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13. Juni 2012
"Wahrhaftig, prall, frech und emotional"
VOR DER PREMIERE: Der neue Regisseur Tom Müller inszeniert bei den Burgfestspielen Rötteln Shakespeares "Sommernachtstraum".
"Lasst die Augen blitzen, seid frech, zeigt Spielfreude!". Die Theaterleidenschaft wirkt ansteckend, wenn Tom Müller hoch oben auf der Burg Rötteln steht und seine Schauspieler bei den Proben motiviert. Der Zauberwald mit Bäumen, Büschen und Blättern ist fertig aufgebaut, ebenso die gelbe Burgsilhouette, die als Kulissenbild auf der zweiten Spielebene das echte Burggemäuer widerspiegelt. Alles ist parat für Shakespeares "Sommernachtstraum", mit dem Tom Müller sein Debüt als Regisseur bei den Burgfestspielen Rötteln feiert. Am 22. Juni ist die Premiere.
"Wahrhaftig, prall, frech und emotional": So soll sein "Sommernachtstraum" werden, verrät der 54-Jährige aus Hamburg, der seit 30 Jahren Theaterprofi ist – ein Theatermann durch und durch, leidenschaftlicher und erfahrener Schauspieler, Regisseur und Schauspiellehrer, der sein Metier von der Pike auf gelernt hat, an der Schauspielschule in Bochum studierte, an verschiedenen Theatern in Deutschland engagiert war und mit Stars wie Heidi Kabel oder Horst Tappert spielte.
Vom lässigen Jeanslook des Regisseurs, der seit fünf Jahren in Grenzach-Wyhlen lebt, sollte man sich nicht täuschen lassen. Ein moderner Shakespeare in Jeans oder Businesskostüm mit Handy kommt für Müller nicht in Frage. In seiner Regie wird der "Sommernachtstraum" in prachtvollen Kostümen vom Theater Basel gespielt. "Wer heute ein klassisches Stück in klassischen Kostümen spielt, ist schon wieder Avantgarde", outet sich Müller. In seiner Inszenierung setzt er auf Zauberhaftes und Gefühle.
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"Shakespeare zeigt uns die Kraft der Liebe und macht sich über die Auswirkungen, was die Liebe aus uns macht, lustig", beschreibt Müller, was ihn an dieser Komödie so fasziniert. "Die Liebe ist die größte Macht im Universum". Shakespeare führt lustvoll vor, wie die Liebe einen Esel aus einem machen oder einen völlig verzaubern kann.
Der "Sommernachtstraum" war Tom Müllers Wunschstück für sein Burgdebüt. Für ihn ist es das kompletteste Theaterstück der Welt: "Es hat Romantik und viel Zauberhaftes, aber auch brüllende Komik." Wichtig ist ihm, dass seine Schauspieler den Text – in der alten Schlegelschen Übersetzung – nicht gekünstelt deklamieren, sondern im Rhythmus der Sprache mit Leben und Bewegung füllen. Eine Herausforderung für das 20-köpfige Ensemble. "Es ist ganz schön schwer, so in den Text hineinzukommen, dass er Gefühl rüberbringt", sagt Dietmar Fulde, seit dieser Saison neuer Vorsitzender und Spielleiter der Burgfestspiele, der in der Doppelrolle als Theseus und Oberon agiert. "Die Komödie hat aber auch etwas Zauberhaftes, was wunderbar auf die Burg passt". Das Burggemäuer, der Wald, die gefühlsverwirrten jungen Liebespaare, die durch den Wald irren, der freche Waldgeist Puck, der sich als Amor aufspielt, die tanzenden Elfen, der Zauberspuk, die Elfenkönigin Titania, die sich in den eselköpfigen Handwerker Zettel verguckt: Da wird optisch einiges an Bühnenmagie geboten. "Wir bauen hier ein Stück Illusion auf", sagen Nicole Müller, die als unglücklich verliebte Helena zu sehen ist, und Stefanie Asal, die als Puck ihre erste große Rolle spielt.
Jugendliche Neuzugänge im Burgensemble sind der 17-jährige Dennis Gal als Lysander und der 18-jährige Mario Brutschin als Demetrius, die umschwärmte Hermia ist mit Melina Kiefer besetzt. Erstmals auf der Freilichtbühne der Burg steht der 86-jährige Walter Huber, der Hermias Vater gibt – während als Elfen vier junge Mädchen umhertanzen: also ein Ensemble mit weitem Altersspektrum. In der weiblichen Hauptrolle der Titania bringt Karin Kolb auch tänzerische Elemente in ihr Spiel ein. Als Handwerker können bewährte Burgschauspieler wie Henrik Schindler und Kurt Adlberger ihr komödiantisches Potential ausspielen. Adlberger hat schon 1979 im letzten "Sommernachtstraum" auf der Burg mitgespielt, damals unter Regie von Erhard Richter.
Diese Saison bei den Burgfestspielen steht im Zeichen des Umbruchs. Doch Müller hat es mit seinem Enthusiasmus und klarem Regiekonzept in viermonatiger Probenarbeit geschafft, ein Team zu formen. "Die Zusammensetzung ist sehr stimmig", findet Nicole Müller und schwärmt von der "sehr kreativen, angenehmen, wertschätzenden Arbeit" mit Regisseur Müller. Dieser verspricht "eine Aufführung, die auch von Shakespeare goutiert worden wäre...".
– "Ein Sommernachtstraum", Burgfestspiele Rötteln, Lörrach-Haagen: Premiere 22. Juni, 20.15 Uhr. Weitere Aufführungen bis 4. August jeweils Freitag und Samstag sowie an den Sonntagen 22. und 29. Juli, 20.15 Uhr. Reservierungen unter Tel. 07621/5789004 oder 5789006
Autor: ros



