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27. November 2012 16:49 Uhr

Pressekonferenz

Gasofen hat Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt ausgelöst

Die Ursache der Brandkatastrophe im Hochschwarzwald scheint klar: Ein defekter Gasofen hat das Unglück mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ausgelöst. Am Samstag wird der Opfer in einem Gottesdienst gedacht, im ganzen Land werden die Fahnen auf Halbmast wehen. Unterdessen wird der Ruf nach Sprinkleranlagen laut.

Es war ein Gasaustritt mit folgender Verpuffung, der die Brandkatastrophe in der Caritas-Werkstatt in Neustadt verursacht hat. Warum sich das Gas entzündete, sei noch unklar, teilte der leitende Oberstaatsanwalt Peter Häberle am späten Dienstagnachmittag im Rahmen einer Pressekonferenz mit. Bei dem Brand in der Caritas-Einrichtung (Fotos) waren zehn behinderte Frauen im Alter von 28 bis 68 Jahren, drei Männer im Alter von 45 bis 68 Jahren sowie eine 50-jährige Betreuerin ums Leben gekommen. Neun Menschen, darunter ein Feuerwehrmann, wurden verletzt. Sie mussten die Nacht in einer Klinik verbringen. Laut Häberle befindet sich keiner von ihnen in Lebensgefahr. In der Werkstatt arbeiten 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Sie werden von insgesamt 20 Kräften betreut. Nach bisherigen Ermittlungen hielten sich 111 Menschen in dem Gebäude aus.

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Warum war der Gasofen in der Werkstatt?

Die Behörden haben mittlerweile in etwa rekonstruiert, was nach Ausbruch des Brandes geschehen ist: Innerhalb kürzester Zeit breitete sich in dem dreistöckigen Gebäude lebensgefährlicher Rauch aus, der den Menschen drinnen den Atem nahm. Wie Armin Hinterseh, Bürgermeister von Titisee-Neustadt, erklärte, wurden die Opfer alle an ihrem Arbeitsplatz oder in unmittelbarer Nähe gefunden. "Bei einem so starken Rauch genügen zwei, drei Atemzüge und man verliert das Bewusstsein", sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Wer sich vor dem tödlichen Rauch ans Fenster retten konnte, habe überlebt, so Widmaier.

Bei dem Ofen handelt es sich um einen sogenannten Katalytofen. Diese Art von Öfen dürfen, betonte Kreisbrandmeister Widmaier auf Nachfrage, in geschlossen Räumen verwendet werden. Sie seien zum Heizen von Räumen gedacht.

Zu welchem Zweck der mobile Ofen im Raum stand – ob er wirklich für zusätzliche Wärme sorgen oder einfach nur ausprobiert werden sollte – sei ebenfalls noch zu ermitteln, so Staatsanwalt Häberle. Unklar sei auch noch, wer den Ofen mitgebracht hat. Zur Ausstattung der Einrichtung gehörte er offenbar nicht. Ob es noch weitere Geräte dieser Art in der Einrichtung gab, ist unklar.

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungsverfahren ein

Die Staatsanwaltschaft Freiburg habe deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen – unter anderem – fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt eingeleitet, sagte Häberle weiter und betonte: "Wir ermitteln wegen Fahrlässigkeit, bislang gibt es keine Hinweise auf Absicht." Man gehe von einem Unglück aus.

Bei der Suche nach der genauen Ursache wollen die Experten nun den Zustand der Gasflasche kurz vor dem Brand rekonstruieren. Es sei nicht klar, ob das Ventil der Flasche offen, der Schlauch defekt oder der Ofen undicht gewesen sei. Unklar sei auch, warum sich das Gas entündet habe, sagt Widmauer. Klar ist nur: "Es ist Gas ausgetreten und hat sich entzündet. Wo und wie, ist offen", sagt der Kreisbrandmeister. Auch sei unklar, ob sich tatsächlich eine Explosion ereignet hat. "Die erste Anrufe hatten von einer starkem Rauch und Feuer berichtet." Das Propangas könnte laut Widmaier auch erklären, warum sich das Feuer so schnell ausgebreitet hat. "Aber genau das sollen die weiteren Ermittlungen klären."

