Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Juli 2012

Fröhliche Menschen, Zeller Fasnacht

TYPISCH BADISCH (III): Was fällt Zugezogenen an Land und Leuten auf? / Heute: Francesco Paternostro.

ZELL. "Drum grüß ich dich, mein Badnerland, du edle Perl’ im ganzen Land", heißt es im Badnerlied. Ganz klar: 900 Jahre Baden müssen gefeiert werden. Aber was ist eigentlich typisch badisch? Wir haben nachgefragt – nicht bei den Ur-Badenern, sondern bei Zugezogenen. Heute: Francesco Paternostro.

Francesco Paternostro aus Corleone in Sizilien. Allein diese biographische Einleitung hört sich doch an wie eine romantische Ballade aus Italiens sonniger Stiefelspitze. Und beim Gespräch an einem Biertisch während des Hafenkonzerts der Schrättele am Zeller Schwanenweiher bricht das sizilianische Temperament aus Francesco Paternostro heraus. "Typisch badisch? Schau dich doch mal um, alles hier ist typisch badisch", meint er lachend. "Dieses Fest der Schrättele, die fröhlichen Menschen, die schöne Musik, all das ist doch auch typisch badisch, oder?" Dem wäre eigentlich gar nichts hinzuzufügen. Aber halt, da ist doch noch etwas. Paternostro ist Zeller Stadtrat. Für die CDU sitzt er schon seit acht Jahren am Ratstisch, und er gilt als kompetenter Vertreter der Zeller Einwohner.

Werbung


Als er vor 43 Jahren nach Zell gekommen sei, brauchte man sich um die Integration keine Sorgen machen, sagt er. In Zell sei sie ganz einfach praktiziert worden. Kinder und Erwachsene hätten ihn, den kleinen Jungen aus Sizilien, und seine Familie herzlich aufgenommen. Auch das sei typisch badisch. Und dann natürlich die Zeller Fasnacht. Die sei doch das Typischste an Baden, das er kenne. Die sei einzigartig. Und vom Bazillus der Zellerfasnacht sei er schon früh angesteckt worden. Erst sei er als Obertäler aktiv gewesen, und jetzt sei er als Zunftrat für die Hallendekoration während der Fasnacht zuständig. "Ach ja, und meine deutsche Frau habe ich am 30. April 1983 geheiratet. Die ist eine typische Badenerin", sagt er. "Sie versteht es bestens, die typisch italienische und die typisch badische Küche schön abwechselnd auf unseren Tisch zu bringen."

Dass es hier nicht immer so warm ist wie in Sizilien, sei auch typisch badisch, meint er grinsend. Aber die Sonne trage er eben in seinem Herzen, und wenn er mit seinen Freunden das Badnerlied anstimme, dann gehe sie immer wieder von Neuem auf. Dass er sich über den italienischen Sieg gegen Deutschland mächtig gefreut habe, sei dagegen typisch sizilianisch. Aber dass ihm seine deutschen Freunde das nicht übel genommen haben, das wiederum sei typisch badisch.

Autor: Edgar Steinfelder