Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

15. Juni 2012

Freundeskreis bleibt weiter aktiv

In Sachen Erhalt der Badhofkapelle / Initiatoren lassen sich nicht entmutigen / Gehofft wird auf Unterstützung der Behörden.

  1. Beim Vororttermin im Februar stellten Eckhard Wegner und Mahmoud Azad von der Denkmalförderung einen Zuschuss für den Erhalt der Kapelle Bad Boll in Aussicht, machten dies allerdings von einer Beteiligung der Stadt Bonndorf abhängig. Foto: Martha Weishaar

  2. Peter Marienfeld (links) und Hans-Jörg Adler sind weiter zuversichtlich, dass die Finanzierung der Instandhaltungsmaßnahmen für die Kapelle Bad Boll gelingt und hoffen nun auf Unterstützung der zuständigen Behörden. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Der Freundeskreis zur Rettung der akut vom Zerfall bedrohten Kapelle in Bad Boll gibt nicht auf. Auch nach der völlig unerwarteten Entscheidung des Gemeinderates, als Projektträger der Sanierung der ehemaligen Badhofkapelle auszusteigen (siehe BZ vom 25.5.2012), sucht man nach neuen Wegen für den Erhalt des maroden Kleinods in der Wutachschlucht.

Im Rahmen eines Pressegespräches erläuterten die Initiatoren des Freundeskreises, Peter Marienfeld und Hans-Jörg Adler, die weiteren Aussichten für die Realisierung des Projektes und danken ausdrücklich Bürgermeister Michael Scharf für seine bislang gewährte Unterstützung. Noch im Februar hatten zwei hochrangige Vertreter der Stiftung Denkmalschutz bei einem Vororttermin einen Zuschuss in Höhe von etwa 40 000 Euro in Aussicht gestellt, den diese allerdings an eine Beteiligung der Stadt in einer Größenordnung von 20 000 Euro geknüpft sehen wollten. Eine solche ließ Bürgermeister Michael Scharf gleichwohl offen, sollte darüber doch das Gemeindeparlament entscheiden.

Im Gemeinderat indes befürchteten einige Volksvertreter mittlerweile "finanzielle Tretminen" beim Engagement für den Erhalt der Kapelle. Nachdem das Gremium in einer nichtöffentlichen Zusammenkunft im April den Ausstieg beschloss, verwiesen Bürgermeister und Freundeskreis in einem gemeinsamen Schreiben an Regierungsvizepräsident Klemens Ficht auf zunehmende behördliche Hürden im Verlauf der Bemühungen um den Erhalt der Kapelle. Einschränkungen des Denkmalschutzes sowie restauratorische Vorgaben führten zu Verteuerungen und Verzögerungen des Projektes, so dass die ursprünglich anvisierten Kosten in Höhe von 100 000 bis 150 000 Euro mittlerweile auf über 200 000 Euro gestiegen sind, manche Berechnungen belaufen sich bis auf 236 000 Euro.

Werbung


Derweil sehen die Initiatoren die Finanzierung durchaus im Rahmen des Möglichen. Nach optionalen Zuschüssen durch das Leaderprogramm der Europäischen Union sowie der Stiftung Denkmalschutz, nennenswerten Sachspenden und den vorhandenen sowie sicher zugesagten Mitteln des Freundeskreises in Höhe von 50 000 Euro klafft im Augenblick eine Finanzlücke von 30 000 Euro. Peter Marienfeld und Hans-Jörg Adler sind zuversichtlich, dass dieser Betrag durch weitere Spendenaufrufe gedeckt werden kann. Zahlreiche Firmen aus der Region sicherten unentgeltliche Leistungen zu, sei dies die kostenlose Lieferung von Beton, Geräten oder Fliesenlegearbeiten. Unentgeltlich erstellten die Architekten der Holzhaus GmbH sämtliche Pläne und auch die kostspielige statische Berechnung erfolgte ohne Rechnungsstellung. Einige Bürger haben die Finanzierung einzelner Fenster zugesagt und sogar die Installation der Glocke ist bereits jetzt gesichert.

Viele Menschen spenden für die Badhofkapelle

Der Spendenaufruf war außerordentlich erfolgreich, kamen doch aus breiten Schichten der Bevölkerung Einzelspenden. "Es ist erstaunlich, wie viele Menschen für den Erhalt der Kapelle spenden, sei dies mit fünf oder zehn Euro oder auch größeren Einzelbeträgen", freut sich Hans-Jörg Adler über die finanzielle Unterstützung vieler Einzelner. Das bewertet er gleichermaßen als klares Votum für das Projekt und zeigt sich verwundert, dass die Volksvertreter dies in ihrer Entscheidung vom April offensichtlich nicht berücksichtigt haben.

Nachdem also die Projektträgerschaft wieder völlig offen ist, wartet man nun auf eine Reaktion des Regierungspräsidiums als zuständige Landesbehörde. In dessen Besitz ist das gesamte Areal der ehemaligen Kureinrichtung und damit auch die Badhofkapelle. In einer ersten Reaktion bedauert der Regierungsvizepräsident, dass das große, ehrenamtliche Engagement des Freundeskreises und der Gemeinde trotz des Wohlwollens der beteiligten Behörden bislang nicht zum angestrebten Ziel geführt hat.

Für Peter Marienfeld und Hans-Jörg Adler stehen nun mehrere Optionen zur Wahl. Eine davon wäre, dass das Land als Eigentümer die Erhaltung der Kapelle übernimmt und der Freundeskreis sämtliche vorhandenen Mittel dem Land zukommen lässt. In einer Größenordnung von etwa 90 000 Euro könnte vorerst zumindest die Bausubstanz gesichert und vor weiterem Verfall bewahrt werden. Danach könnte man in Ruhe weitere Maßnahmen – Innenrenovierung oder Gestaltung der Außenanlagen – planen.

Autor: Martha Weishaar