Der Brandschutz in der Behindertenwerkstatt im Schwarzwald war aus Sicht der Behörden völlig ausreichend. "Der vorbeugende Brandschutz war absolut ordnungsgemäß", sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Der Einsatz der Rettungskräfte sei vorbildlich gelaufen. "Die Baugenehmigung für die Werkstatt aus dem Jahr 2000 enthielt extra Auflagen, was den Brandschutz angeht", so Landrätin Dorothea Störr-Ritter. Es gab ausreichend Feuertreppen, die Fluchtwege waren gut ausgeschildert, regelmäßig haben Übungen stattgefunden. Das alles hat Schlimmeres verhindert. "Der Zugang zum Treppenhaus war frei", sagte am Morgen Feuerwehrkommandant Gotthard Benitz. Allerdings gab es in dem Gebäude keine Sprinkleranlage – die aber im besonderen Falle wenig geholfen hätte. Denn sie reagiert auf Hitze (gegen das Feuer) und nicht auf Rauch.

31 Notfallseelsorger im Einsatz

Von den 97 Menschen, die sich aus dem Gebäude retten konnten, schafften dies nach Darstellung der Behörden 86 aus eigener Kraft. Nur elf Menschen mussten von der Feuerwehr aus dem Gebäude geleitet werden. Dies spreche für das Funktionieren des Rettungskonzepts über eine Rampe für Rollstuhlfahrer und eine Stahltreppe, erklärte Regierungspräsidentin Schäfer.

Ob sich mehr Menschen hätten retten können, wären sie nicht behindert gewesen – darüber will Oberstaatsanwalt Häberle nicht spekulieren. Auch Kreisbrandmeister Widmaier macht dazu keine Angaben.

Es waren 31 Notfallseelsorger des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz. 60 Menschen wurden psychologisch betreut, sagte DRK-Einsatzleiter Wolfgang Schäfer-Mai. In den ersten Stunden nach einem traumatischen Erlebnis gehe es vor allem ums Zuhören und Mitfühlen: "Das sind Erste-Hilfe-Maßnahmen für die Seele."

Trauergottesdienst am Samstag

Mit einem ökumenischen Trauergottesdienst soll an diesem Samstag um 11 Uhr in der katholischen Kirche Titisee-Neustadt der Opfer gedacht werden. An dem Gottesdienst werden der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer teilnehmen. Auch Papst Benedikt XVI. gedachte der Opfer und versicherte den Hinterbliebenen in einem Brief an Erzbischof Zollitsch seine tief empfundene Anteilnahme.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte für Samstag Trauerbeflaggung in ganz Baden-Württemberg an. Er und Gall waren am Montag zum Unglücksort geeilt. "Ich habe in meiner Erinnerung keine Einsatzstelle erlebt, bei der ich ein so hohes Maß an Entsetzen, an Verzweiflung, an Hilflosigkeit, an tiefer Traurigkeit erlebt habe", sagte der Innenminister.

Deutsche Hospizstiftung pocht auf Sprinkleranlagen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen will nun die Sicherheitsvorkehrungen in den Einrichtungen überprüfen. "Wenn so ein Unglück geschehen ist, gilt es alle Standards auf den Prüfstand zu stellen", sagte der Vorstandsvorsitzende Günter Mosen. Er betonte aber auch, dass es bereits jetzt umfassenden Arbeitsschutz gebe. "Ich glaube, dass unsere Werkstätten alles tun, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten."

Die Deutsche Hospizstiftung verlangte indes, soziale Einrichtungen innerhalb der nächsten vier Jahre verpflichtend mit selbsttätigen Sprinkleranlagen auszurüsten. Was für deutsche Flughäfen gelte, müsse erst recht für Einrichtungen der Pflege- und Behindertenfürsorge gelten, sagte der Stiftungsvorstand Eugen Brysch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Pflegebedürftige und Behinderte hätten keine Chance, sich selbst zu retten.

Die Behindertenwerkstatt in Straße "Am Bildstöckle" im Westen von Neustadts wird längere Zeit geschlossen bleiben. Die Schäden seien immens, sagte ein Sprecher der Caritas. Zwei Stockwerke des Gebäudes seien durch Feuer und Rauch nahezu komplett zerstört. Die Einrichtung solle hergerichtet und wieder eröffnet werden. Die Behinderten würden so lange in anderen Einrichtungen untergebracht.

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Liveticker zum Nachlesen: Das Minutenprotokoll der Pressekonferenz

17.50 Uhr: Die Pressekonferenz ist zu Ende. Nun holen die Kamerateams einzelne Stellungnahmen der Experten und Politiker ein.

