Anders brennen

Whisky und Gin aus dem Schwarzwald haben Erfolg

Felix Held

Von Felix Held

Mo, 22. Juni 2015 um 07:55 Uhr

Gastronomie

Gin aus dem Schwarzwald ist in vieler Munde. Die Destille Monkey 47 aus Loßburg bei Freudenstadt feiert einen Siegeszug durch die Bars dieser Welt. Auch Whisky kann punkten.

Innerhalb von fünf Jahren haben die Brenner aus dem Wald ihren Ausstoß auf mehr als 100.000 Flaschen pro Jahr erhöht. Sie sind nicht die einzigen Brenner in der Region, die mit Gin und Co. Gewinn machen wollen. Junge Brenner nutzen das Wissen aus jahrzehntelanger Schnapsproduktion, um mit neuen Produkten auf dem Markt zu bestehen.

Im Laden von Stefan Marder in Unteralpfen nahe Albbruck lohnt es sich, kurz die Augen zu schließen und tief durchzuatmen. Marder ist Brenner. Sein Destillator steht direkt im Raum neben dem Verkaufsraum, in dem die vielen Brände und Geiste verkauft werden, die er in dem Kessel produziert. Die Räume sind nicht abgetrennt und so wabert noch Stunden nach dem Brennen ein feiner Dunst mit den unterschiedlichsten Gerüchen durch den Laden.

Meist sind fruchtige Aromen darunter, 80 Prozent des Umsatzes macht Marder noch mit traditionellen Obstbränden. Aber längst hat der 38-Jährige auch Whisky und Gin im Programm. 2013 hat er seinen ersten Whisky auf den Markt gebracht. Der lagerte drei Jahre im Fass. Um einen Brand "Whisky" nennen zu dürfen, muss er aus Korn hergestellt und mindestens drei Jahre im Fass gereift sein. Marder brennt ausschließlich Gerstenmalz, das er von der nahen Waldhausbrauerei bezieht. "Selbst habe ich keine Kapazitäten, um genug Gerste zu produzieren", erklärt er. Die Brauer machen die Gerste nach seinen Vorgaben fertig. "Mir war es wichtig, einen Whisky zu machen, der rund ist und gut zu trinken." Das ist ihm offensichtlich gelungen, er hat mehrere Preise abgeräumt.

Einen Vorteil sieht Marder in seinem technischen Know-how. Seit 2008 hat er eine Verschlussbrennerei auf dem heimischen Hof in Unteralpfen eingerichtet. Schon sein Vater und Großvater haben gebrannt. Den Brenner von Monkey 47, Christoph Keller, kennt er gut. "In der Szene kennt man sich. Wir treffen uns regelmäßig zum Gedankenaustausch."

Auch kommerziell ist der Whisky ein Erfolg, im ersten Jahr hat Marder 1000 0,5-Liter-Flaschen abgefüllt, die waren alle in kürzester Zeit vergriffen – trotz des stolzen Preises von 48 Euro pro Flasche. Auch der zweite Jahrgang ist so gut wie ausverkauft. Jetzt will Marder mehr Whisky produzieren, um auch einmal ein paar Fässer länger lagern und so älteren Whisky anbieten zu können.

Ebenfalls gut angenommen wird der Gin, den er brennt. Mit diesen Produkten hofft er, neue Kunden zu gewinnen. Wobei er gemerkt hat, dass auch seine Stammkunden den neuen Getränken offen gegenüberstehen. Viele, die normalerweise für die Obstbrände kommen, hätten auch schon eine Flasche Gin oder Whisky mitgenommen. Umgekehrt sei das aber nicht unbedingt der Fall. Besonders Whiskytrinker seien oft nur auf dieses eine Getränk fixiert.

Mit Whisky haben die Macher von Monkey 47 aus dem nördlicheren Teil des Schwarzwalds nichts am Hut. Ihr Gin hat dafür mittlerweile Kultstatus erreicht und ist wohl ein Grund dafür, warum inzwischen zahlreiche Brenner in der Region auch diesen Geist produzieren. Dabei ist die Spirituose klassischerweise ein englisches Produkt. Doch für Monkey-Geschäftsführer Alexander Stein war das kein Grund, nicht auch im Schwarzwald Gin herzustellen.

