Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Juni 2012 00:01 Uhr

Verbraucherservice

Gastronomie: Die Hygiene-Ampel ist gescheitert

Wie sauber ist die Küche eines Restaurants, eines Hotels oder einer Kneipe? Darüber sollte die symbolische Hygiene-Ampel Auskunft geben. Nun ist die Idee gescheitert.

  1. Wie sauber ist die Küche eines Restaurants? (Symbolbild) Foto: Ingo Wagner

Mit einem bundesweit einheitlichen System wollten die Verbraucherschutzminister der Länder Gaststättenbesucher Orientierung bieten. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe konnten sich Verbraucher- und Wirtschaftsminister nun allerdings nicht darauf einigen, die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrollen durch einen Aushang in Restaurants, Gaststätten oder Kantinen zu veröffentlichen. Dafür hatten die Verbraucherschutzminister im Mai 2011 die Hygiene-Ampel vorgeschlagen – also eine Grafik, die je nach Grad der amtlichen Rüge über die Farben gelb, grün und rot darlegt, wie es um die Hygiene bestellt ist.

In der Arbeitsgruppe waren die Vertreter der Wirtschaftsressorts aber nicht bereit, dieses System verpflichtend einzuführen. Es sei zu bürokratisch und für die betroffenen Betriebe zu teuer. Die Wirtschaftsministerien stoßen sich vor allem daran, dass ein Wirt zwar im Fall von Missständen rasch eine Nachprüfung erhalten sollte, die Kosten der zweiten Kontrolle aber selbst hätte bezahlen müssen. Und die Nachprüfung, so das Argument der Wirtschaftsminister, wäre für jeden Gastronom zwingend gewesen, weil andernfalls das erste Prüfergebnis Gäste verschreckt hätte – ein Ergebnis, das jedoch auf einem inzwischen wohl längst abgestellten Missstand basierte.

Werbung


Ihren Konflikt lösten beide Seiten mit einem Kompromiss, der den Bürgern wenig nützt: Gastronomen sollen freiwillig die Ampel ins Schaufenster kleben. Aber welche Ekelkneipe macht freiwillig bekannt, dass es in ihrer Küche dreckig ist? Entsprechend bissig fällt die Kritik von Verbraucherschutzorganisationen aus. "Die verantwortlichen Minister schützen offenbar lieber die Schmuddelbetriebe vor den Verbrauchern als die Verbraucher vor den Schmuddelbetrieben", sagt Matthias Wolfschmidt von Foodwatch.

Das Scheitern der Arbeitsgruppe bringt nun vor allem die SPD in politische Verlegenheit. Denn im Gegensatz zu Union und FDP, die sehr zur Freude des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands von Anfang an Skepsis gegen die Hygiene-Ampel hegten, sprachen sich die Sozialdemokraten auf ihrem Parteitag im Herbst 2011 für das Kontrollsystem aus. In der Arbeitsgruppe jedoch kam auch von den Vertretern Hamburgs (die Hansestadt wird mit absoluter Mehrheit von der SPD regiert) Widerstand gegen die Ampel. Umso eifriger betonen andere Landesregierungen mit SPD-Beteiligung, dass es bei dem Beschluss der Arbeitsgruppe nicht bleiben dürfe. So erklärt der Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD), dass man einen neuen Anlauf für ein bundesweit einheitliches Modell versuchen müsse. In diesem Sinne äußert sich auch der Stuttgarter Agrarminister Alexander Bonde (Grüne).

Ob es dazu kommt, steht freilich in den Sternen. So bleibt vorerst nur die Änderung, die ab September auf jeden Fall kommt: Dann werden die Länder die Betriebe veröffentlichen, die wegen Verstößen gegen Hygiene-Auflagen ein Bußgeld von mindestens 350 Euro zahlen müssen.

Autor: Bernhard Walker


4 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2548

12. Juni 2012 - 11:04 Uhr

Also DAMIT konnte ja NIEMAND rechnen!

Verstoß gegen Netiquette melden

Johannes Wirk  

Johannes Wirk

Registriert seit: 08.06.2012

Kommentare: 21

12. Juni 2012 - 11:30 Uhr

Das ist nicht im Sinne des Verbrauchers. Ein Rückschlag für deutsche Qualitätsansprüche.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Thomas Kaufmann

Registriert seit: 25.02.2010

Kommentare: 465

12. Juni 2012 - 14:56 Uhr

Nach dem Aus der Ampel für Lebensmittel nun auch das Aus der "Hygiene-Ampel".
Daran sieht man sehr schön, welcher Lobby unsere "Verbraucherschutz"minister dienen!

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Rolf Krause

Registriert seit: 20.04.2011

Kommentare: 13

15. Juni 2012 - 17:50 Uhr

Das liegt einzig daran das Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nix auf die Kette bekommt.Diese Frau ist auf ganzer Linie unfähig, solch ein Amt zu begleiten.

Verstoß gegen Netiquette melden



Weitere Artikel: Deutschland

  • Obama und Merkel über Drohnen, Prism und Syrien

    Viele Fragen hat die Presse US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht stellen können, aber die Antworten lieferten eine Tour d’ Horizon durch die politischen Topthemen. Eine Übersicht. Mehr

  • Der Mann hinter der Scheibe

    Ein Staatsbesuch ohne große Begeisterung, aber mit großen Sicherheitsvorkehrungen: Nur die wenigsten Berliner bekommen den US-Präsidenten Obama zu Gesicht. Mehr

  • Schäuble geht auf Länder zu

    Finanzminister stimmt Aufbaufonds für Hochwasserschäden zu / Bund gibt Milliarden. Mehr