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07. November 2016

Konzept für Klostermuseum in Arbeit

Studenten entwerfen bis Mai 2017 ein Konzept, die Ausgrabungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  1. Das Mosaik in der Grabung der Unterkirche Schuttern birgt einige Geheimnisse. Es wird von Professorin Marita Blattmann auf die Jahre zwischen 1117 bis 1155 datiert. Foto: Ekkehard Klem

  2. Professor Christian Witschel (vorne, von links), der Vorsitzende des historischen Vereins Schuttern, Martin Buttenmüller, Archäologin Luisa Galioto und Professorin Marita Blattmann, Köln. Hintere Reihe: Das Professorenteam von Christian Witschel. Foto: Ekkehard Klem

FRIESENHEIM-SCHUTTERN. Am Samstag haben sich 28 Studenten der Universität Heidelberg vor Ort mit der Geschichte des Klosters Schuttern beschäftigt. Sie forschen über die Christianisierung am Hoch- und Oberrhein mit Fokus auf das Kloster Schuttern im Früh- und Hochmittelalter – und erarbeiten erste Konzepte für eine Neugestaltung des Informationszentrums im ehemaligen Pfarrhaus Schuttern. Ihr Besuch diente der Grundlagenerforschung.

Die Ausgrabung in der Klosterkirche soll der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – das steht spätestens seit der Expertise des Historikers Niklot Krohn fest, in der er sich 2012 für ein zeitgemäßes Besucherzentrum aussprach.

Bislang ist das Ziel nicht erreicht worden. Ein braunes Hinweisschild an der Autobahn A 5 wirbt zwar für das Kloster, hinterlässt momentan jedoch unzufriedene und enttäuschte Besucher, die in Schuttern vor verschlossener Tür stehen und das Mosaik in der archäologischen Grabung unter dem Kirchenboden nicht betrachten können. Das Mosaik stellt den Brudermord durch Kain an Abel dar. Abel wird von seinem Bruder mit einer Axt erschlagen.

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Auf einer wissenschaftlichen Tagung vor einigen Jahren, in der es um die Bedeutung der Klosteranlage ging, knüpften die örtlichen historischen Vereine und die Gemeinde Kontakte zur Universität Heidelberg und Professor Christian Witschel. Langfristiges Ziel seiner Studenten ist es nun, bis Mai 2017 ein fertiges Umsetzungskonzept für ein "Klostermuseum Schuttern" vorzulegen. Der historische Verein Schuttern will im Frühjahr 2017 mit der Umsetzung der ersten Vorschläge beginnen. Er hofft auf Sponsoren und die finanzielle Unterstützung der Gemeinde.

Ein Höhepunkt der Exkursion war die Vorlesung von Professorin Marita Blattmann, Uni Köln, im zum Hörsaal umfunktionierten Schutterner Pfarrheim. Sie stellte den Studenten ihre neuesten Forschungsergebnisse über das Mosaik in der Klosterkirche Schuttern vor. Die Professorin hat herausgefunden, dass die Inschrift des Mosaiks aus einem Laurentius-Gedicht des Jahres 1095 von Ruperts von Deutz stammt. Als Künstler kommen nach ihrer Meinung die Mönche um Bischof Otto (1102 – 1139) des Klosters Michelsbach in Bamberg in Frage. Zu dem Mosaik gehörte auch ein Laurentiusaltar. Der Schutterner Abt Conrad (1135 – 1162) ist im Kloster Michelsbach aufgewachsen und bestellte voraussichtlich das Mosaik und den Laurentiusaltar bei seinen früheren Klosterbrüdern. Die Professorin denkt, dass das Mosaik zwischen 1117 bis 1155 entstanden sein könnte. Gründe könnten die Weihe der romanischen Kirche Schuttern 1155 oder die Heiligsprechung von Kaiser Heinrich II. im Jahr 1146 gewesen sein.

Bei der ersten Ausgrabung in der Klosterkirche im Jahr 1972 war Archäologe und Denkmalpfleger Karl List davon überzeugt, das älteste deutsche Fußbodenmosaik entdeckt zu haben. Er hatte die Meinung vertreten, dass das Mosaik die Fassung eines Heiligengrabes war, das er dem Klostergründer Offo zuordnete. Anlässlich der 2003 erfolgten weiteren Untersuchung datierte Luisa Galioto das Mosaik zwischen dem 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Auf ihrer Exkursion nach Schuttern wurden die Studenten am Samstag von ihren Professoren und Dozenten Christian Witschel (Alte Geschichte), Nikolas Jaspert (Mittelalterliche Geschichte), Matthias Untermann (Mittelalterliche Kunstgeschichte, Archäologie und Bauforschung) und Timo Licht (Mitelalterliche Philologie) begleitet. Aus der Schweiz war auch die Archäologin Luisa Galioto angereist.

Bertram Jenisch, beim Regierungspräsidium Freiburg für die Denkmalpflege zuständig, berichtete über die durch Bodenradar erfolgte Untersuchung des Klosterareals. Überrascht war er über die Entdeckung eines ein bis zwei Meter breiten Grabens um die Klosteranlage, vermutlich ein Wassergraben zum Schutz des Klosters.

Der Schutterner Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf und der Vorsitzende des historischen Vereins Schuttern, Martin Buttenmüller, bedankten sich bei den Referenten und sind bereits gespannt, welche Vorschläge zum Klostermuseum gemacht werden.

Autor: Ekkehard Klem