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19. Oktober 2013 00:00 Uhr

Oberried-Geroldstal

Gastronom will "Goldenen Löwen" zu neuem Leben erwecken

Bald rührt sich wieder was im "Goldenen Löwen" in Geroldstal. Der Gastronom Martin Hegar hat das Anwesen gekauft und wird es in den nächsten Jahren für eine Wiedereröffnung umbauen.

  1. Biergarten, Kräutergarten und raffinierte Küche könnten aus dem Gasthaus „Löwen“ zukünftig wieder ein lohnendes Ausflugsziel machen. Foto: Christian John

Seine Pläne präsentierte er mit dem Architekten Markus Schlempp dem Oberrieder Gemeinderat.

Bei genauerer Untersuchung des Gasthofes stießen die Architekten auf unerwartete und spannende Spuren. Der "Löwe" liegt im Dornröschenschlaf. Das idyllisch an der Brugga gelegene Gasthaus im Geroldstal steht bereits seit einigen Jahren leer. Einst war der "Löwe" bekannt für seinen gemütlichen Biergarten, seine familienfreundliche Atmosphäre. Momentan gibt es viel Wildwuchs um das Lokal, dies wird sich jedoch in Kürze ändern.

Gastronom Martin Hegar, der den "Löwen" gekauft hat, ist in der Region kein Unbekannter: Nachdem er im Oberrieder Hotel "Sternen Post" seine Kochkünste unter Beweis stellte, übernahm er vor fast 15 Jahren als Pächter die "Halde" auf dem Schauinsland.

Das als Ausflugsziel mit Schwarzwaldblick höchst attraktiv gelegene Gasthaus "Zum Löwen" soll laut Hegar seinen einst familiären Charakter behalten. "Es wird eine Vesperkarte geben", verspricht Hegar, der aber auch raffinierte Gerichte anbieten wird. Architekt Markus Schlempp erläuterte, wie das Gasthaus umgebaut werden soll.

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Das Anwesen besteht aus einem Hauptgebäude mit zwei Anbauten sowie einem Garagenblock. Schon bei ersten Besichtigungen des Gasthofes wurde dem Architekten klar: "In dem Bau steckt etwas Spannendes", so Schlempp. Die Wände waren alle im Stil der 50er Jahre mit Holzpaneelen verkleidet. Ein Blick in den Dachstuhl verriet dem erfahrenen Architekten jedoch, dass es sich hier um ein Schwarzwaldhaus handeln muss, mit einer typischen Wendeplatte im Dachstuhl für Pferdegespanne.

Ältester Nachweis stammt aus dem Jahr 1823

Dies schien den Forschergeist des Teams um Architekt Schlempp geweckt zu haben. Zusammen mit der Universität Konstanz veranstalteten sie ein Bauforschungsseminar und gingen der Geschichte und der Substanz des alten Hofes auf die Spur. Aus dem Jahr 1823 stammt das älteste Dokument, in dem das Gebäude sowohl als Gasthof als auch als Mühle genannt wird. Auf alten Fotos entdeckten die Architekten dann den Einbau für das ehemalige Mühlrad. Dies sei, so Schlempp, sehr außergewöhnlich, dass der Betrieb gleichzeitig als Gasthaus und Mühle geplant wurde.

Im Inneren befreiten Architekten und Studenten die Wände von der Holzverkleidung und brachten somit die alte Schwarzwaldhofsubstanz ans Tageslicht. Um genauere Informationen über das Alter des "Löwen" zu erhalten, wurden dendrochronologische Untersuchungen angestellt. Dabei werden Proben aus dem verbauten Holz genommen, an dessen Jahresringen der ungefähre Zeitpunkt der Baumfällung abgelesen werden kann. In der Zeit um 1765 wurde der "Löwe" erbaut.

Bauantrag bis Ende November

Mit dem Wissen, dass es sich einst um eine Mühle mit Gasthof in einem Schwarzwaldhaus gehandelt hatte, gingen die Architekten an die Neuplanung des "Löwen" heran. Der Anbau aus den 1980er Jahren wird verschwinden. Das Haupthaus soll erweitert werden und die einstige Wiederkehr als Haupteingang Verwendung finden. Ein Biergarten, ein Kräutergarten sowie eine Obstbaumwiese sollen für Gemütlichkeit sorgen. Der Garagenblock wird einem zweigeschossigen Bau weichen, der Dusch- und Saunaanlagen beherbergen soll. Im Garten wird ein Naturteich für die Abkühlung der Saunagänger und Sommerfrischler sorgen. Eine "Oase im Dreisamtal" soll laut Architekt Schrempp entstehen.

Der Bauantrag soll bis Ende November gestellt sein. Dann hofft Hotelier Martin Hegar den schlafenden "Löwen" im Frühjahr oder Frühsommer 2015 zu wecken und die ersten Gäste zu begrüßen. Dies wäre gleichzeitig auch der 250. Geburtstag des alten Hauses.

Autor: Christian John