Freiburger Bierbrauer (2)

Almut Emma Zinn wurde von der Weintrinkerin zur Bierbrauerin

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 14. September 2017

Gastronomie

„Ich war früher gar keine Biertrinkerin.“ Das sagt Almut Emma Zinn. Mittlerweile trinkt die langjährige Weinliebhaberin nicht nur Bier. Sie braut sogar ihr eigenes und verkauft es in ganz Deutschland.

Angefangen hatte alles bei einer dreiwöchigen Reise in den USA. An der Westküste kam sie im Jahr 2012 bei einem Ökofarmer auf den Geschmack. Dessen sehr stark gehopftes Bier hat in ihr das Interesse und die Lust geweckt. Zurück in Good Old Germany bestellte sich die heute 46-Jährige im Internet gleich ein Heimbraugerät und begann in der Küche ihrer Wohnung im Stühlinger mit den ersten Experimenten. Die Ergebnisse kamen bei den ersten Testtrinkern gut an, und ihr machte das Ausprobieren so viel Spaß, dass sie 2014 in Berlin einen Intensivkurs im Brauwesen besuchte – als einzige Frau.

Von der Lehrerin zur Bierbrauerin

Da kam die Idee auf, mit ihrer künftigen Marke auf die ungewöhnliche Rolle als Bierbrauerin in einer eher von der Männerwelt dominierten Branche hinzuweisen. Die "Biere ohne Bart" waren geboren. Mit dem Zusatz Emma, ihrem zweitem Vornamen, unterstrich sie das "Weibliche" nochmal. Nach der Testphase war es 2016 dann endlich so weit. Sie kündigte ihren Job als Lehrerin an einer Emmendinger Schule und konzentrierte sich voll und ganz aufs Biergeschäft. Seit letztem Jahr braut sie nun wie die meisten Gleichgesinnten aus der Region in der Privatbrauerei Rogg in Lenzkirch ihr Bier. In ihrem 20 Hektoliter fassenden Gärtank sind bisher drei Sorten entstanden.

Ihr erstes Bier war das "Kuckucksrot". Das fruchtig-herbe American Amber Ale ist leicht rötlich. Im vergangenen Winter kam dann "Zapotopaz", ein von Zinn ausgedachtes Palindrom – also ein Wort, das von vorwärts wie rückwärts gelesen identisch ist – und ihr für das karamellmalzige American Strong Pale mit der australischen Hopfensorte Topaz passend erschien. Diesen Sommer folgte das Heimspiel (siehe unten) und seit zwei Wochen gärt in Lenzkirch das vierte Spezialbier, dessen Namen sie nicht verraten will.

"Es ist meine große Leidenschaft, immer mal wieder was anderes zu machen", sagt sie. Einmal habe sie geröstete Kokospflanzen ins Jungbier getan und die später wieder rausgenommen. Freiburg, findet Zinn, die auch Logos, Homepage und Vertrieb ganz alleine anpackt, sei mittlerweile in der Craft-Beer-Szene für seine qualitativ hochwertigen Biere bekannt.

Bier im Fokus: Heimspiel von Emma – Biere ohne Bart (http://www.biereohnebart.de

Alkoholgehalt: 4,8 Prozent
Preis: 3,30 Euro für die 0,33-Liter-Flasche
Geschmack: "Die Idee dieses German Pale Ale verbirgt sich schon im Namen des Bieres, denn das Heimspiel wurde ausschließlich mit deutschem Hopfen gebraut. Die Nase erfreut sich an leichten und fruchtigen Hopfenaromen, die sich auch im Geschmack des Bieres wiederfinden. Im Vordergrund stehen Noten von reifen Zitrusfrüchten und Orange, die wir den intensiven Aromahopfen aus der Hallertau verdanken. Ein deutlicher hopfenherber Abgang macht bereits Lust auf den nächsten Schluck. Dennoch zählt das Heimspiel zu den geschmacklichen Leichtgewichten und ist ein schöner Einstieg in die Welt der Craftbiere", findet Biersommelière Andrea Seeger, die in ihrer Craft-Beer-Lodge in der Salzstraße 26 Hunderte von Bieren zur Auswahl hat und auch Verkostungen macht.