Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Juli 2009

Eine Nervensäge für die Maniacts

Die Theatergruppe des Englischen Seminars inszeniert "The Nerd" mit viel skurrilem Humor

  1. Im Monsterkostüm tritt der Nerd (David Beck) in das Leben des Willum (Martin Hermann). Foto: BZ

Plötzlich steht ein haariges Zottelvieh auf der Bühne, mit riesigem Schädel, Insektenaugen, Klauen und Reißzähnen. Das wahre Monster jedoch ist der Typ, der kurz darauf aus dem Halloween-Kostüm schlüpft. Nicht umsonst heißt Larry Shoes Komödie "The Nerd", was in diesem Fall so viel bedeutet wie "Die Nervensäge", auf die Bühne gebracht von den Maniacts, der Theatergruppe des Englischen Seminars der Universität Freiburg.

Im Mittelpunkt des Stücks steht der Architekt Willum Cubbert, ein netter Kerl, dem es aber an Durchsetzungsvermögen fehlt. Sein Chef, der Hotelbesitzer Waldgrave, ist ständig mit den Entwürfen unzufrieden, die er ihm vorlegt. Seine Freundin Tansy will im entfernten Washington Karriere als Wetterfee machen, obwohl er sie lieber bei sich hätte. Trotzdem muss viel passieren, damit Willum endlich für seine Interessen eintritt. Das vermeintliche Unheil beginnt ausgerechnet an seinem Geburtstag – mit dem Auftauchen des kostümierten Partygasts.

Der Mann im Monster-Dress ist Rick Steadman, Willums Lebensretter aus dem Vietnamkrieg. Dicke Brille, schrille Krawatte, Hosenträger, biedere Frisur, breitbeiniger Gang, leicht geöffneter Mund. Der Nerd. Was sich nun entwickelt, lebt vor allem vom Zusammenspiel der beiden großartigen Hauptdarsteller: David Beck reizt als Rick unfreiwillig alle anderen Figuren bis aufs Blut und nimmt davon noch nicht einmal Notiz. Und Martin Hermann veranschaulicht Willums Gemütszustand zwischen übertriebener Freundlichkeit, Verzweiflung und Wut mit humorvollem Mienenspiel. Willum tut alles, um seinen Lebensretter loszuwerden, ohne ihn verletzen zu müssen. Er täuscht vor, sich in ein monströses Schwein zu verwandeln, weil Rick die Tiere fürchtet. Er serviert ihm Hüttenkäse, mit warmem Wasser verrührt. Er versucht ihn zu langweilen, indem sie gemeinsam beobachten, wie ein Apfelgrips langsam braun wird. Vergeblich.

Werbung


Auch die Nebenrollen sind gut besetzt: Stimmgewaltig verkörpert Michael Helten den cholerischen Waldgrave, den der Nerd sofort aus der Fassung bringt. Wie unwohl sich seine Frau Clelia alias Marie Ebenezer dabei fühlt, ist ihr jederzeit anzumerken. Lesley Elizabeth Gartner bringt binnen Sekunden den Charakter des verzogenen Waldgrave-Sohns Thor auf die Bühne. Ella Micheler macht als Tansy gute Miene zum bösen Spiel, ihr unterdrückter Zorn ist deutlich spürbar. Und Maximilian Vogelmann kommentiert als Axel, Willums bester Freund, die Szenerie mit viel Zynismus. Wer skurrilen Humor mag und die nötigen Englischkenntnisse mitbringt, kommt bei dieser herrlich witzigen Inszenierung von Bernhard Marx auf seine Kosten.
– Weitere Aufführungen: 10., 11. und 12. Juli, Theatersaal Alte Uni, Bertoldstraße 17, Freiburg, jeweils ab 19.30 Uhr.

Autor: Nicolas Scherger