Fürs Grobe

Kai Mihm

Von Kai Mihm

Do, 13. September 2018

Kino

ACTIONTHRILLER: "Mile 22".

"Mile 22" ist der vierte gemeinsame Film von Peter Berg und Mark Wahlberg. Aber während "Lone Survivor", "Deepwater Horizon" und "Boston" auf realen Ereignissen basierten, handelt es sich diesmal um pures fiktives Genrekino. Wahlberg spielt einen Eliteagenten, der einer streng geheimen Einheit des US-Geheimdienstes angehört. Mit dem maliziösen John Malkovich als Vorgesetztem ist sofort klar, dass hier nicht nach den üblichen Regeln gespielt wird. Tatsächlich sind Wahlberg und sein kleines Team die Männer und Frauen fürs Grobe.

Ein bisschen wirken sie wie die dreckige Version von Tom Cruises Crew aus den "Mission: Impossible"-Filmen. Sie müssen ran, wenn es knifflig wird, und im Ernstfall wird die Regierung ihre Existenz negieren. So auch beim aktuellen Auftrag: Wahlbergs Team soll in einer südostasiatischen Metropole einen Überläufer von der US-Botschaft zum Flugplatz transportieren. Die Strecke beträgt 22 Meilen, quer durch die Stadt, und an jeder Ecke lauern Killerkommandos. Zum Glück können die Agenten es in Sachen Kampfkunst locker mit Jason Bourne aufnehmen; tatsächlich wirkt "Mile 22" stellenweise wie ein Bourne-Film, nur eben aus der Geheimdienstperspektive.

Die Ausgangssituation selbst erinnert an Richard Donners "16 Blocks", in dem Bruce Willis als Cop einen Informanten durch New York transportieren muss, gejagt von korrupten Kollegen. Jenseits mangelnder Originalität zeigen diese Inspirationsquellen auch die politisch-moralische Fragwürdigkeit von Bergs Film auf. "Mission: Impossible" hat immer auch eine selbstironisch-anarchische Komponente, die Bourne-Filme erzählen von der Menschenverachtung der Geheimdienste, "16 Blocks" ist nicht zuletzt ein charaktervolles Buddy-Movie. Dagegen glorifiziert "Mile 22" den brutalen Zynismus seiner Helden als Notwendigkeit in politisch unübersichtlichen Zeiten. (Läuft in Freiburg, Basel, Lahr, Lörrach, Offenburg, Weil am Rhein, ab 16)