Für eine offene Gesellschaft

Bernhard Amelung

Von Bernhard Amelung

Mi, 16. November 2016

Rock & Pop

Zum Tod von David Mancuso.

Die Liebe wird die Welt retten. Davon war David Mancuso stets überzeugt. Am Montag ist der US-amerikanische Discjockey im Alter von 72 Jahren gestorben. Die Todesursache ist nicht bekannt. Das Liebesmotto war die Grundlage seiner Partyreihe The Loft, die seit nunmehr 46 Jahren in New York stattfindet und als Blaupause der heutigen Club- und DJ-Kultur gilt. Die erste "Love Saves The Day" betitelte Veranstaltung fand am Valentinstag des Jahres 1970 statt, in seiner damaligen Wohnung, einem ehemaligen Lagerraum am Broadway. Von Anfang an war sie Rückzugs- und Schutzraum für Schwarz- und Lateinamerikaner, Homo- und Transsexuelle, Menschen, die auf Grund ihrer kulturellen und sozialen Herkunft sowie sexuellen Orientierung Ausgrenzung erfuhren und auch heute noch nicht gleichberechtigt leben. Er begrüßte jeden Lebensentwurf und seine Ausdrucksformen. Er feierte die Vielfalt, auch in der Musik. In seinen Sets spielte er sich vom Soul eines Stevie Wonder und der Pop-Ikone Grace Jones zum Art-Rock eines Bryan Ferry und den Electronica-Entwürfen eines Brian Eno. So hat sich Mancuso, 1944 in der Kleinstadt Utica im Bundesstaat New York geboren, mit seiner Partyreihe stets für den Idealtopos einer offenen, liberalen Gesellschaft eingesetzt. Gerade am Ende des Jahres ist dieses ideelle Vermächtnis mit Blick auf rechtspopulistische Strömungen umso erinnernswerter.