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27. März 2012

Sasbachwalden

Nach 300 Schnäpsen 0,0 Promille

36 Prüfer probieren und bewerten in drei Tagen 3220 Brände und Liköre in Sasbachwalden.

  1. Edelbrände und Liköre liegen im Trend. Foto: PR

ORTENAU. Im Kurhauses von Sasbachwalden schnüffeln und schmecken seit gestern 28 Männer und acht Frauen in Dreier- und Vierer-Gruppen an zehn Tischen an Schnapsproben, die ihnen serviert werden. Hinter der Trennwand dehnt sich ein nicht enden wollendes Flaschenmeer. 336 Kleinbrenner aus Baden und 29 Kollegen vom Mittelrhein und von der Saar haben zusammen 3220 Brände und Liköre zur Prämierung eingesandt, das sind klar mehr als bei der letzten Probe vor zwei Jahren.

Das Kurhaus von Sasbachwalden ist erstmals Austragungsort dieser mutmaßlich weltweit größten Bewertung von Obstbränden. Verbandsgeschäftsführer Klaus Lindenmann begründet die Ortswahl mit der Massierung von Kleinbrennereien im Bereich von Schwarzwald und Kaiserstuhl. Es sind rund 14 000, die Hälfte aller sogenannten Abfindungsbrennereien in Süddeutschland.

Die vom Verband ausgewählten Prüfer sind am Vorabend von Klaus Hagmann, einem promovierten Gärtechnologen und selbständigen Brennerei-Berater aus Göppingen, mit Probier-Beispielen auf ihre nicht einfache Aufgabe vorbereitet worden. "Die Produkte werden immer besser, und wir wollten ein einheitliches Niveau herstellen," sagt Hagmann, der während der drei Tage als Oberschiedsrichter herbeigerufen wird, wenn sich eine Tischgruppe sich nicht einig ist, ob eine Probe ohne Bewertung bleiben soll oder ob eine andere gar die Höchstpunktzahl 20, also einen Ehrenpreis verdient.

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In der Luft liegen zahlreiche Aromen und der Alkohol. Nippen statt schmecken und schlucken ist die Devise, sonst würde wohl kein Prüfer gut 300 Proben am Tag verkraften. "Man nimmt den Geschmack auch über die Schleimhäute auf", erklärt Edmund Marder, ein vielfach erprobter Prüfer von der Schweizer Grenze. "Aber zwei bis drei Tropfen müssen runterlaufen", damit auch der Abgang spürbar wird. Einen Rausch befürchtet er nicht. Ein Test bei der Polizei vor Jahren dennoch nur habe 0,0 Promille ergeben.

"Man muss viel Wasser trinken zum Spülen und Brot essen dazwischen", sagt Martina Weber-Ring, Brennmeisterin aus Nordrach. Sie hat mit ihren Tischkollegen eben einen Himbeerlikör probiert und mit 17 Punkten bewertet. Das entspricht einer Silbermedaille. Liköre liegen diesmal im Trend. Die Zahl der angestellten Flaschen ist gegenüber 2010 von 260 auf 430 Flaschen angestiegen. Die Masse, etwa ein Drittel, stellen allerdings weiterhin die Apfel- und Birnenbrände. Von den seltenen Bränden sind Zibärtle gut dabei, während Wildfrüchte wie Vogelbeere, Hagebutte, Schlehen oder Mispel weiterhin reine Nischenprodukte sind.

Die Ergebnisse der Prämierung sollen in einer Festveranstaltung am 29. April um 14 Uhr verkündet werden. Viele warten mit Spannung darauf.

Autor: Claus Donat


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