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20. Juli 2012

Tipps für London, die nicht in jedem Reiseführer stehen

London inszeniert sich ständig neu, Die einzige Konstante ist der Wandel. Es gibt aber auch Orte, die verschont geblieben sind. Dilbahar Askari aus Lörrach hat in London gelebt und die Stadt abseits einschlägiger Reiseführer kennengelernt.

  1. Sonntags in East London: Junge Asiatinnen vor der alten Truman-Brauerei Foto: Dilbahar Askari

  2. Auf dem Sprung: Mit dem London der Touristen inklusive eines Besuchs des Buckingham Palace hat jene junge Frau nichts im Sinn. Foto: photocase.de/froodmat

  3. Sonnenuntergang in Hampstead Heath: Die Sonne färbt die Stadt pastellfarben. Foto: Dilbahar Askari

  4. Hektik in London: Busse im Abendverkehr Foto: photocase.de/creatific

Buckingham Palace, Big Ben, Tower, Hyde Park: London-Besucher haben zumeist nur Zeit, sich die touristischen Höhepunkte der englischen Hauptstadt anzuschauen. Dilbahar Askari, 20, BZ-Mitarbeiterin in der Redaktion Lörrach und ehemalige Praktikantin der Reiseredaktion, hat fünf Monate in der Weltstadt gelebt, hat an der Rezeption einer Jugendherberge gejobbt und die Stadt abseits einschlägiger Reiseführer kennengelernt.



fudder.de: Reisetipps London



LONDON, EINE WELTSTADT, EINE STADT VON WELT

London Bridge, 17 Uhr
London inszeniert sich ständig neu, Wandel ist die Konstante. Zwischen spektakulären Neubaugebieten finden sich kleine Inseln, die verschont geblieben sind.

Auf beiden Seiten der Themse wird gebaut. Eine gewaltige Kunstinstallation aus Stahl, Glas und Beton, urban art. Vor den schlichten weißen Wolken leuchten die roten Kräne, Gebäudeskelette mit heraushängenden Innereien stehen neben spiegelglatten Glasfassaden, auf den Gerüsten orangefarbene Männchen. Der Verkehr braust, zwischen Himmel und Erde rattern unentwegt Züge. Entlang des Südufers des Flusses erstreckt sich Borough, wo früher Jack the Ripper sein Unwesen trieb. Unter der Eisenbahnbrücke hat seit dem Mittelalter der Borough Market seinen Platz. Pies vom Pie Minister, Chai Tea gegen kalte Hände. Starkoch Jamie Oliver kauft hier Gemüse von lokalen Anbietern. Am Metzgerstand hängen kopfüber Fasane und Hasen, ungerupft und ungehäutet. Die Leute, die sich der Brücke nähern, haben bleiche Bürogesichter. Sie gehen im Gleichschritt: die schwarze Armee der Arbeitswütigen. Über der Waterloo Bridge, die man von hier aus sehen kann, zieht schwefelgelbe Abendstimmung auf.

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STÄDTE IN DER STADT


Elephant and Castle, gegen Abend
Das eigentliche Leben spielt sich in London außerhalb des Stadtzentrums ab. Die Außenbezirke sind Mikrokosmen, in denen der Alltag seine Geschichten schreibt.

Die Straßenhändler packen ihre Ware zusammen, überall stehen Frauen mit Kindern und Tüten, Männer in Anzügen. Hauptsächlich Farbige, die von der Arbeit im Zentrum zurückkommen und den Bus nach Brixton oder Peckham im Süden nehmen. Das Licht der untergehenden Sonne lässt den gigantischen Plastikelefanten vor dem zirkuszeltartigen Vordach des Shoppingcenters rosafarbener wirken als sonst. Im Gegenlicht sieht die Anlage aus wie eine Fata Morgana. Elephant and Castle – der Ort ist so absurd wie sein Name. Irgendwie hat er Stil.

Im Bus oben auf einem Platz in der ersten Reihe, mit dem Panoramafenster vor der Nase. Der Abendverkehr fließt dreispurig in Endlosschlangen. Der Bus steht eine ganze Weile, als die Leute beginnen, unruhig zu werden. Ein Unfall habe es gegeben, wird geraunt. "Can you make an announcement, Sir?" Der Busfahrer antwortet mit Schweigen. Dann setzen sich die Autos vor uns in Bewegung. Eine korpulente schwarze Frau mit buntem Kopftuch geht entschlossenen Schritts nach vorne, positioniert sich neben der Fahrerkabine: "You have to move your ass, man!", dröhnt sie. "Those people all want to go home, i’n it?" Der Busfahrer nickt verständnisvoll und betätigt die Zündung.

LONDON UNDERGROUND


Shoreditch, East London,
Freitagnacht

Um Londons Subkultur kennenzulernen, muss man die richtigen Leute kennen. Für ein bisschen alternatives Nachtleben reicht es aber, sich an East London zu orientieren. Dort sind einige der ehemaligen Untergrundclubs feste Größen.

