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11. Februar 2012 18:31 Uhr
Neustadt / Hochschwarzwald
Gedichte aus und auf Schokolade
Lisa Rudiger, Helle Trede und Angelika Link bringen zwei Kunstformen zusammen: Poesie und Schokoladenmanufaktur.
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Zwei Kunstformen meisterhaft vereint: Poesie und Schokoladenmanufaktur. Foto: privat
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Lisa Rudiger betreibt in Neustadt eine Chocolaterie., Dort bringt sie Poesie und Schokoladenmanufaktur zusammen. Foto: Martina Seiler
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Helle Trede und Angelika Link sind Teil des süßen Projekts. Foto: Martina Seiler
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Flüssige Zartbittermasse auf der Waage fließen lassen, klopfen,... Foto: Martina Seiler
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...dann von Hand vorsichtig die Folie passgenau auflegen..., Foto: Martina Seiler
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...dann von Hand vorsichtig die Folie passgenau auflegen... Foto: Martina Seiler
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...und nach dem Abkühlen ganz vorsichtig abziehen. Geschafft! Foto: Martina Seiler
Gedichte essen! – Drei Frauen – ein Projekt: Was beim ersten Hören zu recht verwundert, erklären Lisa Rudiger, Helle Trede und Angelika Link im Gespräch mit Martina Seiler.
HOCHSCHWARZWALD. BZ: Naiv bemerkt: Gedichte sind im Internet oder in Büchern zu finden, beides ist für den Magen ungenießbar und keineswegs schmackhaft.Trede: Na ja, wir haben eben beides zusammengebracht. Gedichte schmackhaft gemacht. Gedichte auf Schokolade.
BZ: Sie setzen also auf Menschen, die Gedichte zum Essen gern haben. Der Weg zum Gedicht ist dann gewiss häufig länger als der Schokogenuss.
Trede: Oft träume ich Gedichte, wache auf mit ihnen. So ein Traumrest ist "Gedankenbetreuer für Tagreste". Oder Bilder mit Worten füllen ganze Seiten, die in langer Arbeit geschrumpft werden, bis sich die Essenz herauskristallisiert.
BZ: Tut es Ihnen nicht leid, wenn die Gedichte einfach verschwinden?
Link: Nein, nein. Vielmehr lösen manche Gedichte eine so große Begeisterung aus, dass manche Menschen sie sich am liebsten einverleiben möchten.
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BZ: Mit Schillers Glocke gäbe es dann aber ein Problem.
Link: Klar. Wir beschränken uns eher auf Kurzzeiler. 2009 hatte ich die Serie ’Zwei-Wort-Gedichte’ entwickelt. Da Helle und ich schon länger zusammenarbeiten, war die Idee "Gedichte essen" wie eine Sturzgeburt plötzlich da und wir mussten herzhaft lachen.
Trede: Ein neuer Weg für die Poesie in die Menschen.
BZ: Aber das Problem der Vergänglichkeit ist damit noch nicht gelöst.
Link: Ich stelle mir das so vor: Die Poesie, das Gedicht, die Atmosphäre, die Vorstellung, die Info, das Gefühl nimmt der Körper auf – und all’ dies breitet sich aus in homöopathischer Dosis und potenziert so die Wirkung des Gedichts.
Rudiger: Ja, ich kann das bestätigen. Bis zu diesem Projekt hatte sich gar kein Verhältnis zu Gedichten. Ich bin eher ein praktischer Mensch. Aber nun kann ich erstmals in meinem Leben fünf Gedichte auswendig – und das ohne Druck und Widerwillen.
BZ: Hat Ihnen das Angebot, Schokolade zu beschriften, auch herzhaftes Lachen beschert?
Rudiger: Der Auftrag hat mich natürlich schon sehr gefreut. Er hat sich aber als große Herausforderung gezeigt.
Trede: Anfangs dachten wir, Lisa könnte die Gedichte einfach auf die Tafeln schreiben.
Rudiger: Mit einer Spritztüte habe ich das auch probiert, rund fünf Minuten pro Tafel – die Schokolade wäre unbezahlbar.
Link: Dann entwickelten wir die Idee einer Schablone.
Rudiger: O je, das ging auch nicht schneller. Das bedeutet, ganz vorsichtig mit einem Pinselchen die Lücken füllen, lang genug warten, bis die Schrift nicht verschmiert, aber kurz genug, damit die Schablone nicht mit der Schokolade verklebt. Anschließend die Schablone waschen und trocken tupfen. Und wehe, eine Luftblase hat sich in einem Wort eingenistet. Also: viel Schokolade zum Selbstverzehr, weil sie ja nicht mehr eingeschmolzen werden kann!
Link: Fast hätten wir schon aufgegeben. Dann die rettende Idee: Die Gedichte auf Folie drucken lassen.
Trede: Doch die Mindestabnahme beträgt Folien für insgesamt 3000 Tafeln!
BZ: Ist das nicht sehr gewagt? Die Schrift ist nur bis Ende 2013 haltbar!
Link: Ja, schon. Doch nur wer etwas wagt, bewegt etwas. Originell und ansprechend soll das Produkt sein und doch mit Seriencharakter.
Trede: Erkennbar an Deiner floralen Kalligraphie...
BZ: ... die an ein Ginkoblatt erinnert?
Link: Ja, die Assoziation ist schon möglich. Ich habe es als durchlaufendes Markenzeichen für jede Gedichtsschokolade entworfen.
Rudiger: Doch um die Folie optimal zu nutzen, wurden alle fünf Gedichte möglichst oft aufgetragen – also versetzt. Welche Blume gehört zu welchem Gedicht? Eine Schneidemaschine hilft nicht. Und jeder Auftrag verlangt eine unterschiedliche Anzahl unterschiedlicher Gedichte. Pro Auftrag ein Briefumschlag für die Produktion am nächsten Tag. Der Schnitt muss von Hand erfolgen – mit höchster Konzentration am Feierabend.
Link und Trede: (schauen sich einvernehmlich an): Wir helfen demnächst.
Autor: Martina Seiler


