Gefragte Alternative

Leony Stabla

Von Leony Stabla

Do, 23. August 2018

Rheinfelden

BZ-SERIE (III): Im Familienzentrum gibt es auch eine Anlaufstelle für Kindertagespflege und Tagesmütter.

RHEINFELDEN. Fast 25 Jahre gibt es das Familienzentrum Rheinfelden mittlerweile schon. Anfangs noch Mütterzentrum genannt, bietet es auch heute noch viel Hilfe für Frauen, besonders Mütter, beschränkt sich aber längst nicht mehr auf diesen kleinen Kreis, sondern bereichert das soziale Leben der Stadt durch seine vielfältige Arbeit. Als kleinen Überblick stellt die BZ exemplarisch in einer Reihe vier Bereiche des Angebots vor. Heute: die Kindertagespflege.

Für viele Eltern ist eine Kindertagesstätte keine Option. Sei es, weil sie selbst ungewöhnliche Arbeitszeiten haben, die mit den festen Betreuungszeiten nicht vereinbar sind, weil sie ihr Kind nicht mit vielen anderen Kindern zusammen in Betreuung geben möchten, oder auch weil sie noch gar nicht wieder so viele Stunden arbeiten, dass sich ein ganzer Betreuungsplatz lohnen würde. Eine Alternative dazu sind Tagesmütter. Bei ihnen gibt es eine flexible, familiennahe Betreuung, mit nur einer weiteren Bezugsperson, so dass es für Kinder nach einer gewissen Gewöhnungszeit fast so ist, als würde die Tante oder die Oma auf es aufpassen.

Der Fachbereich Kindertagespflege des Familienzentrums übernimmt in diesem System gleich drei wichtige Aufgaben: Die Aus- und Weiterbildung der Tagesmütter, die Vermittlung von freien Plätzen bei Tagesmüttern und die Rolle des Ansprechpartners sowohl für Eltern als auch für Tagesmütter bei Problemen oder in Konfliktsituationen.

Karen Maywald, eine Mutter, die sich gerade bei Leni Schütz, einer der beiden Mitarbeiterinnen der Kindertagespflege des Familienzentrums, über die Möglichkeiten der Tagepflege informiert, gibt zu, dass sie diese Betreuungsform bei ihrem ersten Kind eher aus der Not heraus gewählt habe. Da ihr Arbeitsvertrag während der Elternzeit auslief, stand sie vor dem Problem, dass sie ohne Arbeitsplatz keinen Krippenplatz für ihre heute sechsjährige Tochter bekam, ohne Krippenplatz aber auch keinen Arbeitsplatz. Mit der Betreuung durch eine Tagesmutter habe sie diesen Kreislauf durchbrechen können und dabei so gute Erfahrungen gemacht, dass sie sich nun bei ihrem zweiten Kind bewusst für diese Betreuungsform entschieden hat. "Aus Elternsicht wichtig ist dabei besonders die Frage, wer ist denn das, der da jetzt auf mein Kind aufpassen soll," erklärt sie, "immerhin vertraue ich dieser Person das Wichtigste an, das ich habe." Sowohl Schütz, als auch ihre Kollegin Jennifer Neuschütz kennen die Kindertagespflegepersonen. Viele davon haben sie selbst ausgebildet. Auch die örtlichen Gegebenheiten werden regelmäßig geprüft. Sie führen mit den Eltern Vorabgespräche über deren Wünsche und Bedürfnisse, helfen beim Ausfüllen der Anträge fürs Landratsamt, klären die Rahmenbedingungen, dann suchen sie immer mehrere mögliche Kandidatinnen heraus.

"Es ist wichtig, dass sich die Eltern immer mehrere Tagesmütter anschauen und auch ehrlich sagen, wenn etwas nicht passt," sagt Schütz. Das gelte umgekehrt auch für die Betreuungspersonen, denn es seien immerhin anfangs fremde Menschen, die die Tagesmütter in ihre Wohnung und somit auch in einen Teil ihres Privatlebens ließen. Immer wieder erlebe sie, dass Eltern sich nicht trauen, dies offen anzusprechen, meist aus der Angst heraus, nichts Passendes mehr zu finden und dann nicht arbeiten zu können, und so landen beide Parteien schnell wieder bei ihr, denn ihre Aufgabe ist auch die Mediation zwischen den beiden Seiten.

Hat man aber etwas Passendes gefunden, kann diese Beziehung eine echte Bereicherung sein. Eine Tagesmutter kann höchstens fünf Betreuungskinder haben, da ist es zum Beispiel leichter, auf bestimmte Essensvorlieben oder einen außergewöhnlichen Schlafrhythmus Rücksicht zu nehmen als bei Krippengruppen von 15 Kindern. Und auch die Bindung zur Betreuungsperson ist meist tiefer. Nicht selten entstehen dabei Freundschaften fürs Leben.