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17. August 2012

Wiesen, Wasser und Felsen

Franche-Comté und französischer Jura: Nah und mit viel Raum für Entdeckungen zu Fuß.

  1. Foto: bz

  2. Das ehemalige Kloster Notre-Dame-de-Consolation im Cirque de Consolation Foto: Rolf Müller

Es ist eine Landschaft voller Naturwunder, geprägt von drei großen Flüssen und unzähligen Seen, von steilen Felshängen und atemberaubenden "Cirques", aber auch von saftigen Wiesen, auf denen jene Kühe weiden, die die Milch für viele berühmte Käsesorten liefern: der Jura, der sich vom Schweizer Mittelland bis weit über den Genfer See hinaus rund 300 Kilometer weit erstreckt. Und genügend Raum zum Wandern bietet. Während der Schweizer Jura mit Highlights wie dem Creux du Van, dem Chasseron oder dem Weissenstein bei Wanderern hinlänglich bekannt und erschlossen ist, bietet der französische Teil des Jura noch viel Raum für Entdeckungen.

Dabei hilft der Rother Wanderführer von Thomas Rettstatt mit 50 Touren zwischen dem Ballon de Servance samt dem Plateau der Tausend Seen am südwestlichen Ende der Vogesen und dem Cirque des Avalanches, dem Talschluss der Lawinen unweit des Genfer Sees. Wobei sich der Autor noch ein Stück nach Norden, bis an die Saône und zu einem Stadtspaziergang durch Besançon vorarbeitet.

Die meisten und anspruchsvollsten Wanderungen finden sich indessen im Herzen des französischen Jura: An den Ufern und in den Georges des Doubs, der mehrfach seine Richtung wechselt, für 90 Kilometer Luftlinie von der Quelle bis zur Mündung 450 Kilometer braucht und dabei einige der schönsten Schluchten und einen Wasserfall, den Saut du Doubs, schuf. Da sind die Schluchten des Lison, der gleich mit einem Wasserfall ans Tageslicht tritt, die Loue, die aus einem Felsentor kommt und die Nouailles-Schlucht geschaffen hat, oder die 65 Meter hohen Wasserfälle des Hérisson. Schon in der Nähe des Genfer Sees geht es durch die Schluchten der Valserine. Und da lässt der Cirque de Consolation, der Talschluss mit der Quelle des Dessoubre, einem alten Kloster und einem verwunschenen Park, buchstäblich ans Ende der Welt denken. Der Talschluss von Baume-les-Messieurs überwältigt mit seinen Felswänden, Grotten und Wasserfällen. Und immer wieder kontrastieren die tiefen Schluchten mit den sanften Wiesen auf den Plateaus, mit ruhigen Seen wie dem Lac de St-Point oder dem Lac d’Ilay. Ein Jura-typisches Gipfelerlebnis darf nicht fehlen: der Mont d’Or an der Grenze zur Schweiz, der beiderseits einem Käse den Namen gegeben hat. Man steigt relativ sanft einen Wiesenhang empor, um plötzlich, wie auf dem Chasseron, auf 1461 Meter Höhe an einer atemberaubenden Abbruchkante zu stehen.

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Alle Wanderungen sind in der von den Rother-Wanderführern gewohnten sorgfältigen Weise beschrieben, mit Kartenskizzen, Höhenprofilen und Farbfotos versehen, bei deren Anblick man am liebsten gleich losgehen würde. Nur eines fehlt im Zeitalter von GPS und Navigationsgeräten gerade in dieser Region: Die GPS-Daten für die Startpunkte, die oft als einsame Parkplätze "in the middle of nowhere", weitab von öffentlichen Verkehrsmitteln liegen.
– Thomas Rettstatt, Französischer Jura, Bergverlag Rother, München, 160 Seiten mit zahlreichen Farbfotos, Kartenskizzen und Höhenprofilen, 14,90 Euro

Autor: Rolf Müller