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25. März 2009

Gestern Tochter, heute Mama

Fudder-Interview: Elena (19) und Helen (23) erzählen von den Freuden und Leiden, die junge Mütter in ihrem Alltag durchleben

  1. Foto: © Jörg Jahn - Fotolia.com

  2. Junge Mutter, Baby Foto: Carolin Buchheim

Elena ist 19 und hat eine einjährige Tochter. Helen ist 23. Ihr Sohn ist ebenfalls ein Jahr alt. Er entstand allerdings ungeplant und der Vater hat sich gleich verabschiedet. Wie kommen die beiden jungen Frauen mit ihrer Mutterrolle zurecht? Wie reagiert die Umwelt auf das Kind? Reicht die staatliche Unterstützung? Julia Bauer hat nachgefragt.

Fudder: Was ging euch durch den Kopf, als ihr von der Schwangerschaft erfahren habt?
Helen: Ich hab erstmal gedacht: Der Test ist kaputt.
Elena: Ich habe mich gefreut, ich wollte ja das Kind. Den Test habe ich erst gemacht, als ich fünf Wochen überfällig war. Daher war es keine große Überraschung.

Fudder: Wie haben die Partner reagiert?
Helen: Sehr schlecht. Er hat sich eigentlich gleich verabschiedet.
Elena: Bei mir war es kein Verhütungsfehler. Wir wollten das Kind. Er hat die Vaterschaft angenommen und steht dazu.

Fudder: Und eure Familie?
Helen: Bei mir war es ja ein Unfall. Darum hat meine Familie erstmal besorgt reagiert. Und dann war der Typ auch noch weg. Aber das hat sich dann alles wieder ein bisschen gelegt. Meine Mutter hat mich wahnsinnig unterstützt.

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Elena: Mein Vater hat auf die Schwangerschaft sehr schlecht reagiert, weil ich mit ihm immer schon Probleme hatte und daher auch schon früh ausgezogen bin. Das kriselte weiter, bis der Kontakt abbrach. Da war meine Tochter drei Monate alt. Meine Mutter kümmerte sich sowieso kaum um uns. Sie selbst wurde mit 17 schwanger, da bekam sie meine ältere Schwester. Sie hat erstmal geweint und gefragt, ob ich das alles hinkriege, aber Unterstützung habe ich nie erhalten.

Fudder: Welche Unannehmlichkeiten brachte eure Schwangerschaft mit sich?
Helen: Ich habe damals noch gearbeitet. Da musste ich mir anhören: "Ach, die Helen. Der Typ ist ja sowieso weg. Und ein Unfall war's auch." Blöd, so was. Aber es gab auch Leute, die es toll fanden, dass ich mich für das Kind entschieden habe. Es war, was die Kommentare betraf, sehr ausgewogen.
Elena: Ich war noch auf einer Mädchenschule. Das war ganz furchtbar. Die Mitschülerinnen fragten mich fast täglich: "Wie geht’s dir ? Ist dir auch dauernd schlecht? Und hast du auch schon Schwangerschaftsyoga ausprobiert?" Ich war total genervt, denn das waren lauter wildfremde Leute, da ich erst kurz zuvor gewechselt hatte. Von manchen kamen auch doofe Kommentare. Zum Beispiel wurde Geld für mich gesammelt, und ein Mädchen meinte: "Werft doch lieber Kondome rein." Von den Erwachsenen fühlte ich mich besser verstanden. Viele fanden es gut, dass ich das alles durchziehe.

Fudder: Bieten sich eure Verwandten als Babysitter an?
Helen: Meine Mutter sehr gern. Mit meinem Vater war es schwierig. "Wie willst du das alles schaffen?", hat er mich gefragt. Aber das Verhältnis zu meiner Mutter wurde während der Schwangerschaft viel stärker. Sie war immer für mich da.
Elena: Ich habe jetzt auch mehr Kontakt zu meiner Mutter als davor, denn ich will, dass die zwei sich sehen. Alle zwei, drei Wochen gehe ich zu ihr.

Fudder: Und wie haben eure Freunde reagiert?
Helen: Bei drei Freunden habe ich es erlebt, dass der Kontakt durch die Schwangerschaft weggebrochen ist. Recht wenige, zum Glück.
Elena: Das war bei mir auch so. Ich habe davor die Schule gewechselt, deshalb gab es in meiner neuen Klasse sowieso nicht so viel Kontakt. Etwa vier Freunde sind geblieben. Eine Freundin geht cool mit Kindern um und hilft uns mit Babysitting. Meine andere Freundin hat noch ein wenig Berührungsängste. Aber die baut sie jetzt langsam ab. Die anderen waren zwar ab und zu interessiert, aber im Großen und Ganzen kann ich bestätigen, dass viele Kontakte sich verlaufen.

