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25. März 2009

So weit die Füße tragen

Ein Kenzinger Ehepaar und seine Marathon-Gäste aus Spanien.

KENZINGEN. Laufen, laufen, laufen, so weit die Füße tragen – das ist das große Hobby von Birgit und Otmar Ketterer. Zur Zeit bereiten sich die beiden Kenzinger auf den Freiburg-Marathon am 29. März vor. Aus zwei Gründen: Zum einen, weil sie beim Lauf über die Halbdistanz von 21,1 Kilometer am Start stehen wollen. Zum anderen, weil sie an diesem Wochenende und den Tagen danach Gastgeber für eine 35-köpfige Gruppe aus Spanien sind. Dort arbeitet Birgits Schwester und joggt regelmäßig die Costa Blanca entlang.

Die Hausrunde von Birgit und Otmar Ketterer ist nicht ganz so pittoresk. Zur Haustür raus, durch die Bahnhofsunterführung, am Klärwerk vorbei in Richtung Baggersee und übers Industriegebiet wieder zurück – insgesamt 3,6 Kilometer. In der Vorbereitung kann es schon mal passieren, das die beiden die Runde fünfmal hintereinander laufen. Manchmal auch sechsmal. "Es gibt schon Spaziergänger, die gucken erstaunt", erzählt Birgit Ketterer. "Eine Frau hat mal gesagt: Sie habe ich vorher doch schon gesehen."

Birgit Ketterer hat Erfahrung: Die 51-jährige Erzieherin ist die Halbmarathonstrecke schon dreimal gelaufen – zweimal in Freiburg, einmal in Torrevieja, einer kleinen Stadt in Spanien. Ihr Mann, 52 Jahre alter Logopäde, kennt solche langen Distanzen nur aus dem Training, aber "ich weiß, dass ich das kann – und danach nicht kaputt am Boden liege." Beim Halbmarathon in Freiburg wollen die beiden sich an einen der "Ballonläufer" hängen – und zwar an den, der die 21,0975 Kilometer in zwei Stunden abspulen wird.

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Sportbegeistert war das Ehepaar schon immer. Er spielte Fußball, beide wandern seit Jahren, sie fahren gerne Rad und steigen nur dann ins Auto, wenn es sein muss. Zum Laufen kamen sie über Birgits Schwester Martina. Die gelernte Fremdsprachensekretärin lebt seit rund 14 Jahren in Alicante – und hat sich dort der Laufgruppe "A to trapo" angeschlossen. Das bedeutet so viel wie: Volldampf voraus. Motto der Truppe: Old runners never die – Alte Läufer sterben nie.

Der große Teil der Gruppe ist zwischen 40 und 50 Jahren alt, einige sind schon über 60. Sie treffen sich an Sonn- und Feiertagen immer um viertel vor acht. Martina Schneider gehört auch dazu – und überredete ihre Schwester, ein paar Runden mitzulaufen. "Wir waren ruckizucki auf einer Stunde, dann auf eineinhalb Stunden." Irgendwann im Jahr 2006 fiel dann das H-Wort: Halbmarathon.

Seither läuft sie. Ihr Mann auch. "Bevor es losgeht, motiviert sie mich", erzählt er, "und wenn wir dann auf der Strecke sind, motiviere ich sie manchmal schon, ein bisschen schneller zu laufen. Ich sage dann: Komm, zieh jetzt noch ein bisschen mit." Wenn man sich noch einmal einen Tritt gegeben habe, sagen beide, gehe meistens noch ein bisschen mehr. Warum sie laufen? "Ich bin kein Stubenhocker", sagt sie, "dann werde ich ungenießbar. Und laufen kann ich das ganze Jahr über." Und er, sagt Otmar Ketterer, sei schon immer ein Ausdauermensch gewesen. "Es macht auch Spaß zu spüren, was man noch kann", sagt er.

Zwei- bis dreimal im Jahr reisen die beiden nach Alicante, seit zehn Jahren belegen sie Spanisch-Kurse an der Volkshochschule. "Wenn die langsam sprechen", sagt er, "verstehen wir eigentlich ziemlich viel." Manchmal, wenn sie an der Costa Blanca sind, laufen sie dann eine Runde mit der Gruppe. "Das ist echt eine ganz lustige Truppe", sagt Birgit Ketterer.

22 Spanier – der harte Kern – werden in einem Kenzinger Hotel schlafen, 13 übernachten in Freiburg. Von den 35 Spaniern haben 17 als Läufer gemeldet, der Rest sind Freunde, Familie, Ehepartner. Das Freizeitprogramm steht schon: Nach der Ankunft am Samstag wollen die Ketterers ihren Spaniern erst einmal Kenzingen zeigen, einen Tag geht es nach Freiburg – auf die Marathonstrecke. Am Montag steht ein Empfang im Kenzinger Rathaus auf dem Programm. Die vier Tage nach dem Marathon sind mit Tagestouren vollgepackt. Es geht ins Elsass, nach Freiburg, in den Schwarzwald, nach Basel und von dort aus wieder zurück ans Mittelmeer. Drei Weinproben sind auch schon gebucht – unter anderem. Denn viele der Spanier haben ein großes Ziel, verrät Otmar Ketterer: "Sie wollen die deutschen Biere kennenlernen."

Mehr zum Freiburg-Marathon gibt es unter http://www.badische-zeitung.de oder http://www.marathon-freiburg.com

Autor: Patrik Müller