Israel

Koch- und Reisebuch porträtiert die bunte Küche Tel Avivs

Pascal Cames

Von Pascal Cames

So, 06. Januar 2019 um 11:21 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Die Köchin Haya Molcho und ihre Söhne waren zwei Wochen in Tel Aviv unterwegs. Aus der wohl weltlichsten Stadt Israels saugten sie Storys, Bilder und Rezepte heraus wie aus einer reifen Orange.

Goldgelber Hefezopf mit Gürkchen? Wer das "Tel Aviv"-Koch- und Reisebuch aufblättert, findet viele solcher Überraschungen, denn Tel Aviv ist alles, nur nicht langweilig. Dieses Buch ist der Reiselust und der Neugierde von Haya Molcho und ihrer Söhne zu verdanken, die gemeinsam das Restaurant Neni in Wien betreiben, von dem es auch schon Ableger in Berlin und anderswo gibt.

Viele vegetarische Gerichte

Die Molchos waren zwei Wochen in der wohl weltlichsten Stadt Israels. Aus der "weißen Stadt" saugten sie Storys, Bilder und Rezepte heraus wie aus einer reifen Orange. Auffallend ist die Vielschichtigkeit der israelischen Gesellschaft, deren Mitglieder Vorfahren in aller Welt haben, ob Bulgarien, Kurdistan, Marokko oder Polen. Dementsprechend bunt ist die Küche. "Es gibt keine israelische Küche", sagt einer der Protagonisten des Buches. Ein bloggender Taxichauffeur, eine urbane Pflanzensammlerin, ein Gewürzhändler sowie Sommeliers und andere kulinarisch versierte Typen werden ausgiebig porträtiert und überlassen den Molchos ihre Rezepte. Ganze viele Gerichte sind vegetarisch, aber mit diesem Label geht man nicht hausieren. Man isst halt so und die "asiatische Forelle" bleibt eine feine Ausnahme.

Es gibt Trends in spe zu entdecken, wie zum Beispiel Frikeh, das sind unreife Weizenkörner, die langsam geröstet werden. Das Buch hat wunderschöne Fotos von markanten Straßenzügen und bunten Märkten zu bieten und zeigt die Menschen angenehm anders als andere Rezeptsammlungen. Die Koch- und Tisch-Situationen sind so verführerisch, dass man sich am liebsten dazu setzen würde. Der streitbare Publizist Henryk M. Broder sagte einmal, dass man junge Antisemiten nicht zur Strafe nach Auschwitz schicken, sondern ihnen Ferien in Tel Aviv spendieren sollte. Wenn man das Buch liest, weiß man, was er damit meint. Diese Stadt feiert das Leben.


Haya Molcho & Söhne: Tel Aviv – Food. People. Stories, Brandstätter, 256 Seiten, 35 Euro.