Gabriel kämpft ums politische Überleben

Thomas Maron

Von Thomas Maron

Di, 13. Februar 2018

Deutschland

Noch-Minister entschuldigt sich.

BERLIN. Sigmar Gabriel, geschäftsführende Außenminister, gibt nicht auf. Das jedenfalls ist die Einschätzung in der engeren Führung der SPD. Wie sonst, ist zu hören, sollten Berichte von Vertrauten Gabriels zu interpretieren sein, wonach dieser Äußerungen aus der vergangenen Woche inzwischen bedaure. Unmittelbar nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen war bekannt geworden, dass Gabriel das Außenamt in der Neuauflage einer Großen Koalition an Noch-Parteichef Martin Schulz abgeben soll. Gabriel hatte daraufhin in einem Interview vernichtende Kritik an SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles und Schulz geübt.

Besonders empörten sich die Genossen darüber, dass Gabriel seine Tochter Marie instrumentalisiert habe, um Schulz zu verhöhnen. Seine Tochter habe ihn mit dem Hinweis getröstet, er könne jetzt mehr Zeit mit der Familie verbringen statt "mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht", so Gabriel. Ein unerträgliches "Frustfoul" sei dies gewesen, für das die "rote Karte" angemessen sei, hieß es in der Parteispitze. Die Passage tue ihm inzwischen leid, heißt es nun in Gabriels Umfeld. Es ist dies, so die allgemeine Einschätzung, wohl der letzte Strohhalm, nach dem er greife, um nicht in der politischen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Dennoch glauben die wenigstens, dass Gesten des Bedauerns Gabriel noch retten. Zwar hat Schulz am Freitag nach dem Verzicht auf den Parteivorsitz auch seinen Anspruch aufs Außenamt aufgegeben. Außerdem gibt es für Gabriel keinen geborenen Nachfolger, auch wenn die Namen von Familienministerin Katarina Barley und Justizminister Heiko Maas kursieren. Aber Gabriels Äußerungen seien nun mal ein weiterer Beleg dafür, wie abgründig und unberechenbar der Niedersachse sei, sagen die vielen Gabriel-Gegner in der Partei.

Da der angeschlagene Schulz jetzt so schnell wie möglich abtreten will, ist geplant, dass Vorstand und Präsidium am Dienstag Andrea Nahles zur kommissarischen Vorsitzenden küren. Nahles muss dann innerhalb von drei Monaten von einem Sonderparteitag bestätigt werden.