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28. Juni 2012
Freundinnen fürs Leben
DRAMA: "Der Seidenfächer".
In der chinesischen Provinz Hunan gibt es die Jahrhunderte alte Tradition der arrangierten Frauenfreundschaft. Unter Zuhilfenahme astrologischer Expertisen suchen die Eltern für ihre Töchter eine beste Freundin aus, deren Bund fürs Leben auch neben Ehe und Familie Bestand hat. Eine solche "laotong" stellte die chinesisch-amerikanische Autorin Lisa See ins Zentrum ihres Romanes "Der Seidenfächer", den Wayne Wang nun für die Leinwand adaptiert hat. War Sees Geschichte ausschließlich im China des 19. Jahrhunderts angesiedelt, ziehen Wang und seine drei Drehbuchautoren eine zweite, gegenwärtige Zeitebene ein.
Der Film beginnt im heutigen Shanghai, wo Nina (Bingbing Li) die Nachricht erhält, dass ihre langjährige Freundin Sophia (Gianna Jun) nach einem Verkehrsunfall im Koma liegt. In Rückblenden wird die Geschichte der Freundschaft der beiden Frauen rekonstruiert, die sich seit ihrer Kindheit kennen und als Erwachsene nach einigen Konflikten auseinandergedriftet sind. In Sophias Apartment findet Nina ein Manuskript ihrer Freundin, in dem es um eine "laotong" im China des 19. Jahrhunderts geht. In einer gemessenen Pendeldramaturgie schwingt die Erzählung fortan zwischen den beiden Zeitebenen hin und her, wobei die Protagonistinnen in beiden Handlungssträngen von denselben Darstellerinnen gespielt werden. Sind die Freundinnen im 19. Jahrhundert in der Lieblosigkeit ihrer arrangierten Ehen gefangen, erscheinen Nina und Sophia eher als Opfer des unfokussierten, stressgetriebenen Lebens in der modernen Gesellschaft. Die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe geraten auf beiden Erzählebenen in Bewegung.
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Auf die Gesamtlänge von 103 Filmminuten führt die Parallelisierung jedoch dazu, dass sich weder die beiden Frauenfreundschaften noch ihr jeweiliger zeithistorischer Kontext adäquat entfalten können. Die Entwicklung der Figuren bleibt in behaupteten Gefühlen stecken und die melodramatischen Möglichkeiten der Geschichte von zwei mal zwei Liebenden, die nie wirklich zueinander finden können, werden in kunsthandwerklicher Ambitioniertheit erstickt. (Läuft in Freiburg)
Autor: Martin Schwickert