"Als ich 2008 die Idee hatte, das zu machen, hat das bei den arrivierten Brennern großes Kopfschütteln ausgelöst", erinnert er sich. Dabei sei das "eigentlich eine ganz logische Geschichte" gewesen. Im Schwarzwald gebe es eben eine große Brennkultur, und zwar nicht nur, was die Menge angeht, sondern auch die Vielfalt.

Vor allem Obst- und Kräuterbrände habe es im Schwarzwald immer gegeben – was auch ein Blick in die Regale im Verkaufsraum seines Kollegen Stefan Marder bestätigt. Gin ist für Klein "genau die Schnittmenge davon" – eine Mischung aus Obst- und Kräutergeist.

Gemein ist dem kleinen Familienbetrieb in Unteralpfen und der mittlerweile international tätigen Destille in Loßburg, dass beide auf eine hohe Qualität bei den Grundzutaten achten. Noch eine Gemeinsamkeit gibt es. Stein war zwar vor seiner Zeit als Gin-Produzent lange Manager für Nokia in den USA, doch er stammt aus einer alten Brennerfamilie. Schon seine Großeltern und Eltern führten eine Spirituosenhandlung und brannten selbst. "Ich kannte das von klein auf", sagt er. Allerdings brennt er nicht selbst, sondern hat sich Brenner Christoph Keller ins Haus geholt. "Er ist ein absoluter Quereinsteiger, doch einer der besten Brenner der Welt", sagt Stein selbstbewusst. Doch gerade, weil Keller ein Quereinsteiger ist, sei er für ihn der Richtige gewesen. "Er hat vieles hinterfragt und Neues ausprobiert." Das sei eine Grundlage für den Erfolg des Gins aus dem Schwarzwald.

Ein weiterer ist geschicktes Marketing, auch wenn Stein stets Wert darauf legt, dass das Unternehmen keine Marketingabteilung habe. "Das Gesamtpaket muss stimmen", gibt er aber zu. Und da setzt Monkey 47 Maßstäbe. Von der klassisch, schlichten Apothekerflasche mit dem dezenten Logo, in der der Gin verkauft wird, bis hin zur Homepage im Stil einer alten Tageszeitung zeigt sich, dass hinter der Vermarktung ein Plan steckt. Beim Anpreisen des eigenen Produktes spielt der Schwarzwald eine zentrale Rolle. Schließlich steht auf dem Etikett weltweit "Schwarzwald Dry Gin". "Im Ausland fragen mich die Leute oft, was ,Schwarzwald‘ heißt", erzählt Klein. Doch wenn er es den Leuten erkläre, könnten die meisten etwas mit dem Begriff anfangen. "Auch wenn die Leute in China oder Korea oft meinen, dass das ein Nationalpark mit Öffnungszeiten ist."

Stein profitiert also vom Image des Schwarzwalds, der Schwarzwald aber sicher auch vom internationalen Erfolg des Gins, der in vielen Szenebars bereits Kultstatus erreicht hat. Aktuelle Zahlen, wie viele 0,5-Liter-Flaschen im Jahr produziert werden, will Stein nicht nennen. Die letzte bekannte Zahl stammt aus dem Jahr 2013, damals waren es 150 000 Flaschen, nach 5000 im Jahr 2010. Stein deutet an, dass es heute noch ähnlich viele sind. "Wir könnten vermutlich locker das Achtfache verkaufen, aber das wollen wir nicht." Das ist eine weitere Gemeinsamkeit mit Stefan Marder: Auch er setzt auf den Manufakturgedanken. Dem Fazit von Alexander Klein würde er deswegen wohl sofort zustimmen: "Man kann wachsen, aber man muss es gut planen."

Obwohl Klein und Marder den ganzen Tag mit Hochprozentigem zu tun haben, lässt sich für beide eines festhalten: Benebelt haben sie die Dämpfe allem Anschein nach nicht.