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07. Juli 2012
Frische der alten Musik hörbar machen
Der englische Cellist Martin Angell lebt, musiziert und komponiert in Ibach.
IBACH. Als Beinahe-Rentner bezeichnet sich der englische Cellist Martin Angell, der seit 2006 in Ibach lebt und dort auch immer wieder Konzerte gibt. Nun lädt er am Sonntag, 8. Juli, um 11.15 Uhr zu einem Sommerkonzert ins Rathaus ein.
Über 30 Jahre hinweg hat Angell in seinem Heimatland England als Cellolehrer gearbeitet. Ostern 2012 beendete er diese Arbeit nun endgültig, und nachdem er schon seit 2006 vermehrt komponierte, will er sich dieser Tätigkeit nun noch stärker widmen. Daneben gab und gibt er immer wieder Solokonzerte.
"Bei Cello Solo denkt man immer zuerst an den großen Bach", berichtet Angell, klassische und romantische Sololiteratur für sein Instrument gebe es dagegen nur in sehr beschränktem Umfang, und das zeitgenössische Repertoire für Cello sei wenig bekannt und oft nicht sehr eingängig und daher nur für ein kleines Publikum geeignet. "In England", so erzählt der Cellist weiter, "gibt es eine rege Musikschultätigkeit mit regelmäßigen kleinen Prüfungen, die den Stand der Schüler dokumentieren sollen." Dafür würden immer viele Stücke gebraucht, die den entsprechenden Schwierigkeitsgrad aufweisen, und es habe ihm viel Spaß gemacht, solche Stücke zu verfassen.
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Das hat ihn auch gelehrt, bei seinen Werken stark auf die Situation und die Gegebenheiten zu achten. So entdeckte er, dass sein Instrument sich gut als Begleiter von Trauerfeiern eignet. Inzwischen hat er eigens für Beerdigungsunternehmen eine CD aufgenommen mit kurzen Werkausschnitten, deren Interpretation er für solche Anlässe anbietet. Aber auch eine fünfsätzige Suite mit kurzen Charakterstücken zu einer Käseverkostung stammt aus seiner Feder, die unter anderem einen Blue-Cheese-Blues enthält.
"Als junger Mann hat es mir ausgereicht, die Stücke möglichst perfekt so zu spielen, wie sie in den Noten stehen", erklärt Martin Angell. Heute fülle ihn das nicht mehr aus, er wolle mehr, wolle die Frische der alten Musik hörbar machen. Dabei fasziniere ihn vor allem die Barockmusik, deren Lebendigkeit und Musikalität man besser hervorkitzeln könne als die klassischer oder romantischer Musik, da sie weniger stark festgelegt sei durch den Notentext, also mehr interpretatorische Freiheiten erlaube. Zurzeit träumt er davon, bei einem Spezialisten für alte Aufführungspraxis Unterricht zu nehmen und noch mehr über das Spiel alter Musik zu lernen.
Auch in seinem Konzert am Sonntag, das er übrigens in England wiederholen wird, spielt er neben einigen Eigenkompositionen, neben Popper und Reger und neben drei Sätzen aus der C-Dur-Suite von Bach auch noch einige Stücke wenig bekannter Barockkomponisten, die ihn derzeit stark faszinieren.
Am meisten ins Schwärmen gerät er bei der Charakterisierung der drei Capricen von Joseph Maria Clément Ferdinand Dall"Abaco. "Das ist wunderbare Musik", meint Angell überzeugend, deren Anlage man einerseits sofort anmerke, dass der Verfasser ein guter Cellist gewesen sein muss, da sie für das Spiel auf dem Instrument sehr gut liegen. Darüber hinaus aber sei ihr Klang so, als habe der Komponist darin schon eine viel spätere Zeit vorausgeahnt.
Autor: Karin Steinebrunner



