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30. Juni 2012

Picknick überm Rhein

Eine Brücke trennte erst, bevor sie dann doch für gute Verbindungen sorgte.

Es gibt kein schöneres Symbol für Verbundenheit als eine Brücke – könnte man meinen. Doch die "Passerelle des deux rives", die zur grenzüberschreitenden Landesgartenschau 2004 Straßburg und Kehl verbinden sollte, löste zunächst anderes aus: Protest.

In Kehl bildete sich eine Bürgerinitiative, die über 3000 Unterschriften gegen die Brücke sammelte. Diese sei eine "Zumutung", das angrenzende Viertel mit seinen "hübschen alten Villen" werde zu einem "Rummelplatz". Außerdem warnten besorgte Bürger in Schreiben an das Regierungspräsidium Freiburg davor, "dass die Kriminalität in Kehl in Zusammenhang mit der geplanten Brücke zunehmen wird". Auch die Straßburger Stadtverwaltung, die dem Bau zunächst zugestimmt hatte, ging nach dem Amtsantritt einer neuen Bürgermeisterin auf Distanz zu den Plänen: Diese seien unnötig und zu teuer.

Doch die Widerstände provozierten auch Unterstützung für die Brücke über den Rhein: Die Ankunft der "Tour de France" 2001 in Straßburg nutzten Brückenfans, um in gelben Trikots für den Bau zu werben. Und 2002 bildete sich sogar ein deutsch-französischer Verein, der sich mit Blick auf die gemeinsame Gartenschau "Garten/Jardin" nannte. Die Aktivisten bauten unter anderem Informationsstände auf und veranstalteten Schifffahrten auf dem Rhein, um ihre Unterstützung für die Brücke auszudrücken.

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Diese wurde schließlich auch gebaut, die geplanten Kosten verdoppelten sich tatsächlich, doch den Befürchtungen zum Trotz wurde sie gut angenommen. Der Verein "Garten/Jardin" besteht heute noch: Einmal im Monat veranstaltet er ein Picknick über dem Rhein – auf der Plattform, die Architekt Marc Miram in der Brückenmitte gebaut hat.

Autor: bex