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04. April 2012
BZ-Serie (Teil 16)
Römerstadt Augusta Raurica: Ab in die Antike
Ein Besuch in der Römerstadt Augusta Raurica ist Geschichte zum Anfassen
Tetto mag die kleinen tanzenden Frauen an den Wänden des Bankettsaals, in dem im Sommer die Gäste empfangen werden. Die Männer lagern dann, wie man das von den römischen Festen kennt, auf den Speisesofas, die Damen sitzen gesittet auf den Stühlen. Tetto und seine Schwester Prittusa müssen die gesellige Runde bedienen. Sie sind Kinder der Haussklaven und leben mit der vornehmen Familie ihres Herrn und mit mehr als 10 000 anderen Bewohnern in Augusta Raurica, einer großen römischen Stadt mit Marktplätzen, Thermen, Theatern und Tempeln.
Lucius Munacius Plancus, ein Feldherr Caesars, hatte die Stadt im Jahre 44 vor Christus an einem Knotenpunkt wichtiger Verkehrsrouten als ersten römischen Stützpunkt am Rhein gegründet. Im 3. Jahrhundert, als die Römer mit der nördlichen Reichsgrenze an den Rhein zurückwichen, wurde das Stadtzentrum rund um das Forum verlassen. In der Nähe der heutigen Stadt Basel entstand zugleich ein mächtiges Kastell.
Vor 350 Jahren wurde die bedeutende Siedlung wiederentdeckt. Seither wird gegraben, geforscht, dokumentiert – in der am besten erhaltenen Ruine nördlich der Alpen, wie Dani Suter, Leiter von Augusta Raurica, der Besucherin erklärt. Ein Ort des Forschens und ein Ort des Erlebens ist die Römerstadt. Viel wird dafür getan, lebendig zu machen, wie es dort einst zugegangen ist.
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Dabei helfen die Sklavenkinder Tetto und Prittusa. Die Geschwister erzählen von ihrem Leben mit der Familie ihres Herrn, der im Stadtrat sitzt und hofft, eines Tages Bürgermeister zu werden, von der Herrin, die sich das Gesicht mit Blei pudert und ihrer Tochter Araurica das Spinnen beibringt, von Albanus, der sich im Amphitheater am liebsten die Gladiatorenkämpfe anschaut.
Die beiden Sklavenkinder sind die Helden eines Museumsheftes, das die jungen Besucherinnen und Besucher im typischen Römerhaus von Raum zu Raum führt. Was die Leser dort abgebildet sehen, stützt sich auf Forschungsergebnisse. Sie finden alles im nachgebauten Wohngebäude direkt neben dem gewaltigen Theater wieder: die Toilette in der Küche, die Tänzerinnen an den Wänden und das Speisesofa im Bankettsaal, die Unterbodenheizung im Bad, die Amphoren in der Schankstube und vieles mehr, was zum Leben in einem solchen Haus gehörte. Weil es sich um Nachbauten handelt, ist Anfassen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Im Badehaus können sich Kinder einkleiden wie die Römer; auch Spiele, wie sie damals gängig waren, sind zum Gebrauch gedacht. Dazu gehört eines, das unserem Mühlespiel gleicht.
All das stimmt ein auf die Originale, die das weitläufige Gelände von Augusta Raurica zu bieten hat. Mächtig ragt das Theater auf, das einst 10 000 Menschen fasste und einen wunderbaren Blick auf die Tempelanlage auf dem gegenüberliegenden Hügel gewährt. Vorbei an der Badeanlage geht es zum unterirdischen Brunnenhaus, ein einmaliger Fund, der bis heute Rätsel aufgibt. Die Ruinen von Forum und Forumstempel, unterirdische Abwasserleitungen, die Umrisse eines Amphitheaters, Reste eines Gewerbebetriebes, eine Taverne, Kastellmauern, Überreste einer imponierenden Thermenanlage finden sich auf dem Gelände der Gemeinden Augst und Kaiseraugst. Was der Besucher nicht sieht, sind die 1,6 Millionen Fundstücke in den Depots. In 150 Jahren systematischer Grabung wurden sie mit aller Vorsicht geborgen. Nur ein Bruchteil kann im Rahmen von Wechselausstellungen im viel zu kleinen Museum gezeigt werden, darunter Teile eines bedeutenden Silberschatzes.
Kindern und ihren Eltern wird in Augusta Raurica sinnliches Erleben möglich gemacht. Familien können Brot backen und spielen wie die Römer, Fundstücke in die Hände nehmen und selbst Gegenstände modellieren. Es gibt Führungen für Familien, und ganz anschaulich kann man sich auch schon am heimischen Computer auf den Familienbesuch einstimmen. Unter http://www.augustaraurica.ch ist zum Beispiel das Römerhaus virtuell begehbar.
Ein Geschichtspfad ermöglicht eine kurzweilige Entdeckungsreise, und die Kleinsten sind am besten im römischen Haustierpark mit wollhaarigen Schweinen, Ziegen, Pfauen oder Gänsen aufgehoben. Am meisten haben Kinder in einem Alter von 8 Jahren an von der Reise in die Römerzeit. Auf sie und auf Erwachsene sind die Angebote zugeschnitten. Der jährliche Höhepunkt: das große Römerfest am 25. und 26. August. Da erwecken Hunderte von Mitwirkenden die alten Monumente wieder zum Leben.
Für die Sklavenkinder Tetto und Prittusa war das Leben eher Arbeit denn ein großes Fest. Doch sie versichern, sie hätten es gar nicht so schlecht, weil Herr und Herrin sie fair behandelten. Das, so viel ist sicher, galt nicht für alle Sklaven im Römischen Reich.
Morgen lesen Sie: Zu Besuch bei Gnomen und Erdmännchen.
Was sagen Kinder dazu?
Jule Lange aus Bad Waldsee hat es in der Römerstadt Augusta Raurica gefallen, weil ein Schatz so spannend ist.
JULE LANG, 13, BAD WALDSEE
Ich war noch nicht in der Römerstadt, aber ich möchte in den Sommerferien hinfahren. Mich hat die Geschichte interessiert, wie ein Junge den Silberschatz entdeckt hat. Weil sein Lehrer aber gemeint hat, dass die Platte nur altes Blech sei, hat er es wieder weggeworfen. Einem zweiten Jungen ging es auch so. In der Römerstadt kann man auch selber Brot backen. Das Mehl kommt aber nicht aus der Tüte, sondern die Körner müssen auf einer alten Steinmühle gemahlen werden. Ich würde auch gerne zum großen Fest hierherkommen. Es ist bestimmt spannend, wie die Gladiatoren kämpfen. Lustig finde ich auch, dass die Menschen in der Römerzeit gemeinsam aufs Klo gingen. Die Tür konnte man nicht abschließen.
Autor: bz
Autor: Sabine Ehrentreich





