Schwimmkurs

Freundeskreis Asyl bietet Flüchtlingen in Denzlingen Schwimmunterricht an

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 12. Juli 2018 um 17:48 Uhr

Denzlingen

Weil den Freundeskreis Asyl die Meldungen von ertrinkenden Flüchtlingen in Seenund Flüssen beschäftigten, gibt es seit einem Jahr Schwimmkurse für Flüchtlinge im Denzlinger Sportbad.

Sarah Adami läuft am Schwimmerbecken entlang. Immer auf Höhe von Firas Daoud, der sich, die Hände fest am Schwimmbrett, mit den Beinen vorwärts schiebt. Nach 25 Metern greift die Schwimmlehrerin ins Wasser, das Brett kommt weg und es gilt für den 24-jährigen Kurden, sich nun ohne Hilfe über Wasser zu halten. Nach mehreren Unterrichtsstunden ist das, im Vergleich zum Auftakt vor ein paar Wochen, kein Problem mehr. "Am Anfang ist er noch auf den Boden des Beckens gesunken", erzählt Hans Christian Voss vom Freundeskreis Asyl, der die Kurse initiiert hat.

"Es gibt auch bei uns Menschen, die schwimmen können", erklärt Firas Daoud, der aus dem Norden des Iraks stammt. Auch weiß er von Irakern, die in Euphrat und Tigris das Schwimmen gelernt und gebadet haben. Doch so selbstverständlich wie in Deutschland sei es keineswegs, sind sich Daoud sowie der 23-jährige Daban Osman und der 22-jährige Aamer Hammo einig. Gerade deshalb schätzen sie es, jetzt nachholen zu können, was ihnen im Irak nicht so wichtig war. Sie sind stolz auf den Schwimmpass.

Mittlerweile nutzen auch Frauen das Angebot

"Seit dem Start haben wir etwa 35 Unterrichtseinheiten angeboten", berichtet Voss. Den fachlichen Part hat der Organisator der Schwimmkurse, der immer mit dabei ist, an Sarah Adami vom Schwimmteam abgetreten. "Ich habe beim Schwimmteam angefragt und sie hat sich gemeldet", erzählt er, wie es dazu kam.

Für die 20-Jährige, die bereits vor sechs Jahren begann, Schwimmunterricht zu erteilen, war es reizvoll, "mit erwachsenen Schülern zu arbeiten", erklärt sie ihr Interesse.

"Anfangs dachten wir an eine größere Gruppe, dann hat sich herauskristallisiert, dass zwei Schüler genug sind", sagt Voss. Pro Kurs können vier Teilnehmer unterrichtet werden, je zwei eine halbe Stunde. Anfangs hatten sich nur junge Männer gemeldet, mittlerweile nutzen auch Frauen das Angebot.

"Der Unterschied zum Unterricht mit Kindern ist gar nicht so groß", findet Sarah Adami. Die Bewegungen würden zuerst auf dem Trockenen einstudiert und danach gehe es ins Wasser, wobei den Kindern die Koordination der Bewegungen leichter falle. "Die Frauen sind ausdauernder, wollen nicht so oft eine Pause einlegen", nimmt sie als Erfahrung mit.

"Rund zwei Dutzend Flüchtlinge haben in diesem Jahr das Schwimmen gelernt", berichtet Voss. Dass es dabei um weit mehr geht, als um die Technik, sich über Wasser zu halten, sei deutlich geworden. Einige hätten erst ihre Angst vor dem Wasser überwinden müssen, insbesondere Flüchtlinge, die mit Booten nach Europa gekommen sind. Die Angst vor dem Wasser nennen auch die Kursteilnehmer als eine der größten Schwierigkeiten. Heute kann Aamer mit einem Lächeln im Gesicht erzählen, dass er gut fünf Minuten gebraucht habe, um sich zu trauen, ins Wasser zu springen.

"Der Kurs trägt aber auch zur Integration bei. Die Teilnehmer lernen, sich in einem Schwimmbad zu benehmen, was schon damit beginnt, nicht in einer Unterhose ins Wasser zu gehen", erklärt Voss.

Fördermittel laufen aus, Freundeskreis macht weiter

Hilfreich seien auch Handzettel in deren Muttersprache, auf denen die zehn wichtigsten Baderegeln erklärt werden. Dass die Flüchtlinge umgekehrt auch erst Akzeptanz im Bad finden mussten, zählt auch zu den Erfahrungen von Voss. Nicht nur einmal habe er Sätze wie "Was wollen denn die da?" hören müssen.

"Die, die schwimmen gelernt haben, machen den anderen Mut", betont Voss. Es gebe noch reichlich Potenzial an Schwimmschülern. Deshalb sei es keine Frage, dass der Freundeskreis Asyl in Denzlingen das Kursangebot aufrechterhalten will, auch wenn demnächst die Förderung ausläuft.

Im ersten Jahr wurden aus Projektmitteln des Landes die Eintrittskarten für die Teilnehmer und das Honorar für die Schwimmlehrerin bezahlt. "So ein Projekt zu fördern, das wäre doch eine tolle Sache für einen Sponsor", meint Voss. Doch auch wenn sich keiner findet, der Freundeskreis will den Schwimmkurs für Flüchtlinge nicht untergehen lassen.