Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
31. Januar 2012 14:55 Uhr
Offenburg
Ölmühle arbeitet mit gläserner Produktion
Vor sechs Jahren hat Walter Bitzer auf 112 Quadratmetern angefangen. Jetzt macht der Inhaber der Ölmühle "Oleofactum" auf 400 Quadratmetern weiter.
Der 64-Jährige hat die Ladenräume in der Hildastraße 4 bezogen. Dort, wo bis Ende 2010 herkömmliche Lebensmittel verkauft wurden, stellt Bitzer nun in einer gläsernen Produktion Öle von höchster Qualität her.
"Wir haben erweitert, da wir eine rasante Entwicklung erleben", erklärt der Maschinenschlosser und Sonderschulpädagoge, der seit den 1970er Jahren Wissen rund um den Prozess des Öl-Machens und die Öle selbst sammelt. Auf seine frühere Vermieterin in der Ringelgasse ist Bitzer nicht gut zu sprechen, eine fristlose Kündigung seinerseits beendete das Verhältnis. Um so mehr freut er sich über das Engagements des Eigentümers der Hildastraße 4, der ein Modellhaus effizienter Energienutzung errichtet hat: "Da passen wir besonders gut rein", betont der neue Mieter. Die Räume sind mit LED-Lampen ausgestattet, die keine für die Öle schädlichen UV-Strahlen aussenden.Für Goethe ist Blut bekanntlich "ein ganz besonderer Saft". Wer Bitzer zuhört, weiß nach wenigen Sekunden: Für ihn nimmt Öl diesen Rang ein. In allen Hochkulturen habe Öl eine herausragende Rolle gespielt, blickt der Fachmann zurück und verweist auf den geistigen Überbau und die spirituelle Bedeutung. Fragen nach Kundenzahl oder produzierter Menge in den vergangenen Jahren werden da eher als deplatziert empfunden. Schließlich geht es hier nicht um Quantität, sondern um Qualität: Klasse statt Masse.
Werbung
Pflanzliches Speiseöl ist für Bitzer ein Schlüsselprodukt und zusammen mit Wasser das wichtigste Lebensmittel. Bis zum Beginn der großtechnischen Speiseölgewinnung durch Raffination 1933 hatte jedes Dorf wenigstens eine Ölmühle, blickt Bitzer in die Vergangenheit. Man holte sich das Öl für den Bedarf von zwei Wochen, da Saat-, Nuss- und Kernöle im Gegensatz zu Fruchtölen nur kurze Zeit halten.
Inzwischen herrsche auf dem Ölmarkt ein Überangebot und ein Preiskampf, der Verbraucher werde zunehmend in die Irre geführt: "Wir setzen uns vom gesamten Ölmarkt ab", versichert Bitzer selbstbewusst, der bereits in vielen Vorträgen über die Bedeutung von Pflanzenölen referiert hat. Er verweist auf die Grundstoffe Phospholipide und essentielle Fettsäuren, ohne die es kein Leben gibt. Sie spielen in allen Zell-, Organ- und Lebensfunktionen eine fundamentale Rolle und gelten als der "Bio-Kraftstoff" unter den Nährstoffen. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren werden essentielle Fettsäuren genannt, weil diese für den Körper lebensnotwendig sind und in unserem Organismus nicht gebildet werden können, unterstreicht Bitzer und wird geradezu wütend, wenn er an all die gehärteten Fette, raffinierten Öle und Margarinen denkt, die auf dem Markt sind. Was den Einkauf der Ausgangsprodukte angeht, betont Bitzer: "Wir wissen sehr genau, wo wir was herkriegen."
Das neue Geschäft in der Hildastraße ist die "Visitenkarte": Die vier Pressen stehen gut sichtbar mitten im Laden. Die kleine Presse schafft in einer Stunde einen halben Liter, die große wassergekühlte nickelfreie Edelstahlpresse verarbeitet bis zu 2,5 Liter pro Stunde. "Wir pressen bedarfsorientiert", betont Bitzer. Es gebe keine Vorratsfässer im Keller, alles werde frisch hergestellt: "Wir wollen gute Produkte machen und ihnen auch den gebührenden Raum geben." Zwei Wände werden für die Kunst freigehalten, schließlich seien Landwirtschaft und Handwerk die passende Grundlage für kreatives Schaffen. Den Anfang machen Werke des Hofweirer Künstlers Werner Schaub, Vorsitzender des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK).
Eine goldene Nase wolle er nicht verdienen, so Bitzer. Aber immerhin muss er erstmals eine Bilanzbuchhaltung erstellen – die wird notwendig bei einem Jahresumsatz ab 500 000 Euro. Zwei festangestellte Mitarbeiter und vier Angestellte auf 400-Euro-Basis sollen dafür sorgen, dass der Laden floriert. Einen Schwerpunkt bildet das Geschäft im Internet.
Autor: Gertrude Siefke
