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12. März 2010
Lücken in der Wirklichkeit
"Liebe Grüße, Deine Marie" der Theatergruppe Tempus fugit in der Lörracher Stadtbibliothek.
Eine alte Frau und ein kleines Mädchen. Beide leben in derselben Straße und sind in ihrem einsamen Alltag eingesperrt. Beide machen sich diesen erträglicher, indem sie sich in die Vergangenheit oder die Zukunft träumen. Irgendwann kommt ein Vogel ins Spiel, der in Freiheit lebt und trotzdem von keiner Katze gefressen wird – und aus einsamen werden gemeinsame Träume. Die Theatermacherin Karin Maßen hat mit "Liebe Grüße, Deine Marie" und Tempus fugit eine Inszenierung auf die Beine gestellt, die auch Stückentwicklungsprojekt heißen könnte – und hoch poetisch und leicht das Thema "soziale Isolation" behandelt. Am Mittwoch war Premiere in der Stadtbibliothek Lörrach.
Text und Dramaturgie standen nicht fest, als die Theatergruppe mit der Arbeit begann. Idee für die Produktion war lediglich die Konstellation der zwei Protagonistinnen und die Grundstimmung einer sich durchsetzenden Lebensfreude. Wie die beiden Frauen aufeinander treffen, wie sich ihre Freundschaft entwickelt und wohin sie führt, hat Maßen mit den zwei Absolventinnen der bekannten Dimitri-Schule Linda Sepp und Lea De Toffol in den Proben entwickelt. Schulklassen besuchten dann Voraufführungen – nach ihren Gedanken zur Inszenierung haben Maßen und ihre Gruppe die Produktion daraufhin noch einmal verfeinert.
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Marie und Mariechen also, eine alte und eine junge Frau. Die eine erledigt die beschwerlichen Einkäufe und sucht dann verzweifelt nach Wohnungsschlüssel und Brille. Endlich im Innern der kleinen Wohnung angekommen, schlupft sie in ihre alten rosa Puschen und schickt einen Luftkuss zu ihrer großen Liebe Heinz, von dem ein Foto als junger Matrose an der Wohnzimmerwand hängt. Die andere wird des Stehlens verdächtigt und flieht schnell wie der Blitz durch die Straßen nach Hause. Doch die Mutter ist wieder einmal nicht da, als das Mädchen klingelt – und der Vater in Neuseeland oder gar nicht bekannt. Also stellt sich Mariechen auf einen Berg und macht Flugversuche.
Irgendwann findet das Mädchen einen echten Vogel und will ihn behalten. Doch die Mutter hat Angst vor Krankheitserregern und so kommt das Tier zu Marie und ihrer Katze. Zwischen den Tieren und Frauen entspinnt sich eine Freundschaft, die das Leben und die Freiheit zelebriert, die tierisch und fabelhaft zugleich ist. Dann ruft Mariechens Vater aus Neuseeland an und kauft Tickets für sie und die Mutter. Die neue Freundin verlässt die alte Frau – wie Heinz, der Matrose, vor Jahren. Marie bäumt sich noch auf, bearbeite die alte Quetschkommode – bis sie einschläft und Mariechen zum Hafen muss.
Wie die zwei Schauspielerinnen zwischen den vier Rollen (Marie, Mariechen, Katze und Vogel) hin und her springen, ist zauberhaft. Warum die Tiere plötzlich wie Menschen sind und sich verhalten, als seien sie auf der Partnersuche, ob Marie und Mariechen sich wirklich anfreunden oder ob ihre gemeinsamen Kopfaus-flüge wiederum nur in einem dieser vier Köpfe stattfinden, bleibt offen. Und das ist es, was die Inszenierung ausmacht, dass die Theatergruppe hier trotz des realistischen Problemthemas Lücken lässt und sie mit Gedanken und Bildern füllt, die Poesie und Fantasie auf verrückte Weise die Bühne überlassen.
– Vorstellungen: 11. und 13. März, je 10.30 und 17 Uhr und 14. März 15 Uhr, jeweils in der Lörracher Stadtbibliothek. 12. März, 10 und 15 Uhr im Bürgersaal Rheinfelden.
Autor: Claudia Gabler