17.47 Uhr: Eine weitere Frage dreht sich um die Brandursache. "Was noch völlig offen ist, ist die Frage, weshalb der Ofen in der Werkstatt stand. Um zu heizen? Sollte er ausprobiert werden?", antwortet Polizei-Ermittlungsleiter Oschwald. Bei dem Ofen handelt es sich um einen sogenannten Katalytofen. Diese Art von Öfen dürfen, so betont Kreisbrandmeister Widmaier auf Nachfrage, in geschlossen Räumen verwendet werden. Sie seien zum Heizen von Räumen gedacht.

17.42 Uhr: Egon Engler von der Caritas ergänzt Zahlen zu der Einrichtung: "Wir haben 20 Betreuer in der Werkstatt und 120 Menschen in Betreuung." Wie viele am Montag genau vor Ort waren, kann er nicht sagen.



17.41 Uhr: Ob sich mehr Menschen hätten retten können, wären sie nicht behindert gewesen – darüber will Staatsanwalt Häberle nicht spekulieren. Auch Kreisbrandmeister Widmaier macht dazu keine Angaben.

17.40 Uhr: Der leitende Staatsanwalt Häberle: "Wir ermitteln wegen Fahrlässigkeit, bislang gibt es keine Hinweise auf Absicht." Man gehe derzeit von einem Unglück aus.

17.39 Uhr: Warum breitete sich das Feuer so schnell aus? Laut Widmaier lässt sich das durch das Propangas wohl erklären.

17.38 Uhr: Kreisbrandmeister Widmaier: "Es gab Brandtüren, die nach bisherigem Erkenntnisstand einwandfrei funktionierten."

17.37 Uhr: Polizei-Ermittlungsleiter Oschwald: "Der Ofen wurde mit einer 11-Kilo-Gasflasche betrieben."

17.35 Uhr: Ein Medienvertreter fragt, ob die Opfer am giftigen rauch oder an den Folgen der Verpuffung gestorben sind. Antwort von Peter Häberle: "Die Todesursache steht noch nicht fest."

17.34 Uhr: Kreisbrandmeister Widmaier: "Einige aus dem Werkstattraum konnten sich retten - wer nah an Fenster war oder die Fluchttreppe erreichen konnte, wurde gerettet."

17.33 Uhr: Der leitende Kriminaldirektor Alfred Oschwald erklärt: "Ob der Heizofen in Betrieb war, wissen wir nicht, auch nicht, ob er dort widerrechtlich war."

17.30 Uhr: Bei dem Gasofen handelte es sich um einen Heizofen. Der Gasofen war mobil und nicht fest installiert.

17.29 Uhr: Staatsanwalt Peter Häberle auf Nachfrage eines Journalisten: "Es kam zu einem unkontrollierten Gasaustritt – ob das aus der Gasflasche oder dem Ofen ausgetreten ist, weiß ich nicht."

17.27 Uhr: Die Einrichtung in Titisee-Neustadt sei jährlich begangen und auf Einhaltung des Brandschutzes untersucht worden, erklärt Engler. Und er fügt an: "Ich möchte allen danken, auch denen, die sich ehrenamtlich engagiert haben. Allen ein herzliches Dankeschön."

17.25 Uhr: Egon Engler, Vorstand des Caritas-Verbandes Freiburg, betont: "Für die Menschen mit Behinderung soll schnell eine Betreuung eingerichtet werden."

17.23 Uhr: "Es gab eine schlagartige Ausbreitung von Feuer uns Rauch", erklärt der Kreisbrandmeister und blickt zurück: "Um 14 Uhr wurde Alarm ausgelöst, sechs Minuten später waren die ersten Kräfte vor Ort. Die Integrierte Leitstelle habe die Alarmstufe dann noch einmal hochgesetzt." Weiter führt Widmaier aus: "Die Feuerwehr hat sofort das Gebäude abgesucht. Wer es ans Fenster geschafft hat, konnte gerettet werden."

17.21 Uhr: Kreisbrandmeister Alexander Widmaier: "Das war der größte Einsatz mit Opfern, den wir hier je hatten."

17.19 Uhr:
Wolfgang Schäfer-Mai vom DRK Freiburg erklärt: "Wir waren mit 80 Kräften vor Ort." Die Verletzten seien in insgesamt vier Kliniken gekommen. "Wir hatten 31 Menschen aus dem Notfallnachsorgeteam im Einsatz."

17.16 Uhr: "Ein Gasaustritt mit und unkontrollierten Folgen" – so stuft die Staatsanwaltschaft den Hergang der Katastrophe ein.

