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02. Januar 2009

Die Angst ist schnell weg – und der Spaß da

Skikurs 50+ auf dem Feldberg mit Max von der Wintersportschule Thoma aus Hinterzarten / Von Jochen Fillisch

  1. Geht doch schon ganz gut: BZ-Kollege Jochen Fillisch am Seebuck und im Schlepptau von Skilehrer Max Foto: privat

  2. Foto: Jochen Fillisch

Wenn dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis, sagt das Sprichwort. Oder er stellt sich auf Skier, denke ich. Denn wer mit 56 Jahren noch Skifahren lernen will, der muss sich nicht wundern, wenn das in die Hose geht. Aber irgendwie war das Angebot doch verlockend: Beim Skikurs 50+ auf dem Feldberg sollte ich innerhalb kürzester Zeit lernen, auf zwei Brettern die Hänge hinunterzusausen.

"Das größte Hindernis ist die Angst", erklärt mir Gundolf Thoma schon am Telefon. Das verstehe ich, denn jeder Anfänger, der schon einmal an einem Steilhang in die Tiefe geschaut hat, dem dreht sich erst einmal der Magen um. "Wir bringen dir bei, die Angst zu verlieren, aber den Respekt zu behalten", verspricht Thoma. Der wird es wissen, denke ich, denn erstens ist er der Neffe vom berühmten Olympiasieger Georg Thoma und zweitens kommt er aus Hinterzarten, wo die Skischule Thoma schon drei Generationen ansässig ist.

"Zuerst hat man mich

unverständlich angeschaut, aber mittlerweile bietet der Deutsche Skiverband so

etwas überall an."

Gundolf Thoma

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Seit 15 Jahren bringen die Thomas auch auf dem Seebuck beim Feldberg Anfängern aus ganz Europa das Skifahren bei und dort treffe ich mich mit Max, meinem Skilehrer. Max Auste, 36, seit 20 (!) Jahren im Geschäft und im Sommer Tauchlehrer auf Korfu, begrüßt mich gleich mit Vornamen. Er inspiziert meine Ausrüstung, ist zufrieden und macht sich mit mir auf den Weg. Doch statt nach oben auf den Berg geht es nur ein paar Meter weit ins ganz leicht abfallende Gelände. "Gewöhnen ans Gerät" heißt die erste Aufgabe. Max schnallt mir den rechten Ski unter und wie beim Rollerfahren trete ich mich langsam vorwärts, gleite auf einem Bein. Danach das Gleiche auf dem linken Ski. Der Gleichgewichtssinn funktioniert, das Koordinationsvermögen ebenfalls.

Es folgen Aufwärmübungen, dann darf ich mich auf zwei Skier stellen. Das Aufwärmen hätte ich mir sparen können, denke ich, denn ich komme trotz der Minustemperaturen und des wolkenverhangenen Himmels gewaltig ins Schwitzen. Denn jetzt lerne ich erst einmal den Treppenschritt seitlich bergauf, mal mit der linken, mal mit der rechten Seite zum Berg. Und plötzlich, ohne es zu merken, haben wir schon eine beachtliche Höhe erreicht, der Blick nach unten ist gar nicht beunruhigend. Max zeigt mir den Pflug, die Pflugbremse und bringt mir dann den Wechsel vom Pflug zum Parallelfahren und zurück bei.

Einfach nur die Fersen nach innen und wieder nach außen bewegen, so einfach ist das heutzutage. Der moderne Carving-ski hat es möglich gemacht, das Skifahren in kurzer Zeit zu erlernen. Er ist kurz, vorne breit, verjüngt sich in der Mitte und geht dann nach hinten wieder auseinander. In erster Linie eignet er sich dazu, besonders sportlich und hart auf der Kante zu fahren. Doch Gundolf Thoma hat entdeckt, dass man mit ihm auch ganz gemütlich carven kann. Er hat aus der Beweglichkeit des Skis und dem kontrollierten Driften eine Methode entwickelt, mit der die Gelenke geschont werden und die daher besonders für nicht mehr ganz junge Anfänger geeignet ist. "Zuerst hat man mich unverständlich angeschaut, aber mittlerweile bietet der Deutsche Skiverband so etwas überall an", sagt Thoma nicht ohne Stolz und fügt an, dass sogar die früheren Ski-Asse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther ein Lehrbuch 50+ herausgegeben haben.

Bei mir geht es ohne Lehrbuch, ich hab’ ja den Max. Und der lässt mich jetzt langsam auf zwei Skiern nach unten gleiten, "fürs Gefühl". Und das Gefühl ist gut! Jetzt bringt er mir das Kurvenfahren bei: Einfach Druck auf den Ski geben und den Fuß drehen, mit den früher üblichen "langen Latten" ein Ding der Unmöglichkeit. Dann steigen wir in den Lift, auch das will erst einmal gelernt sein, und arbeiten uns immer höher. Später ist der Parallelschwung dran. Und immer hinterm Max her. Obwohl ich in seinem Rücken fahre, sieht er meine Fehler. "Du mogelst." Stimmt, denn ich hebe den Bergski in der Kurve leicht an und ziehe ihn nach, anstatt Druck zu geben. Aber von Mal zu Mal geht es besser. Und nach dem ersten Tag stehe ich sicher auf den Brettern, nur ein einziges Mal hat es mich in den Schnee gehauen.

Trotzdem hänge ich noch einen Vormittag dran, um mehr Sicherheit zu bekommen. Die Sonne scheint diesmal ungetrübt, der Himmel ist wolkenlos blau und der Schnee pulvrig – idealer geht es nicht. Max zeigt mir den Stoppschwung, mit dem ich aus voller Fahrt anhalten kann und korrigiert immer wieder meine Mogelhaltung. Wir schwingen mehrfach den Seebuck hinunter, dann wechseln wir auf den Gräfenmatthang. Wir müssen die Fußgängerbrücke überqueren und da wird mir doch etwas mulmig, denn dahinter geht es ein kurzes Stück mit rund 40 Prozent Gefälle hinab. Es klappt problemlos, ich stoße alpenländische Jauchzer aus. "Super", freut sich auch Skilehrer Max mit mir.

Am nächsten Tag juckt es mich wieder. Der Kurs ist zwar vorbei, trotzdem mache ich mich wieder auf zum Feldberg. Ganz allein. Und es geht auch ohne Max. Der staunt richtig, als ich rasant an ihm vorbeibrause.

Info: Wintersportschule Thoma, Ob der Schwelle 2, 79868 Feldberg, Tel. 07655/ 933060, info@thoma-skischule.de,

Internet: http://www.skischulen.de

http://www.feldberg-skischule.de

Autor: Jochen Fillisch