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15. Juli 2011

Wo geht’s hier bitte zum Abenteuer?

Rennen, radeln und rutschen, klettern und keuchen: Beim Adventure Race Schwarzwald geht’s am Samstag in Münstertal hoch her.

  1. mit dem Mountainbike die Berge hochhetzen Foto: Adventure Race (2)/Fertl

  2. oder abseilen: Abwechslung ist garantiert beim Adventure Race in Münstertal. Foto: Adventure Race

  3. Karten lesen, Hinweise finden Foto: Anita Fertl

Früher war alles besser, da lagen ferne Kontinente noch wie im Dornröschenschlaf und warteten nur darauf, entdeckt zu werden. So geschehen bei Christoph Kolumbus, der als Entdecker Amerikas gilt oder bei Ferdinand Magellan, der als Erster die Erde umsegelte. Heute ein Abenteuer zu erleben ist weitaus schwieriger zwischen Büro und Haushalt, Kindern und Fitnesstraining. Da findet sich auf der Weltkarte kein weißer Fleck und im Terminkalender kaum noch ein freies Wochenende, geschweige denn ein Abenteuer.

Mit drei – zwei – eins, los! beginnt unser ganz persönliches, kleines Sonntagsabenteuer beim Adventure Race in Münstertal. Die Cheerleader jubeln, Kuhglocken machen jede Menge Lärm und die Sonne strahlt dazu wie bestellt vom blauen Himmel. Unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauer rennen wir los und haben keine Ahnung, was uns erwartet. Versprochen wurde uns ein Abenteuer, das über Holzdünen, Lauf- und Radparcours führt und bei dem man sich an einer 18 Meter tiefen Felswand abseilen muss. Wir modernen Abenteuerer können uns außerdem entscheiden, wie lange und schwierig unsere Entdeckungsreise werden soll: Masterclass oder Challengeclass.

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Alle Abenteuerer haben mal klein angefangen, deshalb haben wir uns für die dritte Kategorie, die Freshmenclass, entschieden: zehn Kilometer laufen und drei Abenteuer. Denn als Anfänger wollen wir heute keine Kontinente, sondern erstmal die Berge entdecken, die sich entlang des Münstertals auftürmen.

Uta hat dafür fleißig den Verlauf der Route und den Standpunkt der Hinweise eingezeichnet, die wir beim Orientierungslauf finden müssen. Derart ausgerüstet rennen wir los, die Karte in der Hand, den Rucksack auf dem Rücken. Dort haben wir unser Bindeglied zur Zivilisation drin: das Handy mit den Telefonnummern der Bergwacht und der Rennleitung. Neben viel Flüssigem haben wir vorschriftsmäßig auch die Trillerpfeife eingepackt, um Hilfe herbeizupfeifen, falls wir verloren gehen sollten oder verletzt im Wald liegen.

Dass es im Schwarzwald auch heutzutage durchaus noch gefährlich sein kann, merken wir schnell. Das vor uns liegende Männerteam muss abbremsen, ein Hindernis tut sich auf: große Tiere mit mächtigen Hörnern. Der Bauer treibt sein Vieh von der Rennstrecke weg, die Jungs scheinen ziemlich Respekt vor den großen Kühen zu haben. Sie drücken sich vorsichtig und mit großem Abstand an ihnen vorbei. Gut für uns, denn so haben wir Zeit gutgemacht. Kurz darauf verschwindet unsere Konkurrenz aber schon wieder vor uns im Wald. "Egal, die holen wir zum Schluss wieder ein", meint Uta zuversichtlich. Ich nicke wortlos, reden kann ich schon lange nicht mehr, zu steil führen die Wege durch den Wald.

"Isses das – oder eine falsche Fährte?" Ratlos stehen wir da, mustern die Karte und das weiße Stück Stoff, das beim Aussichtspunkt hingehängt wurde und auf dem "Belchen" geschrieben steht. Wir schauen uns um, einen anderen Hinweis gibt es nicht, also schreiben wir brav den Namen auf und rennen weiter.

Abenteuerer und Entdecker mussten mit Wellenbergen auf hoher See kämpfen, wir stehen bei unserem kleinen Abenteuer vor einer riesigen, großen Düne aus Holzschnipseln. "Müssen wir da durch?" Der Streckenposten nickt freundlich. Also klettern wir auf allen vieren mühsam hoch, ein Schritt vor, zwei zurück, überwinden trotzdem irgendwie die Anhöhe und rutschen auf dem Popo auf der anderen Seite wieder runter. Schnell noch die Holzreste abschütteln und weiter, die Jungs vor uns haben wir schon längst aus den Augen verloren.

Doch als wir den nächsten Hinweis suchen müssen, kommt das Männerteam ums Eck gebogen und deutet – ganz Gentleman – dahin, wo sich der Hinweis versteckt: "Da ist er, wir mussten ziemlich suchen", sagen sie keuchend und machen sich davon. Für uns verkürzt der nette Hinweis die Pause, deshalb: "Trudpert" auf den Zettel gekritzelt und weiter, wieder einen Pfad entlang, der ständig nur bergauf zu führen scheint. Wenigstens gibt’s schöne Ausblicke über Hügelketten und eine Burg, die uns die Strapazen etwas erträglicher erscheinen lassen.

Trotzdem: Die Zeit vergeht wie im Flug, unser Entdeckerspürsinn ist geweckt, den nächsten Orientierungspunkt finden wir problemlos. Nur vom Männerteam keine Spur. Bergab finden wir unsere Sprache und auch unsere gute Laune wieder. Jetzt fühlen wir uns wie die alten Abenteuerer, die johlenden Zuschauer kurz vor dem Ziel sorgen für Gänsehaut. Wir robben unter Hindernissen durch, übersteigen andere und rennen schließlich glücklich durchs Ziel.

Und ziehen ein Fazit: Genau genommen ist heute doch alles besser, denn der Weltumsegler Magellan verstarb bei einer seiner Reisen, wir hingegen haben heute Glücksgefühle und morgen wahrscheinlich einen tüchtigen Muskelkater – nicht mehr und nicht weniger.

Adventure Race Schwarzwald, Münstertal, Belchenstraße, So, 17. Juli, 8 Uhr (Sa Einweisung ab 17 Uhr, letzte Nachmeldemöglichkeit 15 bis 16 Uhr). Startgebühr 69 Euro, Freshmen-Class 59 Euro. Anmeldung und Infos unter Tel. 07636/91264 oder unter http://www.adventure-race.org

Autor: Anita Fertl