Emmendingen

Frühschwimmen im neuen Freibad – ein Selbstversuch

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

So, 02. September 2018 um 11:34 Uhr

Emmendingen

Acht Millionen haben die Sanierungsarbeiten am Emmendinger Freibad gekostet. BZ-Redakteur Gerhard Walser hat den Selbstversuch gewagt und sich unter die Frühschwimmen gemischt.

Der Hochsommer neigt sich dem Ende entgegen. Die Tage werden kürzer, die brütende Hitze der vergangenen Wochen weicht dem angenehm warmen Spätsommer und im Freibad über der Elz lässt der Ansturm der Badegäste in der ersten Saison nach dem Umbau langsam nach. BZ-Redakteur Gerhard Walser, Frühschwimmer und bekennender Fan des sanierten Emmendinger Bads, hat sich einmal unter die ersten Badegäste gemischt.

Bis zu 3000 Menschen um die Mittagszeit

Die Schwimmmeister genießen an diesem wolkenverhangenen Tag die Verschnaufpause nach den anstrengenden Hochsommerwochen, als bis zu 5000 Badegäste täglich gezählt wurden. "Das war schon hart, teilweise waren um die Mittagszeit bis zu 3000 Menschen im Bad, da heißt es die Übersicht zu bewahren", sagt Stadtwerke-Sprecher Oliver Kramer. Endlich ist wieder mal Zeit, die Anlagen zu pflegen und kleinere Wartungsarbeiten vorzunehmen. Der Umgang mit der neuen Technik wird langsam zur Routine. Noch sind Mitarbeiter der Herstellerfirmen zur Stelle – in der nächsten Saison muss alles von alleine klappen.

Die Stadtwerke als Betreiber haben die Freizeiteinrichtung mehr als aufpoliert und dafür viel Lob bekommen. Aber es gab natürlich auch die Meckerer: Wieso ist der Rasen nicht grün? Weshalb steht da immer noch eine Absperrung? Stadtwerke-Chef Karl-Heinrich Jung kennt die Fragen und verweist auf die Umfrage, bei denen die Badbesucher ihre Wünsche und Erfahrungen mitteilen können. Noch ist nicht alles perfekt und letzte Arbeiten sollen zum Saisonausklang erledigt werden. "Das war von vorneherein klar", so Jung.

Die üblichen Stammgäste ziehen ihre Bahnen

Derweil ziehen an diesem frühen Morgen trotz der etwas frischeren Temperaturen die üblichen Stammgäste ihre Bahnen im Mehrzweckbecken. Punkt acht Uhr, wenn sich das Eingangsgitter öffnet, passieren die ersten die Schranke und steuern die Umkleidekabinen an. Dann eine kurze Abkühlung unter der Brause und ab ins Wasser. Es ist für viele ein tägliches Ritual mit immer derselben Choreografie und denselben Protagonisten. Man kennt sich, man grüßt sich, schwimmt einige Züge nebeneinander her, plaudert oder geht sich bewusst aus dem Weg.

Denn die Frühschwimmer sind ein ganz eigenes Völkchen. Da gibt es die flotten Krauler mit Schwimmbrille, die bewusst ohne jeden Blickkontakt und auf Teufel komm raus ihre Bahnen absolvieren und nur im Notfall bereit sind auszuweichen. Da gibt es die notorischen Rückenschwimmer, die keinen Zusammenprall mit Entgegenkommenden fürchten, die raumgreifenden Wasserverdränger im Delphinstil und die Langsamen, die gerne im Doppelpack nebeneinander her schwimmen, um sich informationsmäßig auf den neuesten Stand zu bringen, was zu Hause die Nachbarn wieder so treiben.

Nach einer halben Stunde ist Schluss

Konzentriert werden – je nach Kondition – die angepeilten Bahnen absolviert. Meist ist nach einer halben Stunde Schluss, dann verlässt der Frühschwimmer das Becken – nicht ohne zuvor noch im neuen Wellnessbereich vorbeizuschauen. Einige Minuten im Strömungskanal, eine sanfte Massage auf der Blubberliege oder ein kräftiger Strahl von der Schwallbrause auf die angespannte Rückenmuskulatur – dann ist das Wohlbefinden für den bevorstehenden Alltag im überhitzten Büro zumindest für eine kleine Weile garantiert. Rein in die Klamotten und mit dem Rad ab zur Arbeit.

Im Freibad wechselt derweil das Publikum. Familien mit Kühltaschen und Sonnenliegen passieren den Eingang, Kinder und Jugendliche erobern Becken und Rutschen – das Bad füllt sich an diesem Ferientag und die Temperaturen steigen mit der Zahl der Besucher. Bis zum frühen Abend werden es nicht weniger. Dann gibt’s erneut einen Wechsel. Die Feierabend-Besucher kommen, die nach der Arbeit noch rasch eintauchen ins 27 Grad warme Nass. Und wenn die Letzten das Drehkreuz am Eingang verlassen haben, atmet das Personal erst mal durch und macht sich an die Vorbereitung für den Ansturm am nächsten Tag.

Übrigens: Am 16. September ist letzter Badetag – "es sei denn die Hitze kehrt noch einmal zurück", sagt Oliver Kramer.

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