"Ich musste mich durchsetzen"

Liane Schilling

Von Liane Schilling

Do, 13. Dezember 2018

Friedenweiler

Frieda Gloeden wird 90 Jahre.

FRIEDENWEILER (ls). "Ich durfte nie empfindlich sein, musste mich immer durchsetzen, manchmal ging es auch grob zu", sagt Frieda Gloeden, die heute, Donnerstag, ihren 90. Geburtstag feiert.

Als jüngstes Kind unter acht Buben und drei Mädchen lernte sie schon früh, sich zu behaupten und meint: "Ich war robust". Das kam ihr auch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren zugute, wenn sie auf dem Schwarzmarkt in Freiburg ihre Romanhefte verkaufte, gebraucht aber sauber, weil sie beim Lesen nie gegessen hat und auf saubere Hände achtete. Oder auch beim Hamstern am Kaiserstuhl, wo sie ebenfalls erfolgreich war. Das Geheimnis des Erfolgs lag im Gespräch, erzählt sie. Mit den Menschen zu reden war ihr immer wichtig. Sei es mit den Bauern, die mit dem Traktor unterwegs waren und sie mitfahren ließen, oder mit ihren Söhnen, den Zwillingen, die sie vom zehnten Lebensjahr als Witwe alleine großziehen musste. Abends setzte sie sich zu den Kindern ans Bett und erklärte ihnen die Welt und wie sie sich verhalten sollen. "Man muss mit den Kindern reden", ist sie noch heute überzeugt und freut sich, weil sie oft von ihren Buben besucht wird.

Keine gute Erinnerung an die Schulzeit

Vor der Heirat mit August Gloeden war sie in St. Blasien als Küchenleiterin im Krankenhaus tätig, später als Mutter in Eisenbach arbeitete sie im Neustädter Krankenhaus. Ein Rezept für ihr langes Leben gebe es nicht, aber man sollte immer einen anständigen Lebenswandel führen und sich gut halten, meint sie.

An ihre Schulzeit hat die Jubilarin keine gute Erinnerung. Man musste immer den Mund halten und es hieß dauernd: "Achtung, der Feind hört mit". Sie war in der dritten Klasse, als Adolf Hitler an die Macht kam. "Das war keine schöne Zeit aber das Volk konnte nichts ändern, konnte sich nicht mal wehren, als die schönen Glocken aus dem Neustädter Münster abgeholt wurden", berichtet sie.

Schöne Erinnerungen hat sie an viele Reisen, den ersten Urlaub bei ihrer Schwester in Duisburg, wo sie auch die damalige Zeche besuchte und viele Kaffeefahrten in Deutschland und Österreich, die für 20 Mark angeboten wurden.

Frieda Gloeden ist am 13. Dezember 1923 geboren, in Neustadt aufgewachsen und lebte mit ihrem Mann in Eisenbach. Seit 1970 ist sie Witwe, hat zwei Söhne und drei Enkelkinder. Zeit für Hobbys blieb nie, nur Fastnacht hat sie gerne gefeiert. Meist mit ihrer Schwester zusammen als Domino. Die Jubilarin lebt jetzt im Seniorenheim in Friedenweiler.