Fudder: Was habt ihr durch eure Kinder gelernt? Was hat sich verändert?
Elena: Das kann man nicht so leicht in Worte fassen. Man wird schneller erwachsen. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen und zu sich selbst zu stehen. Man muss wissen, was man will und lernen, nein zu sagen. Eine Mutter muss Grenzen ziehen. Sonst schwätzt einem jeder rein, was das Kind betrifft. Das war für mich am Anfang ganz schwer. Außerdem reflektieren Kinder dich. Sie zwingen dich, dein Wesen zu überdenken. Denn man gibt ja alles weiter an sein Kind.

Fudder: Wie schwer ist es, ein Kind aufzuziehen?
Helen: Am Anfang dachte ich: Das ist ja alles gar nicht so wild. Jetzt, nach einem Jahr, finde ich es schon heftig. Aber es ist zu schaffen, wenn man nicht gerade ein Schreikind hat.
Elena: Das zweite Jahr ist viel schwieriger als das erste. Meine Tochter kommt nun überall dran und ständig muss man hinterher sein. Und ich glaube, dass es noch anstrengender wird, wenn die richtige Erzieherei anfängt. Es gibt heutzutage kein festes Erziehungsmodell, woran man sich halten könnte. Das der Eltern will ich nicht übernehmen. Ich muss meine eigene Methode finden.

Fudder: Bekommt ihr Unterstützung vom Staat?
Elena: Ja, Kindergeld.
Helen: Ich bekomme dazu noch Arbeitslosengeld.
Elena: Das will ich auch beantragen.

Fudder: Was bedeutet das in Zahlen?
Helen: Ich bekomme 600 Euro, ohne Kindergeld.
Elena: Hast du einen Unterhaltsvorschuss beantragt?
Helen: Nein, den Unterhalt zahlt noch der Vater.
Elena: Immerhin.
Helen: Aber das ist ein lästiges Behördengerenne. Das sollte man vereinfachen.
Elena: Ich fand die Jugendagentur sehr freundlich.
Helen: Echt? Ich nicht.
Elena: Kann auch sein, dass ich immer Glück mit den Sachbearbeitern hatte.
Helen: Ich finde das alles zu kompliziert. Zum Glück bat mir eine Frau aus der Geburtsvorbereitung Hilfe an. Meine Mutter hat mir auch geholfen. Trotzdem finde ich, dass es zu wenig Hilfe gibt.
Elena: Ich habe gehört, dass es in Haslach einen Stadtteiltreff gibt. Dort bekommt man Hilfe bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Anträgen.
Helen: Das wusste ich gar nicht.

Fudder: Wie viel Geld geht pro Monat für das Kind drauf?
Helen: Ich habe mir das mal zwei Monate lang aufgeschrieben. Es waren immer so 200 Euro. Aber ich muss auch sagen: Ich kauf ihm viele Klamotten.
Elena: 200 Euro? Das ist ja noch relativ wenig. Ich habe mir meine Ausgaben nie aufgeschrieben. Ich koche immer selber, daher habe ich an der Babynahrung gespart. Die Klamotten habe ich meist gebraucht bekommen, aber ich kaufe auch gerne Sachen. Kleidchen und so. 200 Euro könnte hinkommen. Aber es wird ja dann von Jahr zu Jahr mehr.

"Man sollte den Mädchen

das Gefühl vermitteln,

dass man da ist, wenn man gebraucht wird, sich aber

nicht so aufdrängen."

Elena, 19 Jahre
Fudder: Reicht euch das Geld?
Helen: Ja. Aber nur, weil mich meine Mutter finanziell unterstützt. Ich habe eine relativ große Wohnung. Die verbraucht das meiste Geld im Monat.
Elena: Ich bekomme ja noch Elterngeld. Mal sehen, wie es mit dem Arbeitslosengeld wird. Alles war ein bisschen durcheinander. Ich habe Schulden gemacht.

Fudder: Wie kann man junge Schwangere am besten unterstützen?
Helen: Mir hat es am meisten geholfen, wenn Leute da waren, die zugehört und nicht immer nur ihren Senf dazugegeben haben. Auch, wenn man mir Ratschläge erteilt hat, wenn ich sie gebraucht habe. Ich finde es wichtig, dass man sensibel mit jungen Schwangeren umgeht, denn mir ging es zum Beispiel sehr schlecht.
Elena: Man sollte den Mädchen das Gefühl vermitteln, dass man da ist, wenn man gebraucht wird, sich aber nicht aufdrängen. Beratungsstellen, wie Pro Familia, haben mir sehr geholfen.

Fudder: Welche Zukunftspläne habt ihr?
Helen: Ich bin gelernte Frisörin und will später wieder arbeiten. Aber erstmal will ich zwei Jahre zu Hause bleiben. Ob ich danach wieder im Beruf arbeiten möchte oder etwas anderes, weiß ich noch nicht.
Elena: Ich habe die Schule in der 13. Klasse abgebrochen. Zuerst wollte ich das Abitur sofort machen, mit ihr im Tragetuch, aber das war mir dann doch zu stressig. Und ich will sie einfach noch nicht alleine lassen. Daher habe ich das Ganze auf nächstes Jahr verschoben. Oder ich beginne eine Ausbildung, denn das Fachabitur habe ich bereits.

Autor: Julia Bauer