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08. Juni 2016

"Wir wollen auch, dass es nützt"

BZ-INTERVIEW mit Christian Witschel, der an der Uni Heidelberg zum Kloster Schuttern spricht und ein großes Projekt vorantreibt.

  1. Chr. Witschel Foto: privat

  2. Die frühere Klosterkirche Schuttern steht im Fokus. Foto: Archivbild: Breithaupt

FRIESENHEIM-SCHUTTERN. An der Universität Heidelberg wird es ab dem kommenden Wintersemester ein Seminar zur Christianisierung am Oberrhein geben. Darin geht es zentral auch um das Kloster Schuttern. BZ-Redakteur Bastian Bernhardt sprach darüber mit Professor Christian Witschel. Dieser gab außerdem ein besonderes Buchprojekt bekannt.

BZ: Herr Witschel, ist es ein Ritterschlag für einen historischen Ort wie das Kloster Schuttern, wenn es in einer Vorlesung an der Universität thematisiert wird?

Witschel: Da würde ich jetzt mal selbstbewusst "Ja" sagen. Die Uni Heidelberg ist ja bei aller Bescheidenheit schon eine Marke und die Kooperation wird getragen vom Heidelberger Zentrum Kulturelles Erbe. Die Idee ist, dass wir nicht nur über das Kloster Schuttern sprechen, sondern dass es ihm auch nützt.

BZ: Wie das?

Witschel: Im Rahmen der interdisziplinären Lehrveranstaltung soll auch ein Papier für die Neukonzeption des Museumszentrums beim Kloster entstehen. Die Ausstellungsräume hinter der Sakristei sind ja attraktiv. Was am Ende umgesetzt werden kann, wird man sehen. Aber meine Erfahrung aus solchen Seminaren ist, dass die jungen Leute oft einen neuen Blick auf die Dinge haben und gute Ideen entwickeln. Diese weiterzuentwickeln wird dann die Aufgabe der Dozenten sein.

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BZ: Interessieren sich viele Studenten für dieses Seminar?

Witschel: Wir hoffen, dass sich an die 20 Studierende für den Kurs einschreiben. Der Arbeitsaufwand mag in diesen interdisziplinären Seminaren etwas höher sein. Aber dafür können die Studenten auch sehr viel für sich daraus ziehen. Denn es gibt einen hohen Praxisbezug. An das Seminar ist auch eine Exkursion gekoppelt. Wir wollen uns dieses und andere Klöster in der Umgebung schon auch persönlich anschauen. Das Interesse wird sicher hoch sein, auch mit Blick auf die Arbeiten für eine digitale virtuelle Bibliothek der Werke aus Schuttern.

BZ: Was hat es damit auf sich?

Witschel: Die Universitätsbibliothek Heidelberg möchte die derzeit auf verschiedene Bibliotheken und Sammlungen verteilten Werke aus der ehemaligen Klosterkirche Schuttern zusammenführen – zumindest virtuell. Derzeit liegt das karolingische Evangeliar von Schuttern in der British Library, ein zweites, größeres Buch aus dem 13. Jahrhundert, das von einem Schutterner Schreiber namens Engelhard kopiert wurde, liegt in der Bibliothèque municipal in Colmar.

BZ: Wie muss man sich diese digitale Bibliothek vorstellen?

Witschel: Man wird als Nutzer in den farbig eingescannten Seiten der Werke virtuell blättern können. Die Arbeiten dazu will die Universitätsbibliothek Heidelberg übernehmen.

BZ: Von welchem Umfang sprechen wir?

Witschel: Nur diese beiden Werke haben zusammen etwa 350 Blatt, also 700 Seiten. Welche weiteren Werke aus Schuttern noch vorhanden sind, wird man noch erforschen müssen. Fest steht, dass es weitere Werke gibt, die wir in dieser digitalen Bibliothek wieder zusammenbringen könnten.

BZ: Was kostet die Umsetzung des Projekts?

Witschel: Die Digitalisierung der beiden angesprochenen Werke kostet zunächst einen niedrigen vierstelligen Betrag. Wir hoffen, eine Finanzierung über uns als Universität Heidelberg, den Historischen Verein Schuttern und die Gemeinde Friesenheim hinzubekommen.

Zur Person: Christian Witschel, 49, geboren in Würzburg, lehrt seit 2005 an der Universität Heidelberg Alte Geschichte. Sein Spezialgebiet ist die Römische Geschichte.

Vortrag: Am Freitag, 10. Juni, 19 Uhr, spricht Witschel im Schutterner Feuerwehrhaus über neue Erkenntnisse rund um die römischen Ausgrabungen von Schuttern und wird sie in einem größeren Kontext erläutern.

Die Klostergeschichte

Die ehemalige Reichsabtei Schuttern wirkte über die Grenzen als Ausgangspunkt für die Christianisierung des alemannischen Raums. Das berühmte historische Mosaik unter der Kirche zeigt den Mord von Kain an Abel. Mit der Datierung auf die Zeit um 1000 nach Christus galt es lange als das älteste nichtrömische Mosaik nördlich der Alpen.  

Autor: bnh

Autor: bnh