Steuer

Für Firmenwagen und Dienstfahrräder, die privat genutzt werden, gelten neue Regeln

Annika Krempel

Von Annika Krempel (dpa)

Fr, 18. Januar 2019 um 21:02 Uhr

Wirtschaft

Wer einen Firmenwagen oder ein Dienstfahrrad auch privat fährt, muss diesen Nutzungsvorteil versteuern. Seit Jahresbeginn gelten neue Steuerregeln.

Unter Angestellten gilt ein Dienstwagen oft als Privileg. "Ob der Arbeitnehmer den Wagen nur dienstlich oder auch privat nutzen kann, entscheidet jeweils die Firma", betont Michael Beumer von der Stiftung Warentest. Häufig bezahlt der Arbeitgeber die Anschaffung sowie die Versicherung, Inspektionen, Reparaturen und den Sprit. Manche Unternehmen bieten Diensträder oder E-Autos an.

Wird der Wagen oder das Fahrrad nachweislich nur betrieblich genutzt, braucht der Arbeitnehmer steuerlich nichts zu beachten. Doch "sobald er auch privat damit fährt, muss er einen sogenannten geldwerten Vorteil versteuern", erläutert Cornelia Metzing von der Bundessteuerberaterkammer. Der geldwerte Vorteil ist wie ein zusätzliches Gehalt, auf das Steuern und Sozialabgaben anfallen. Um die genaue Höhe zu errechnen, nutzen die meisten Dienstwagenfahrer die pauschale Ein-Prozent-Regel.
Die Ein-Prozent-Regel

So lässt sich der geldwerte Vorteil eines privat genutzten Dienstwagens pauschal errechnen: Die Buchhaltung addiert zum monatlichen Bruttolohn ein Prozent des Bruttolistenpreises des Autos – abgerundet auf volle 100 Euro. Kostet der Wagen 30 000 Euro, beträgt der geldwerte Vorteil 300 Euro monatlich. Für den Arbeitsweg kommen zudem 0,03 Prozent des Listenpreises je Kilometer dazu. Bei einem Weg von 20 Kilometern liegt der geldwerte Vorteil somit insgesamt bei 480 Euro.

Seit Jahresbeginn gilt für privat genutzte E-Autos eine Steuererleichterung. Arbeitnehmer müssen den geldwerten Vorteil zwar weiterhin beim Finanzamt angeben. Bei der pauschalen Berechnung müssen sie aber nur noch 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises ansetzen, und nicht wie üblich ein Prozent. Die Regelung gilt für Wagen, die zwischen 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2021 gekauft oder geleast werden.

Maßgeblich für die Berechnung des geldwerten Vorteils sind die tatsächlichen Kosten des Fahrzeugs. Dazu zählen laut Bundesfinanzministerium etwa die Abschreibung für Abnutzung, die Leasingraten, Sprit, Wartung und Reparatur. Die Gesamtkosten müssen belegt und mit privaten Fahrten verrechnet werden.

Auch Radfahrer profitieren seit Anfang 2018, wenn sie das Glück haben, dass der Chef das Fahrrad komplett finanziert: "Wird ein Dienstfahrrad vom Arbeitgeber zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn finanziert und dem Arbeitnehmer auch zur privaten Nutzung überlassen, so ist dies bis zum Jahr 2021 steuerfrei", erläutert Metzing. Aber nur, wenn es ein normales Fahrrad oder ein E-Bike ist, das nicht als Kraftfahrzeug eingestuft wird. Die Einstufung hängt von der Motorstärke ab. "Erreicht das E-Bike Geschwindigkeiten über 25 Kilometer pro Stunde, gelten die gleichen Steuerregeln wie für Elektro-Firmenwagen", erklärt Beumer. Bis zu 25 Stundenkilometern gelten E-Bikes als Fahrräder.

Ein Dienstfahrrad kann der Chef auch durch eine Gehaltsumwandlung zur Verfügung stellen. Dafür schließt er einen Leasingvertrag ab und überlässt das geleaste Rad seinem Mitarbeiter. Die Leasingraten zieht die Lohnbuchhaltung vom Bruttolohn ab. Da sich so das zu versteuernde Einkommen verringert, zahlt der Angestellte von seinem Nettolohn für das Fahrrad weniger, als es eigentlich kostet.

Die gängigen Leasing-Verträge laufen drei Jahre. Danach können Arbeitnehmer ihr Fahrrad kaufen. Doch Beumer warnt vor einer Steuerfalle: Viele Anbieter verkaufen das Rad zu zehn oder 20 Prozent des Listenpreises. "Das Finanzamt geht aber von einem Restwert von 40 Prozent aus. Die Differenz zwischen Listenpreis und dem tatsächlich gezahlten Preis gilt dann als geldwerter Vorteil, der versteuert werden muss."

Wer mit dem Rad pendelt, muss nicht wie beim Dienstwagen zusätzlich den Arbeitsweg versteuern. Ansonsten ist das Dienstrad aber zu versteuern wie ein Auto. Wer das Rad auch privat nutzt, muss einen Teil der Steuerersparnisse zurückzahlen. Zur Berechnung des geldwerten Vorteils gilt – wie beim Auto – entweder die Ein-Prozent-Regel oder ein Fahrtenbuch. Im Fahrtenbuch muss penibel jede Fahrt mit den tatsächlich gefahrenen Kilometern notiert und als privat oder beruflich eingetragen werden. "Das ist ziemlich viel Aufwand, lohnt sich aber vor allem für Arbeitnehmer, die selten privat fahren", so Beumer.