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23. April 2010

100 Jahre SV Oberweier: "Am Erfolg haben viele Anteil"

BZ-INTERVIEW mit dem langjährigen Vorsitzenden des SV Oberweier Paul Moser zum 100. Geburtstag des Sportvereins.

  1. Paul Moser Foto: Bastian Henning

FRIESENHEIM-OBERWEIER. Heute Abend von 20 Uhr an feiert der Sportverein Oberweier sein 100-jähriges Bestehen mit einem großen Festbankett in der Sternenberghalle. 60 Jahre der Vereinsgeschichte hat Paul Moser miterlebt. Von 1976 bis 1994 hielt er als Vorsitzender die Zügel in der Hand. Bastian Henning hat sich mit dem 74-Jährigen über die Aufs und Abs des Vereins, über die zunehmende Entfernung zwischen Vereinen und Bürgern und ein unvergessliches Endspiel unterhalten.

BZ: Herr Moser, in jüngster Zeit hat es der SV Oberweier schwer: Es gibt Nachwuchs- und Geldsorgen, fußballerisch dümpelt der Verein nun in der Kreisliga A herum. Woran denken Sie gerne zurück?

Paul Moser: Die schönste Erinnerung ist sicher das Entscheidungsspiel gegen den FV Offenburg II um den Aufstieg in die Zweite Amateurliga am 18. Mai 1974. Da haben wir 2:0 gewonnen – es war der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. 3000 Zuschauer sind damals zum Platz nach Oberschopfheim gekommen. Man muss schon sagen "gepilgert". Das waren richtig euphorische Menschenmengen!

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BZ: War das ein entspanntes 2:0?

Moser: Nein, ein solches Entscheidungsspiel ist nie entspannt. Da ist auf dem Platz richtig zur Sache gegangen. Damals hatten wir auch junge Fußballer, die für Größeres zu haben waren.

BZ: Ist das heute nicht mehr so?

Moser: Nein. Es ist ein gesellschaftlicher Wandel im Gange, der den kleinen Sportvereinen das Leben schwer macht. Es fehlen Spieler, auf die man längerfristig bauen kann. Jedes Jahr zum Semesterbeginn an den Universitäten im Land fehlen dem SV Oberweier auf einen Schlag sechs, sieben Spieler. So kann man kaum kontinuierlich eine Mannschaft aufbauen.

BZ: Auch in den frühen Jahren der Vereinsgeschichte des SV Oberweier gab es junge Leute, die studiert haben.

Moser: Ja, aber nicht in dem Maß. Das war vielleicht mal einer aus dem Dorf, der auf die Universität gegangen ist. Heute gehen die Leute ihren beruflichen Weg und man muss sie ziehen lassen. Aber sie ziehen gewiss nicht aufs Land. Man muss aber auch sehen, unter welchem Druck die jungen Leute heute leben und arbeiten. Sie müssen Miete und Studiengebühren zahlen und wenn sie Familie haben, ist bei vielen mit dem Fußball Schluss.

BZ: Das war auch früher nicht viel anders.

Moser: Ja, aber damals konnten wir zum Beispiel Sponsoren auftreiben, die ihnen das Fahrgeld bezahlt haben, um von ihrem Studien- oder Arbeitsort zum Training und zu den Spielen zu fahren. Das funktioniert heute nicht mehr.

BZ: Also ist es ein reines Geld- und Zeitproblem?

Moser: Nicht nur, die Sache ist vielfältiger. Heute identifizieren sich die Menschen nicht mehr nur mit einer Sportart. Sie probieren vieles. Sie beginnen vielleicht mit Fußball, bleiben aber nicht dabei, sondern nehmen eines der vielen anderen Angebote, die es heute gibt, wahr.

BZ: So eine Diversifizierung könnte man doch eigentlich begrüßen.

Moser: Sicher, sie kommen mit vielen Sportarten in Berührung. Andererseits bringt das wenig Planungssicherheit für die Sportvereine. Sie dröseln sich in immer mehr Vereine oder Abteilungen auf, die alle nur wenige Mitglieder haben.

BZ: Auch der SV Oberweier hatte und hat mit Tischtennis, Tennis – inzwischen selbstständig – und Gymnastik verschiedene Abteilungen.

Moser: Dahinter steckte die Idee, verschiedene Sportarten unter einem Dach zusammenzufassen, um – wie man heute so schön sagt – Synergieeffekte zu nutzen.

"Heute identifizieren sich die Menschen nicht mehr nur mit einer Sportart."

Paul Moser
BZ: Das hat beim SV Oberweier eine rege Bautätigkeit ausgelöst.

Moser: Das erste große Projekt war der Bau des Clubheims und des Fußballplatzes auf dem Sternenberg, der Bau der Tennisplätze und, 1980/81, der Bau eines zweiten Rasenplatzes, der Tennishalle und die Erweiterung des Clubhauses. Für solche Projekte braucht es den Rückhalt der Gemeinde. Den haben wir beim damaligen Bürgermeister Eugen Götz immer gehabt. Dafür bin ich ihm dankbar.

BZ: Was hat noch dazu beigetragen, dass der SV Oberweier wurde, was er ist?

Moser: Da haben Viele Anteil. Zum Beispiel Fanz Kohler, Hans Wark, Peter Kempf oder Peter Klausmann. Oder Trainer wie Jürgen Marek, Herbert Fischer, Elmar Lang, Günter Wälde oder Wolfgang Bonse. Sie haben die Fußballmannschaft voran gebracht, wenn es wichtig war.

BZ: Wie glauben Sie, wird die Zukunft beim SV Oberweier und anderen kleineren Sportvereinen aussehen?

Moser: Wenn die gesellschaftliche Entwicklung so bleibt, wird es sehr, sehr schwer werden. So wie es im großen Fußball boomt, so leiden die kleinen Vereine.

Autor: bnh