Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. März 2010

Kleine Reflexionen über große Gefühle

VOR DER PREMIERE: Karin Maßen inszeniert mit ihrem Theater Tempus fugit das Stück "Liebe Grüße, Deine Marie".

  1. Zwei Schauspielerinnen und viele Rollen. Nach diesem Prinzip arbeitet „Tempus fugit“. Foto: Thomas Quartier

Ausgrenzung oder emotionale Verwahrlosung bei Kindern und die zunehmende Überalterung gehören zu den drängendsten gesellschaftlichen Problemen. Beide Themen haben vorrangig eine soziale Komponente. Doch hinter all diesen demografischen, bildungs-, gesundheits- und familienpolitischen Facetten gibt es noch eine rein menschliche: Wie erleben Kinder oder alte Menschen Freude oder Traurigkeit, wie gehen Sie mit Gefühlen um? Reflexionen darüber stellt das Stück "Liebe Grüße, Deine Marie" an, das "Tempus fugit" in Eigenarbeit entwickelt hat und heute bei der Premiere in der Stadtbibliothek Lörrach vorstellt.

Karin Maßen, die künstlerische Leiterin des Theaters "Tempus fugit", ging lediglich mit einer Grundidee in die Produktion. "Ausgangspunkt war die Frage, wie sich ein Mädchen und eine alte Frau begegnen können", sagt Karin Maßen. Zusätzlich zu dieser szenischen Konstellation hatte Karin Maßen noch eine Grundstimmung im Sinn, die sich über die gesamte Produktion legen sollte. Ziel war, bei beiden Personen und vor allem in ihrer Begegnung eine Art Lebensfreude durchschimmern zu lassen.

Werbung


Die Detailarbeit erfolgte dann im Ensemble. Die Theaterleiterin und Regisseurin arbeitete dabei mit zwei Schauspielerinnen von der bekannten Dimitri-Schule zusammen. Linda Sett, die früher einmal bei "Tempus fugit" angefangen und die Multiplikatorenausbildung durchlaufen hat, und Lea De Toffol bringen von ihrer Tessiner Schauspielschule ein breites darstellerisches Repertoire mit: Sprache, Akrobatik, Musik, Dramatik, Komik – all diese Werkzeuge sollten bei der Entwicklung und Umsetzung des Projekts eingesetzt werden.

"Zunächst haben wir zu jeder Person eine Geschichte erarbeitet", sagt Karin Maßen. Klar war dabei, dass Einsamkeit die unterschiedlichen Biografien verbinden könnte. "Das ist ein Problem für viele alte Menschen, aber das kennen auch viele Kinder, wenn sie nicht den Anschluss finden", sagt Karin Maßen. Im Stück gehen beide Personen einen unkonventionellen, aber doch naheliegenden Weg: Die alte Frau lässt sich auf die Freundschaft mit dem Mädchen ein, und das Mädchen akzeptiert die leicht demente Dame als gute Kameradin. Ein einfaches Setting, ein schlichtes Bühnenbild, dafür aber viele schnelle Rollenwechsel – mit diesen bewährten Konzepten hat "Tempus fugit" schon mehrfach reüssiert.

Ein Theater wie "Tempus fugit" ist darauf angewiesen, mal hier und mal dort zu spielen. Meist diktieren die Umstände, wo die mobile Bühne gerade Station macht. Bei "Liebe Grüße, Deine Marie" hätte der Ort der Premiere nicht beziehungsreicher sein können. Die Art, wie die Geschichte entstanden sei, meint Karin Maßen, gleiche der Arbeit vieler Autoren und auch dem Erleben von Kindern, wenn sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Eine neue Facette im Produktionsablauf war eine zusätzliche Überprüfungsphase. Als das Stück in Umrissen entwickelt war, kamen Schulklassen in eine Voraufführung. Die Kinder beschrieben, was sie für sich entdeckt hatten und was sie an der Geschichte noch vermissten. Daraufhin, so erzählt Karin Maßen, sei noch einmal viel verändert oder verfeinert worden.
– Premiere heute, 17 Uhr. Danach noch: 11. und 12. April, 10.30 und 17 Uhr, 19. April, 10 und 15 Uhr, 20. April, 10.30 und 17 Uhr sowie 21. April, 15 Uhr, jeweils in der Stadtbibliothek Lörrach

Autor: Willi Adam