Die Dunkelheit lebt: Der kleine Kellerraum ist voller Leute, der DJ ist schemenhaft im Licht des Regelpults zu sehen. Die Straßen werden von Partyvolk belebt: Eine Gruppe Mädchen mit roten kichernden Mündern stakst vorbei, irgendjemand lässt eine Flasche auf dem Boden zerbersten. "Hast du Hunger?" Klar. Bagel King ist sowieso um die Ecke. "Fresh Bagels – 24 hours a day, 7 days a week!" verkündet die Leuchtschrift in der Ferne und schon jetzt hängt der warme, süßliche Geruch in der Luft. Die Schlange ist endlos, ganz Shoreditch scheint die gleiche Idee gehabt zu haben. "How are you?", fragt der Verkäufer, während er fettige Papiertüten über den Tresen reicht. Der grinsende Bagel auf dem Logo seiner Kappe sieht unheimlich aus.

LONDON STREETLIFE

Brick Lane, Sonntagmittag
Großstädte sind kreative Epizentren. In Brick Lane (East London) am Sonntag kann man das erleben.

Der Dampf, der in blauen Schwaden über den Zelten hängt, riecht verführerisch. "Do you want to have lunch? Ten Pounds only!" Junge Männer in schneeweißen Hemden locken Laufkundschaft an. Die Konkurrenz ist groß: "Dheli Curry House" steht zwischen "Curry Tiger" und "Taste of India", alle drei scheinen zu "London’s Best Indian Curry" gewählt worden zu sein, wie sie auf Schildern verkünden. Die Sonne bricht in Strahlen durch die weiße Wolkendecke und beleuchtet einzelne Köpfe im Menschenmeer. Hauptsächlich junge Menschen sind es, die sonntags hierher kommen. Das Mädchen mit dem Pelzmantel und Vintage-Täschchen, der schmale Junge in hautengen Jeans und Wollpulli, die Haare zur lässigen Tolle frisiert, eine Zigarette in der Hand. Zwischen Tand und Trödel steht ein Mann mit Dreadlocks bis zum Nabel und tanzt zu Reggaerhythmen. Daneben steht ein Schild: Mister Spicy.

Vor der alten Truman-Brauerei sitzt eine Reihe Asiatinnen, die sich mit Stäbchen zierliche Portionen in die plappernden Mündchen schieben. Sie sehen aus wie kleine Vögelchen, wie sie da sitzen.

RUHE IN LONDON, RUHE VON LONDON


Hampstead Heath,
Sonnenuntergang

London strengt an. London schläft nie. Deshalb muss man sich manchmal von dem Lärm zurückziehen, in die Ruhe. Nichts ist dafür besser geeignet als ein Ausflug ins Grüne. Es ist nämlich gar nicht weit.

Ein eisiger Abendwind weht hier heute, London liegt als glitzernder Teppich zu unseren Füßen. Das ewige Brummen und Summen des Verkehrs hängt wie eine Wolke über der Skyline. Seltsam losgelöst von der Unruhe fühlt man sich hier auf dem Parliament Hill. Erst in der vogelgezwitschergetränkten Stille merkt man, wie ermüdend London sein kann. Hampstead Heath sieht aus, als wäre die Zeit im 19. Jahrhundert stehengeblieben.

Es ist eine romantische Szenerie: sanfte Hügel, kleine Seen, knorrige Bäume. Die Dunkelheit kriecht aus dem Tal empor. Der Himmel brennt, die Baumspitzen färben sich rot, das neue Superhochhaus, die Scherbe, The Shard, sieht aus, als wäre sie aus Gold gemacht. Die Luft über der Stadt verglüht, keiner sagt ein Wort. Selbst die Kinder, die gerade noch lachend herumgetobt sind, stehen und schauen. Das Liebespaar nebenan rückt näher zusammen. Wir setzen uns und machen den Wein auf, den wir mitgebracht haben. Dann schauen wir der Sonne zu, wie sie in der Ferne versinkt und den Himmel in Pastellfarben zurücklässt. Im Tal geht eine Sirene los.

London für Fortgeschrittene

Bester Kaffee:
Monmouth Café, 2 Park Street, The Borough, U-Bahn: London Bridge
Zum Essen:
World Food: Brick Lane, sonntags

besonders Truman Brewery
Fish & Chips: "Fish!" in Borough
Bagels: Bagel King (überall), Brick Lane Beigel Bake, 159 Brick Lane, Shoreditch
Märkte:
Brick Lane Market, Brick Lane, Shoreditch, U-Bahn: Liverpool Street, jeden Sonntag bis zirka 17 Uhr
Borough Market, The Borough, U-Bahn: London Bridge, Donnerstag bis Sonntag
Brixton Market, U-Bahn: Brixton Station, täglich, sonntags nur Arkaden
Portobello Market, U-Bahn: Nottinghill Gate, samstags 8 bis 16 Uhr
Nachtleben:
Plastic People, 147-149 Curtain Road, Shoreditch, U-Bahn: Oldstreet
California Studios, U-Bahn: Elephant & Castle
Fabric, 77a, Charterhouse Street
Die besten Sonnenuntergänge: Hampstead Heath, Parliament Hill. Anfahrt: Mit Jubilee Line nach West Hampstead, dann Zug bis Hampstead Heath.

Internet: http://www.visitlondon.com/de/

http://www.london.de www.londontown.com,

http://www.london2012.com  

Autor: bz

Autor: Dilbahar Askari


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