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26. Februar 2010
Über Stock und über Stein
Ein Rundweg bei Schönau.
Es ist keineswegs so, dass Wanderlustige auf ihre geliebten Wandertouren verzichten müssen, sobald der Nachwuchs da ist. Zugegeben, mit dem Kinderwagen zu wandern kann abenteuerlich sein, wenn man unbekannte Wege beschreitet. Sorgenfrei, ohne große Komplikationen, mitsamt Kinderwagen lässt es sich auf einem Rundgang bei Neuenweg/Schönau wandern.
Der zunächst geteerte Wanderpfad von der "Eck" (im Schwarzwald bei Neuenweg) in Richtung Belchen (gelbe Markierung) empfiehlt sich durch seine einfache Beschaffenheit für jede Jahreszeit. Die sechs Kilometer lange Tour über Teerstraßen und Landschaftswege führt uns (im Sommer!) durch die angenehme Kühle eines schattenspendenden Waldes (im Winter durch den weißen Zauber schneebedeckter Tannen), vorbei an plätschernden Gebirgsbächen, durstlöschenden Wasserbrunnen bis hin zum Nonnenmattweiher, einem kleinen Gebirgssee. Mit insgesamt drei kürzeren Anstiegen ist die Tour in zwei- bis zweieinhalb Stunden zu bewältigen. Ein geländegängiger Kinderwagen ist jedoch zu empfehlen, da der Weg auch über holpriges Geröll hinwegführt.
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Schon kurz nach dem Ausgangspunkt an der "Eck" mündet der geteerte Weg in einen Landschaftsweg (immer noch gelbe Markierung), lässt links einen großen Bolzplatz mit Grillstelle liegen und dringt in den Wald ein bis zu einer Wegkreuzung, wo wir uns links halten – weiter auf dem "unteren Grundwaldweg" Richtung Mittelheubronn.
Wir lauschen dem Vogelgezwitscher, dem leisen Rascheln der Blätter im Wind, Schmetterlinge tummeln sich im Grün. Nach dem leichten Anstieg kommt die Belohnung: Leicht bergabwärts wandern wir weiter durch den Wald bis zum Grundbach, wo wir eine scharfe Linkskurve einschlagen und die Wegmarkierung verlassen. Auf dem Neumattenweg geht es weiterhin angenehm bergab, in der idyllischen Stille des Waldes entlang des plätschernden Grundbachs, den wir vor lauter Dickicht und Sträuchern kaum sehen, nur hören.
Nach einigen Gehminuten lichtet sich der Wald und wir stoßen unmittelbar auf eine abgelegene, romantische Hütte (Neumatt-Hüsli). Die Hüttenbewohner räkeln sich auf Liegestühlen, genießen die warmen Sonnenstrahlen. Dort befindet sich ein Brunnen, aus dem kaltes Gebirgswasser sprudelt. Bevor es auf einem schönen Wiesenpfad talabwärts bis nach Mittelheubronn weitergeht, tanken wir unsere Wasservorräte auf.
Im Tal angekommen überqueren wir die Landstraße und marschieren einige wenige Schritte (etwa 20 Meter) bergauf bis zur Beschilderung "Nonnenmattweiher". Hier geht es rechts über das Kreuzbächle, zwischen wenigen Bauernhäusern hindurch, weiter aus dem Örtchen hinaus in die Weiden, wo einige Kühe neugierig ihre Köpfe in die Höhe recken.
Einige Minuten genießen wir das unbeschwerte Rollen des Kinderwagens auf dem Teerweg, doch schon bald heißt es wieder kräftig bergauf schieben, Richtung Nonnenmattweiher.
Oben angekommen wird die Mühe belohnt: In einer urigen Fischerhütte gibt es neben Cappuccino und Latte Macchiato (ganz untraditionell) auch Bier und Apfelschorle sowie Forellenfilets und Spezialitäten wie Salami- und Schinken von der Ziege mit Brot.
Wer sein Vesper selbst mitgebracht hat, kann es sich einige Meter weiter am Ufer des Nonnenmattweihers gemütlich machen. Das schöne Gletscherkar mit seinen hohen Felswänden ist ein einzigartiges Relikt aus der Eiszeit. Durch den künstlichen Aufstau des Karsees Anfang des 18. Jahrhunderts löste sich ein Teil des vermoorten Karbodens ab und eine schwimmende Torfinsel entstand – ein für den Schwarzwald einmaliges Naturereignis. Heute befindet sich der kleine See in einem seit 1987 erklärten 70 Hektar großen Naturschutzgebiet.
Nach einer kräftigen Stärkung rüsten wir uns für den Weitermarsch. Vom See aus halten wir uns nun links, orientieren uns an der blauen Markierung Richtung Neuenweg/Vorderheubronn. Erfreulicherweise geht es wieder auf einem netten, breiten Waldweg durch das Naturschutzgebiet eine ganze Weile bergab, an Verzweigungen halten wir uns stets links. Holpernd rollen die Räder den Berg hinunter, über Stock und Stein.
Anders als auf der ersten Wegstrecke befinden wir uns nun auf einem gut frequentierten Wanderpfad. Wir entdecken Heidelbeersträucher und Pferde, begegnen Sportlern beim Nordic Walking und Spaziergängern zuhauf. In Vorderheubronn angelangt sehen wir bereits den Parkplatz, unseren Ausgangspunkt, der oberhalb an der Landstraße liegt. Über einen Wiesenweg ("Blaue Raute"/"Rundweg 2 und 3") erreichen wir nach einem etwa 30 Meter langen und steilen Anstieg erschöpft das Auto. Das wäre geschafft, mitsamt Kinderwagen!
Autor: Heike Loesener


