"Da muss die Familie helfen"

Ulrike Jäger

Von Ulrike Jäger

Do, 19. Juli 2018

Fröhnd

IM PORTRÄT: Inge und Ernst Stiegeler aus Fröhnd feiern heute Goldene Hochzeit.

FRÖHND. "Richtig kennengelernt haben wir uns an Fastnacht", erzählen Inge und Ernst Stiegeler lachend. Doch eigentlich kennen sie sich schon von Kindesbeinen an, sind beide aus Fröhnd und am heutigen Donnerstag seit 50 Jahren verheiratet.

Inge Stiegeler geborene Faller, die in Stutz geboren wurde, und Ernst Stiegeler aus Fröhnd-Künaberg heirateten im Juli 1968 standesamtlich in Fröhnd und kirchlich in der katholischen Kirche in Schönau. In Stiegelers elterlichem großen Schwarzwaldhof in Fröhnd-Künaberg leben sie heute mit Sohn Bernhard und Schwiegertochter Anja mit ihren vier Kindern, Tochter Theresia Kiefer lebt mit ihrer Familie in Fröhnd-Ittenschwand und hat den Eltern zwei Enkelkinder geschenkt.

Die Landwirtschaft hatte schon Ernst Stiegeler vom Vater im Nebenerwerb übernommen, bei dem er auch den Beruf des Wagners gelernt hat, ein heute seltenes Handwerk, das bereits sein Großvater schon ausübte, wie Ernst Stiegeler erzählt. Aufgrund des technischen Fortschritts und vieler Veränderungen in den 1960er Jahren wechselte Ernst Stiegeler dann auf den Bau und arbeitete 36 Jahre lang in einem Fliesenlegerbetrieb sowie bis 2003 bei der Gemeinde Fröhnd. 35 Jahre lang war er als ehrenamtlicher Weidewart tätig. Seine Ehefrau Inge half mit und unterstützte ihren Mann, wo es ging, denn so ein Tag mit Nebenerwerbslandwirtschaft habe schnell 14 Stunden oder mehr. "Da muss die Familie helfen, das geht nur gemeinsam," sind sie überzeugt, und Inge Stiegeler ergänzt "ich habe mit großer Freude mitgearbeitet". Worüber sie sich gemeinsam am meisten gefreut haben, können sie gar nicht genau sagen – da waren so viele Dinge, Erlebnisse und Begegnungen in den letzten Jahrzehnten, sind sie sich einig. Die Hochzeit und die Geburt ihrer Kinder gehören natürlich dazu.

Ein Rezept für solch eine lange und glückliche Ehe haben sie nicht, denn da sei doch jeder unterschiedlich. Inge Stiegeler betont: "Das Maß bei allem ist die Liebe. Ohne die Liebe geht nichts", und ihr Mann gibt ihr Recht. Es sei immer ein Geben und Nehmen, unterm Strich habe jeder mehr bekommen, als er gegeben habe. "Aber es ist schön, dass wir es bis hierher geschafft haben und vor allem, dass wir uns haben", berichtet Inge Stiegeler im BZ-Gespräch.

Ihren Ausgleich zur Arbeit auf dem Hof fand sie im Landfrauenverein, den sie 15 Jahre lang als Vorsitzende leitete und in dessen Vorstand sie insgesamt 24 Jahre arbeitete. Neun Jahre lang war sie stellvertretende Bezirksvorsitzende und hebt hervor, dass ihr Mann sie immer voll unterstützt habe. Eine sehr positive Erfahrung sei das gewesen, und ein schöner Ausgleich, erzählt sie fröhlich. Sie freut sich, dass ihre Tochter in ihre Fußstapfen getreten ist und jetzt Vorsitzende der Fröhnder Landfrauen ist. Sie selbst ist jetzt in der katholischen Frauengemeinschaft in Schönau tätig.

Die üppigen Blumen rund um den schönen großen Hof in Fröhnd, vor allem riesige Fuchsien, sind Inge Stiegelers Hobby. Und während sie beide jeweils ein schwarzes Kätzchen auf dem Schoß liegen haben und streicheln, fliegen die Schwalben unters große Dach, wo sie ihre Nester gebaut haben. Die Vögel sind auch im Stall und in der Scheune zu Hause. "Sie kommen pünktlich jedes Frühjahr", sagt Ernst Stiegeler erfreut. "Wo Schwalben nisten, da wohnt das Glück", zitiert seine Frau, und dieses Sprichwort passt im Hause Stiegeler in Künaberg wohl zu hundert Prozent. "Wir feiern unsere Goldene Hochzeit mit der großen Familie", berichten die beiden, "und mit vielen lieben Freunden und Personen, die uns in all den Jahren begleitet haben."