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12. März 2010

Schruns: Hektik haben die anderen

Ein exklusives Vergnügen für wenig Geld: die Hochjoch-Totale in Schruns im Montafon.

  1. Ein heißer Tee, ein letzter Gruß und los geht’s Richtung Tal. Foto: pr

  2. Kreuzjoch mit Aussicht: Auf 2400 Metern Höhe startet die Hochjoch-Totale, es warten zwölf Kilometer und knapp 1700 Höhenmeter auf frisch präparierten Pisten auf die maximal 100 Teilnehmer. Foto: Regina Knünz

Brrrrrrrrrrrrrrrrrrr: Langsam aber konsequent tritt das Blut den geordneten Rückzug Richtung Körpermitte an: Die Zehen sind schon taub, die Beine kämpfen (noch) mit hilflos zuckenden Bewegungen gegen die beißende Kälte. Das Gespräch mit dem Mitfahrer ist mittlerweile verstummt – mit klappernden Zähnen spricht es sich nicht wirklich rund. Der in die Jahre gekommene Zweiersessellift schiebt sich derweil langsam aber tapfer den Berg hinauf, immerhin, oben auf dem Kreuzjoch auf 2400 Meter Höhe ist die Erlösung schon zu sehen: die Sonne.

Es ist 8 Uhr in der Frühe, kein weißer Fleck am Himmel trübt das kräftige Blau. 82 3000er-Gipfel buhlen um Aufmerksamkeit, hier der große und kleine Piz Buin, dort die gezackten Fluchthörner. "Wenn’s noch schöner wär’, wär’s kitschig", sagt Frank Peters und lacht verschmitzt. Der drahtige Mann mit dem modischen Kurzhaarschnitt unter dem Helm ist Leiter Marketing und Vertrieb bei der österreichischen Silvretta Montafon Bergbahn AG und daher von Berufswegen schon für gute Laune zuständig. In diesem exklusiven Moment möchte ihm aber niemand der 25 Leute widersprechen. Schließlich haben sie nach einem wärmenden Tee und ein paar ungelenken Hampelmännern als Aufwärmprogramm ein exklusives Vergnügen vor sich: Sie sind die ersten an diesem Tag, die sich auf den Weg Richtung Tal aufmachen.

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Hochjoch-Totale heißt dieser Spaß, der seit diesem Winter jeden Mittwoch angeboten wird. Um 7.15 Uhr starten maximal 100 Personen von Schruns aus mit der Kabinenbahn und zwei Sesselliften zum Kreuzjoch hoch. Kurz nach Sonnenaufgang geht’s dann auf eine zwölf Kilometer lange Talabfahrt mit knapp 1700 Höhenmetern.

Christian, einer der begleitenden Skiguides, gibt letzte Anweisungen. Zwei Halbsätze genügen: Abstand halten – und die Abfahrt genießen. Und los geht’s. Der Rekord vom Kreuzjoch bis runter ins Tal steht bei sieben Minuten, in zehn ist es für den durchschnittlich trainierten Skifahrer gut zu schaffen. Die Piste ist frisch präpariert, in der Nacht hat es geschneit, kein Eis, kein Nebenmann oder abrutschender Snowboarder stört das Kommende. Also Gas geben: Lange Schwünge ziehen, Geschwindigkeit aufnehmen, die volle Breite der roten und blauen Pisten ausnutzen – es gibt schlechtere Möglichkeiten, einen Hang runterzufahren.

Ohne Pause ist der Spaß in der Tat zehn Minuten später leider schon vorbei. Nach und nach kommen alle unten an der Talstation der Hochjoch-Bahn an, außer Puste zwar, mit leicht wackeligen Beinen und erhöhtem Adrenalin, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Zeit für die Belohnung. Die gibt’s oben im Restaurant Kapell mit einem ausgedehnten Frühstück inklusive Nachbesprechung des gerade Erlebten. Und der Aussicht auf einen Skitag, der noch vor den Teilnehmern liegt, es ist ja schließlich erst 9 Uhr. Die ersten "Normalos" kommen mit der Bahn hoch, stürzen sich schnell die Hänge des Hochjoch-Gebiets runter. Hektik ist bei den 25 "Auserwählten" nicht angesagt, besser kann es fast nicht werden. 25 Euro haben sie für die Hochjoch-Totale zusätzlich zum Skipass bezahlt, bereut hat es nach Angaben von Frank Peters noch niemand.

Der Erfolg dieser Aktion hat die Macher selbst überrascht, für nächsten Winter wird über einen zweiten Termin in der Woche nachgedacht. "Mehr als 100 Leute pro Tag werden wir auf keinen Fall zulassen", sagt Regina Knünz vom Montafoner Marketing, "der exklusive Charakter soll auf jeden Fall erhalten bleiben." Ein bisschen Frieren nimmt man dafür gerne in Kauf.

Mehr über die Hochjoch-Totale und das Skigebiet Silvretta Montafon unter http://www.silvretta-montafon.at

Autor: Stefan Zahler