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12. August 2008
Ein frommer Wunsch
Griechische Kirche fordert eigene Gefängnisse für gefallene Gottesmänner
ATHEN Vor dem Gesetz sind alle gleich. Aber die Geistlichen der griechisch-orthodoxen Kirche sind etwas gleicher. Das meint jedenfalls die orthodoxe Kirchenleitung. In einem Brief an die Minister für Erziehung, Religionsangelegenheiten und Justiz fordert die Synode eigene Haftanstalten für verurteilte Geistliche – und schlägt ein idyllisches Kloster dafür vor.
Dem Brief, den der Athener Erzbischof Hieronymos unterschrieben hat, liegt der Entwurf einer Präsidialverordnung bei. Ausgearbeitet hat ihn die Rechtsabteilung der Kirchenleitung. Im Papier heißt es: "Inhaftierte Priester und Mönche der Orthodoxen Kirche Christi von Griechenland stellen eine besondere Kategorie von Gefangenen dar und verbüßen ihre Strafe in Gefängnissen für Geistliche."Dass die Initiative jetzt kommt, dürfte kein Zufall sein. Vor einigen Wochen bezog der frühere Bischof von Attika, Panteleimon, eine Zelle im Gefängnis von Korydallos bei Athen. Ein Athener Gericht hatte den Geistlichen wegen Unterschlagung in zweiter Instanz zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Panteleimon war Schlüsselfigur einer Serie von Skandalen, die vor drei Jahren die Kirche Griechenlands in Verruf brachten: Geistliche sollen Kirchengelder in Millionenhöhe unterschlagen und Richter bestochen haben, in Antiquitätenschmuggel, Drogenhandel, Prostitution und Sex-Affären verwickelt gewesen sein. Unter dem Druck immer neuer Enthüllungen versprach die Kirchenleitung eine Säuberung. Darauf wartet die Öffentlichkeit bis heute.
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Dass ihr früherer Amtsbruder Pante leimon in Korydallos unter einem Dach mit gewöhnlichen Kriminellen einsitzen muss, finden die griechischen Bischöfe unzumutbar. Deshalb die Forderung nach einem eigenen Gefängnis für Geistliche. Dafür gibt es sogar eine Rechtsgrundlage in der Charta der Griechischen Kirche, die Gesetzeskraft hat. Artikel 57 der Charta sieht "kirchliche Gefängnisse" vor. Die Kirchenleitung weiß auch schon, wo der Popenknast eingerichtet werden könnte: im Kloster von Ano Divri auf dem Peloponnes. Ein idyllischer Ort: die 1667 gegründete und heute von neun Mönchen bewohnte Abtei liegt in 950 Metern Höhe in den Bergen des Präfektur Elis.
Der künftige "Häftling" Panteleimon kann sich freuen: Die dicht bewaldete Umgebung des Klosters wurde bei den verheerenden Waldbränden des vergangenen Sommers nicht in Mitleidenschaft gezogen. Wegen der reichen Wasserläufe der Region heißt das Kloster auch Chrysopigi, Goldquelle. Das dürfte Panteleimon bekannt vorkommen, schließlich hat er schon einmal ein Kloster um mehrere hunderttausend Euro erleichtert.
In der Kirchenleitung ist man sicher, dass die konservative Regierung einverstanden ist, den Bischof nach Ano Divri zu verlegen. Man habe das Thema sondiert und "positive Reaktionen" erhalten, heißt es in Kirchenkreisen.
Autor: Gerd Höhler