17.15 Uhr: Häberle benennt die Ursache: Ursache in einem Gasofen mit Gasflasche. Es kam zu einem unkontrollierten Gasaustritt – es kam zu einer Verpuffung. Alle Getöteten befanden sich in der Werkstatt, in der der Ofen stand.

17.14 Uhr: Staatsanwalt Peter Häberle erklärt, dass seine Behörde ein Ermittlungsverfahren aufgenommen hat – und betont: "Die Einleitung eines solchen Ermittlungsverfahrens bedeutet nicht, dass die Staatsanwaltschaft von einem fahrlässigen Verhalten ausgeht."

17.14 Uhr: Der Einsatzleiter der Polizei blickt auf den Rettungseinsatz zurück und gibt einen Überblick über die traurige Bilanz der Katastrophe – 14 Todesopfer, 9 Verletzte, darunter ein Feuerwehrmann.

17.10 Uhr: Landrätin Störr-Ritter und Bürgermeister Hinterseh bedanken sich bei den Rettungskräften, die hervorragende Arbeit geleistet hätten.

17.06 Uhr: "Von den 97 geretteten Personen, mussten nur elf von der Feuerwehr aus dem Gebäude gebracht werden", erklärt Bärbel Schäfer. Alle anderen hätten sich selbst in Sicherheit bringen können. Einige Rollstuhlfahrer hätten im oberen, sicheren Bereich gewartet und seien und Rettern in Sicherheit gebracht worden.

17.05 Uhr: Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin Freiburg: "Unsere Sorge und Anteilnahme gilt den Angehörigen der Opfer und den Rettungskräften. Der Einsatz selbst ist vorbildlich gelaufen. Der Brandschutz war absolut ordnungsgemäß."

17.03 Uhr: Karl-Heinz Schmid von der Freiburger Polizei-Pressestelle stellt die Teilnehmer der Pressekonferenz vor. Diese werden ein Statement abgeben, danach können Fragen gestellt werden. Viele der Anwesenden haben die Nacht durchgearbeitet.

17.00 Uhr: Die Unruhe nimmt zu. Noch hat die Pressekonferenz nicht begonnen – aber in diesem Moment erscheinen die Protagonisten.

16.58 Uhr: Der Bürgermeister von Titisee-Neustadt, Armin Hinterseh, ist der erste, der seine Jacke über den Stuhl hängt. Er war schon am frühen Morgen erneut an der Unglücksstelle, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Am Montag war er gerade in einer Besprechung, als er von dem Brand erfuhr. "Dass eine solche Tragödie auf uns zukommen würde, hätte ich nie gedacht."

16:55 Uhr: In wenigen Minuten beginnt die Pressekonferenz im Neustädter Feuerwehrhaus. Acht Stühle sind vor den Presseleuten aufgebaut. Auf einem kleinen Bistrotisch in der Mitte quetschen sich die Mikrofone von RTL, ZDF und N24.

16.52 Uhr: Besonders groß ist die Trauer im Haus Lebensheimat mit Sitz im Löffinger Ortsteil Reiselfingen. Sieben Bewohner der Einrichtung sind am Montag beim Brand in der Behindertenwerkstatt in Neustadt ums Leben gekommen.

16.48 Uhr: Das Medieninteresse ist groß. Am Dienstagmorgen waren unter anderem die FAZ, der Spiegel, die taz und die Schwäbische Zeitung in Titisee-Neustadt unterwegs, von der Pressekonferenz berichten unter anderem n-tv, N24, ZDF, RTL und der SWR.

16.45 Uhr: Unverändert groß ist das Interesse an Hilfsangeboten. Die am Montag nach dem Brand eingerichtete Telefon-Hotline (07651/2060) für Angehörige im Rathaus wird weiter stark nachgefragt.
Spendenkonten

Die Sparkasse Hochschwarzwald und die Volksbank Freiburg haben für die Behindertenwerkstätte St. Georg des Caritas Verbandes Hochschwarzwald Spendenkonten eingerichtet:

Volksbank Freiburg
Kontonummer: 181 757 38
Kontoinhaber: Stadtkasse Titisee-Neustadt
BLZ: 680 900 00 Volksbank Freiburg eG
Kontobezeichnung: Spendenkonto Brand Caritaswerkstätte

Sparkasse Hochschwarzwald
Kontonummer: 4553285
BLZ: 680 510 04

Autor: Alexandra Sillgitt, Karl Heidegger, epd, dpa, aktualisiert um 18.40 Uhr