"Ohne Auto ist es schwierig"

Liane Schilling

Von Liane Schilling

Do, 23. August 2018

Friedenweiler

BZ-SERIE ÄLTER WERDEN IM HOCHSCHWARZWALD (5):Lob für den Bürgerbus und für die gute Nachbarschaft.

FRIEDENWEILER. In Friedenweiler, dem Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde, der keinen Bahnanschluss, aber viel Natur zu bieten hat, alt zu werden, ist teilweise beschwerlich, vor allem ohne Auto, hat aber auch viele Vorzüge, wie vier Senioren berichten.

Die wunderbare Wohnlage mit Alpenpanorama und absoluter Ruhe schätzen Monika Winterhalder (75 Jahre) und Peter Dietz (87 Jahre) besonders in Friedenweiler. Ohne Auto wäre es hier allerdings sehr schwierig, räumen sie ein. Zwar gibt es einen Arzt im Ort, aber das Alter bringt vermehrte Arztbesuche auch in Fachpraxen mit sich, weshalb Monika Winterhalder froh ist, selbst fahren und ihren Mann chauffieren zu können.

Als sehr angenehm empfinden sie den Service des Bürgerbusses der Gemeinde, auch wenn sie ihn selbst noch nicht nutzen. "Eine unheimliche Bereicherung" ist für Winterhalder die nette, hilfsbereite Nachbarschaft, die auch beim Winterdienst und ähnlichen Dingen hilft. Die Vorteile in einem kleinen Ort zu leben überwiegen, sagt sie. Man fühlt sich daheim, pflegt gute Kontakte zu den Mitbürgern, macht Krankenbesuche und gibt und erfährt Anteilnahme.

Enge Kontakte gibt es im Dorf auch zur Verwaltung, die nicht die Wünsche der Bürger entgegennehmen muss, sondern durch sie unterstützt wird, erklärt Dietz. In vielen Bereichen ist es nach seiner Ansicht das bürgerschaftliche Engagement, das den Ort lebenswerter macht. Den Freibadförderverein, die Initiative der Märchenwaldsenioren und den Dorfladen führt er als Beispiele an.

Auch Pia Fuggenthaler (92) fühlt sich wohl in Friedenweiler, wo sie viel Unterstützung und ihren Freundeskreis hat. Mit stets gleichbleibenden Einkünften die steigenden Lebenskosten zu bewältigen, erfordert Disziplin im Sparen, schildert sie ihre Lage und freut sich über die allwöchentlich kostenlose Transfermöglichkeit zum Einkauf in Rötenbach und den privaten Service von Norbert Winterhalder, der mit Senioren aus dem Dorf "Nachmittagsfahrten zu schönen Zielen im Schwarzwald" unternimmt und so kleine Ausflüge ermöglicht. "Wenn man sein Auto abgeben muss, ist man doch sehr eingeschränkt", erklärt Fuggenthaler und ist dankbar für die Mitfahrgelegenheit, die ihr noch Konzertbesuche ermöglicht und für Veranstaltungen im Ort. Fuggenthaler leitet noch immer die Kneippgymnastik für Frauen und bemüht sich auch im Alltag nicht nur zu sitzen. Froh ist sie über die Hilfe durch die Sozialstation, die sie, wie viele Senioren in Friedenweiler, täglich erfährt und die auch Besuche bei Ärzten oder in der Augenklinik möglich macht, ohne auf die Hilfe der Kinder zurückgreifen zu müssen.

Heiner Schwörer (75) liebt die Ruhe und die frische Luft in Friedenweiler und genießt es, dass wenig Autoverkehr herrscht. "Wenn man ganz alleine auf der Straße ist, ist es manchmal schon fast zu ruhig", erklärt er lachend, aber einsam fühlt er sich nie, ist stets beschäftigt, wie auch seine Frau bestätigt.

Als "gewisse Beruhigung" empfindet er die Baupläne für das neue Seniorenheim. "Es ist gut eine Einrichtung im Ort zuhaben, die dann mal passen könnte", meint er. Auch die Gestaltung des Ortskerns, in dem es jetzt "keine Holperpflaster mehr gibt", erfreut ihn. Für die Anlage in der Ortsmitte wünscht er sich eine variable Gestaltung für mehrere Nutzungen und Ruhebänke. Ohne Auto sei es sehr schwierig hier, räumt auch er ein und schildert es als großes Manko auch für die Flüchtlinge im Ort, dass abends keine Busverbindung mehr besteht. Ein Grund, weshalb er schon oft "Taxi spielte", denn in der Betreuung der Flüchtlinge sieht er eine gute Aufgabe und sagt "es kommt sehr viel zurück – gefühlsmäßig."