe", sagt Henry leise. Er hält mit der Rechten sein großkalibriges Gewehr umschlungen. An seinem Gürtel baumeln fünf Patronen. Davon Gebrauch gemacht hat er bei einer Kanusafari noch nie.

Ein heißer Savannenwind streicht durch die ausgetrocknete Buschlandschaft. Unter unseren Füßen raschelt dürres Laub, bis Henry uns plötzlich zum Stillstand mahnt und das Gewehr an den Körper zieht. Hinter einer Buschgruppe jenseits der Lichtung bewegt sich etwas. Erst Minuten später erkennen auch wir, dass dort ein stattlicher Büffel in unsere Richtung blickt. Henry hält es für sicherer, den Rückzug anzutreten: "Einsame Bullen sind völlig unberechenbar. In Wahrheit sind sie die gefährlichsten Tiere der Savanne." Er drängt die Gruppe hinter einen Baumstamm und ermahnt uns, sich nicht zu bewegen. Der Büffel zieht wenige Meter an uns vorbei.

Henrys angespannte Gesichtszüge weichen langsam einem breiten Lächeln: "Wie geht’s, Leute? Noch fit für die Elefanten?" Nur zehn Minuten später hat er sie im Schatten eines wilden Mangobaums entdeckt. Es sind vier ausgewachsene Bullen mit beeindruckenden Stoßzähnen. Aber sie stehen auf vier Beinen. "Geduld, Geduld", sagt Henry verschmitzt. Vielleicht 20 Minuten warten wir schweigend im Schatten eines Mopanebuschs. Die Elefanten stehen reglos unter dem Mangobaum. Will uns Henry etwa mit seinen Elefanten auf zwei Beinen auf den Arm nehmen?

Dann richtet sich der größte Bulle tatsächlich auf die Hinterbeine auf, um mit dem Rüssel nach einem breiten Ast des Baums zu greifen. Zwei Schritte geht er dabei nach vorne. Schon gibt ein großer Ast krachend nach. Der Riese lässt sich das rare Grün sichtlich schmecken. "Nur hier im Mana-Pools-Nationalpark haben Elefanten gelernt, auf zwei Beinen zu gehen, um an frisches Grün zu kommen", sagt Henry, "in anderen Nationalparks Afrikas wurde dies fast noch nie beobachtet. Aber auch hier sind nur ältere Bullen dazu in der Lage." Henry hat uns wieder einmal nicht zu viel versprochen.

Und selbst ein Löwe kommt uns am Ende der Kanu-Safari noch näher, als wir uns das hätten wünschen können. Am Morgen vor der Rückkehr ins Basislager zeigt Henry uns die Spuren von gewaltigen Pranken im Staub – unweit von unseren am Flussufer aufgereihten Zelten. Uns stockt erneut der Atem. Wir hätten der Raubkatze schutzlos im Schlaf zum Opfer fallen können. Henry lächelt. "Kein Grund zur Panik! Löwen haben hier noch nie einen Touristen aus dem Zelt geholt. Er war einfach nur neugierig, wer da in seinem Revier campiert. Ich habe ihn die ganze Nacht brüllen hören und lag mit dem Gewehr auf der Lauer."

Auch dieses Mal konnte Henry sich seine Patronen sparen.

Paddeln auf dem Sambesi

Anreise: Zum Beispiel mit South African Airways (Internet: http://www.flysaa.com von Frankfurt über Johannesburg nach Lusaka in Sambia. Ethiopian Airlines (http://www.ethiopianairlines.com fliegt über Addis Abeba nach Harare, der Hauptstadt Simbabwes. Wilderness Safaris (http://www.wilderness-air.com bringt seine Gäste von dort aus mit dem Kleinflugzeug an den Sambesi, von Lusaka auch alternativ auf dem Landweg.
Kanu-Safari: Das Ruckomechi Camp an der Grenze zum Mana-Pools-Nationalpark liegt direkt am Flussufer (http://www.ruckomechi.com Von dort aus starten zwischen Mai und November zweimal wöchentlich viertägige Kanu-Expeditionen (ab 899 Euro inklusive Unterkunft in Zelten mit Feldbetten und eigenem angrenzenden Buschbadezimmer, Vollverpflegung, lokale Getränke, Kanufahrten und Buschwanderungen, Nationalparkgebühren).
Die Toka Leya Lodge auf der sambischen Seite des Sambesi bietet Touristen auch kürzere Kanusafaris an (Internet:

http://www.tokaleya.com Preis ab 398 Euro pro Person/Nacht im Doppelzimmer inklusive Vollverpflegung, lokalen Getränken, Bootsfahrten, Wildbeobachtungsfahrten im Mosi-Oa-Tunya-Nationalpark, Besuch der Viktoriafälle (Sambia), Besuch des Livingstone Museums und lokalen Dörfern sowie die Gebühren für die Nationalparks.
Veranstalter: Wilderness Safaris kombiniert Reisen zu verschiedenen Safarizielen im südlichen Afrika, darunter auch Kanu-Expeditionen in Simbabwe und Botsuana (http://www.wilderness.travel).Abendsonne Afrika hat verschiedene Kanu- und Wandersafaris sowohl im Unteren Sambesi-Nationalpark als auch im Mana-Pools-Nationalpark in Simbabwe im Programm (drei Tage ab 598 Euro ohne Flüge), http://www.abendsonneafrika.de Tel. 07343/929 980  

Autor: vadq

Autor: Winfried Schumacher (Text und Fotos)


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