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29. Mai 2009 08:22 Uhr
Rüdiger Straub baut Häuser im Maßstab 1:87 nach
Im Kleinen entsteht die große Welt
Die Welt von Rüdiger Straub ist 87 mal kleiner als sie die meisten Menschen kennen. Der 51-Jährige aus Heiligenzell ist begeisterter Modellbauer.
FRIESENHEIM-HEILIGENZELL. Den Lahrer Storchenturm hat Rüdiger Straub schon nachgebaut, der Friesenheimer Bahnhof ist nächstens Jahr dran und eines Tages will er die komplette Hauptstraße nachbilden. Wie das geht, will er Jugendlichen im Rahmen des Friesenheimer Ferienprogramms beibringen.
Einige seiner Arbeiten werden seit Montag zwei Wochen lang im Schalterraum der Sparkasse in Friesenheim ausgestellt. Beim Jugendreferenten der Gemeinde, Andreas Pahlow, liefen die Fäden für diese Aktion zusammen. Zunächst hatte sich der Paritätische Wohlfahrtsverband in der Ortenau an ihm gewandt mit dem Anliegen, das ehrenamtliche Engagement über Generationen hinweg zu fördern. Und dann rief der Anlagen- und Versicherungsmakler Rüdiger Straub bei ihm an, weil er sich ehrenamtlich engagieren will. So hat das Friesenheimer Ferienprogramm ein weiteres Angebot und die Sparkasse eine Ausstellung. Mehr als zwanzig kreative Beschäftigungsmöglichkeiten bietet das Ferienprogramm bislang, aber Straub ist der erste Mann, der sich in diesem Rahmen an Kinder und Jugendlich wendet.Werbung
"Schuld ist mein Vater", antwortete Straub auf die Frage, wie er zu diesem Hobby gekommen ist. Sechs Jahre alt war Rüdiger Straub, als ihm der Papa eine Modelleisenbahn im Maßstab H0 (1:87) schenkte. Die Modellbahn ist im Lauf der Jahre größer geworden, sehr viel größer. Ein ICE bringt es auf die stolze Länge von 2,20 Meter. Derzeit ist die Anlage demontiert und sicher in Kartons verpackt. Aber in einigen Jahren will Straub ein Haus bauen mit einem eigenen Eisenbahnzimmer. Wie groß das werden soll, will er lieber nicht sagen: "Sonst halten mich die Leute für verrückt."
400 Häuser könnten in Straubs Eisenbahnwelt stehen. 200 hat er bereits aus Selbstbausätzen mit Hilfe von scharfen Klingen, Pinzetten und Kleber zum Stehen gebracht. Die anderen 200 lagern noch Original verpackt in ihren Kartons – aus Platzgründen. Auch in der Hobby-Eisenbahnwelt ist Bauland knapp. Und die Modellpalette der professionellen Anbieter ist beschränkt. Vor etwas fünf Jahren befand Straub, dass es doch nett wäre, seine Züge am kleinen Bahnhofsgebäude von Horb-Mühringen am Neckar vorbeirauschen zu lassen. Straub kennt das Häuschen aus seiner Kindheit: "Dort bin ich oft in den Zug gestiegen". Weil es keine Bausätze für das Gebäude, das optisch nicht viel hermacht, zu kaufen gibt, blieb Straub nur die Selbsthilfe. Übers Internet besorgte er sich Informationen zur Architektur, sein Vater schaffte die Baupläne herbei. Dann hieß es umrechnen auf den Maßstab 1:87 – und ran ans Werk. So laute nämlich der Rat einer Modellbaugruppe aus Wuppertal, bei der der Anfänger Straub um einige Tipps gebeten hatte. "Einfach mal anfangen".
Mit der Zeit hat Straub seine Technik verfeinert. "Anfangs ging das umständlich und schwerfällig", sagt Straub, "mit der Praxis kommt die Routine". Jedes Fenster, jede Türe fertigt er von Hand. Der Materialaufwand ist gering, zwei bis drei Euro pro Gebäude: etwas Holz für das Gerüst, Kartons, Farbe und Depron, ein Kunststoff, der sich wie feiner Styropor verarbeiten lässt. Die Fassadenfarbe wird aufgetupft. Etwas aufwendiger war der Lahrer Storchenturm. Das Storchennest war das teuerste daran: das hat er auf einem 0,35 Millimeter dünnen Draht von einem Goldschmied fertigen lassen.
Zur Zeit arbeitet er an einem ehemaligen Raiffeisen-Gebäude in Oberhaching. Achtzig Fotos hat er davon gemacht, bevor es im Mai 2008 abgerissen wurde. Warum ausgerechnet dieses Haus?. Das kann er selbst nicht genau erklären: "Ich sehe das Ding und weiß, das ist es". Seit er Gebäude nachbaut, hat sich sein Blick auf die Architektur verändert: "Es gibt so viele schöne Gebäude, die man beim Durchfahren gar nicht bemerkt." Straubs Augen richten sich auf Details wie die Giebel. Jeden Tag sieht er mehrere Gebäude, die er gern nachbauen würde. Zum Beispiel das ehemalige Frisörgeschaft Göppert ewgenüber der alten Post: "Fragen Sie mich nicht warum. Mir gefällt’s, und deshalb wird’s gebaut":
40 bis 45 Stunden arbeitet er an einem Modell. Diesem Hobby will er noch lange nachgehen: "Spätestens mit 75 gehe ich in Rente, egal, was die Regierung beschließt. Danach werde ich 25 Jahre Planen, Basteln und Spielen. Länger plane ich nicht". Seine zwei, inzwischen erwachsenen Kinder schauen sich gern an, was der Papa so alles bastelt – aber vom Nachbauvirus sind sie nicht infiziert.
Seine Vision vom Nachbau der Friesenheimer Hauptstraße wird er, so seine Einschätzung, allein nicht verwirklichen können. Dazu braucht er Helfer. Vielleicht kann er einige Jugendliche im Ferienprogramm von diesem Hobby begeistern. Welche Voraussetzungen müssen die Jugendlichen mitbringen? Straubs Antwort ist knapp und kommt schnell: "Geduld." Mit den Anfängern will er einfach starten: Erst mal soll das Haus der TV-Familie Simpsons nachgebaut werden.
Autor: pb
