Versteigerung

Das Lager- und Gastrogebäude "Turm" in Weil kommt unter den Hammer

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Mi, 09. Januar 2019 um 20:00 Uhr

Weil am Rhein

Das Lager- und Gastrogebäude in Altweil soll zwangsversteigert werden. So überraschend ist das nicht: Der Betrieb ist Anfang 2017 eingestellt worden.

Den meisten Weilern ist der Turm in Altweil als Gastrobetrieb und Nachtlokal geläufig. Doch seit Anfang 2017 ist der Betrieb eingestellt und am Gebäude nagt erkennbar der Zahn der Zeit. Kommende Woche kommt der Komplex nun unter den Hammer: Auf Betreiben zweier Gläubiger ist ein Zwangsversteigerungsverfahren eröffnet und der Verkehrswert auf 385 000 Euro festgesetzt worden.

Markant und gut sichtbar

Der Turm ist eines der markanten und weithin sichtbaren Gebäude in Altweil. Nach Angaben des Weiler Stadtarchivs wurde das fünfgeschossige Gebäude etwa in den Jahren 1908 oder 1909 als Fabrik zur Erzeugung von Presshefe erbaut und gehörte damals zu dem Unternehmen "Landwirtschaftliche Brennerei Hofer", die seit etwa 1890 bestand. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg, in den Jahren 1912/1913, übernahmen die Wyla-Werke die Fabrik zur Herstellung von Malz. In den 1930er Jahren kam das Unternehmen dann aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste Konkurs anmelden. Dem Versuch, den Betrieb unter der Regie der Firma "Weiler Chemische Industrie" fortzuführen, war aber offenbar auch kein Erfolg beschieden, weshalb er 1939 stillgelegt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten sich verschiedene Eigentümer und Betriebe ab, ehe der Turm zu Beginn der 70er Jahre eine neue Verwendung als Gastwirtschaft fand und in den oberen Etagen Wohnungen eingerichtet wurden. Zeitweise beherbergte der Turm eine Diskothek, zuletzt wurde er als Nachtlokal mit Sauna und Erotik-Bar genutzt.

Bausubstanz zu alt für gastronomischen Betrieb

Die veraltete Bausubstanz und der mangelnde Brandschutz machten zuletzt eine Fortführung des gastronomischen Betriebs unmöglich. Bei einer Brandschau im Jahr 2015 wurden insgesamt 24 brandschutztechnische Mängel festgestellt, die aber laut dem nun zur Vorbereitung der Zwangsversteigerung erstellten Gutachten wohl nicht behoben wurden. Der gastronomische Betrieb habe deshalb seit Anfang 2017 geruht.

Beantragt haben die Zwangsversteigerung nun das Finanzamt Lörrach und das Landratsamt Lörrach. Es gibt aber noch weitere Gläubiger. Versteigert werden zwei Grundstücke an der Eisenbahnstraße in Altweil – zum einen die Fläche, auf der das Turm-Gebäude errichtet ist und die es an drei Seiten bis zur Grundstücksgrenze ausfüllt, zum anderen ein westlich angrenzendes, unbebautes Grundstück, das gegenwärtig als Parkplatz dient. Das Turm-Grundstück ist samt Gebäude auf einen Verkehrswert von 325 000 Euro taxiert worden, das unbebaute Grundstück, für das verschiedene Wege- und Leitungsrechte im Grundbuch eingetragen sind, auf 60 000 Euro.

Gebäude geht wohl nicht unter dem Verkehrswert weg

Beim Zwangsversteigerungstermin am kommenden Mittwoch, 16. Januar, um 10 Uhr im Lörracher Amtsgericht wird das Einstiegsgebot für beide Grundstücke mindestens bei der Hälfte des ermittelten Verkehrswertes liegen. Sofern einer der beiden Gläubiger es verlangt, muss dieser Betrag sogar auf 70 Prozent des Verkehrswertes angehoben werden. Der zuständige Rechtspfleger Volker Zimmermann geht aber aufgrund seiner Erfahrungen mit vergleichbaren Fällen davon aus, dass der Turm kaum unter dem Verkehrswert zu haben sein wird.

Der potenzielle Käufer freilich muss sich seine Sache gut überlegen. Das Gebäude hat laut Gutachten nicht nur brandschutztechnische Mängel, sondern auch einen hohen Instandhaltungsrückstand. Außerdem könnten noch denkmalschützerische Aspekte mit ins Spiel kommen. Derzeit steht das Gebäude zwar nicht unter Denkmalschutz. Die untere Denkmalschutzbehörde im Weiler Rathaus hat sich aber eine Prüfung vorbehalten für den Fall, dass eine Nutzungsänderung beantragt würde.

Steht in einem "besonderen Wohngebiet"

Was die künftige Nutzung anbelangt, ist einiges denkbar. Da der Turm in einem Gebiet steht, das baurechtlich als "besonderes Wohngebiet" definiert ist, sind dort Wohnungen, Läden, Beherbergungsbetriebe, Schank- und Speisewirtschaften, Geschäfts- und Büroräume sowie Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke möglich, unter Umständen sogar Verwaltungsstellen, Vergnügungsstätten und Tankstellen.