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10. Juli 2012

Gegenseitiges Vertrauen und keinerlei Verrechnung

Stärken und Talente im Tausch / Die "Aktiven Nachbarn" unterstützen sich gegenseitig mit kleinen Dienstleistungen.

ST. PETER. Nachbarschaftshilfe wie sie sein sollte: Die "Aktiven Nachbarn", ein Zusammenschluss von Bürgern aus St. Peter, helfen sich gegenseitig ohne dabei etwas zu verdienen. Das Projekt findet immer mehr Zuspruch und ist offen für alle Bürgerinnen und Bürger.

Vor genau einem Jahr, nach einem Treffen der Zukunftswerkstatt St. Peter, reifte in Kurt Fischbach und Susanne Requadt die Idee eines Tauschrings. Daraufhin gründeten sie die "Aktiven Nachbarn". Dabei werden jedoch weniger Dinge getauscht, sondern vielmehr persönliche Stärken und Kenntnisse. "Wir wollen Nachbarschaftshilfe im ursprünglichen Sinne leisten", erklärt Daniel Barrette. Er gehört zu den etwa zehn Personen, die sich momentan bei den "Aktiven Nachbarn" engagieren.

Jeder aktive Nachbar stellt dabei seine Stärken den anderen zur Verfügung. Daniel Barrette beispielsweise kann gut mit dem Computer umgehen und Bilder bearbeiten. Seine Frau Angelika stellt ihre Französischkenntnisse für Übersetzungen zur Verfügung. Andere Teilnehmer wiederum bieten Hilfe beim Einkaufen, geben Gitarrenunterricht, verrichten leichte Näharbeiten oder teilen ihre Regiokarte.

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Alles funktioniert ohne Währung. "Wir investieren nicht, sondern wir schenken", erläutert Tauschaktivist Daniel Barrette. Das gegenseitige Vertrauen spielt bei diesem Konzept eine große Rolle, denn es gibt keinerlei Verrechnung, niemand protokolliert, wie viel jemand gegeben oder erhalten hat.

Überzeugungsarbeit für ein alternatives System

Deshalb sind die monatlichen Treffen in der Begegnungsstätte Roter Weg ein wichtiger Bestandteil des Kreises. Hier treffen sich die Mitglieder, tauschen sich aus und erörtern, wo etwas gebraucht wird oder angeboten werden kann.

Die meisten Einheimischen im Ort hätten ein festes Netzwerk, auf das sie im Bedarfsfall zurückgreifen könnten, sagt eine Teilnehmerin. Als "Zugereiste" fehle dieses Netzwerk jedoch oft. Deshalb schlossen sie sich zu den "Aktiven Nachbarn" zusammen. Natürlich sind aber auch alteingesessene St. Petermer im Tauschring willkommen. Dabei wollen sie zu keiner Dienstleistung im Ort eine Konkurrenz sein. Als eine der ersten Initiativen, die nach der Zukunftswerkstatt aktiv wurden, erfuhren sie von der Gemeinde eine durchaus positive Resonanz, berichtet Daniel Barrette. Für die Zukunft haben die Aktiven Nachbarn noch einiges vor: Sie wollen ihr Angebot weiter ausbauen, zum Beispiel mit einem festen Babysitter-Service.

"Wir investieren nicht,

sondern wir schenken"

Daniel Barrette
Außerdem solle die Bekanntschaft der "Aktiven Nachbarn" im Ort erhöht und auch mehr junge Leute überzeugt werden, sich bei diesem alternativen System zu engagieren. Über solche Systeme sprach kürzlich Norbert Blüm in Kirchzarten (die BZ berichtete). Sie bieten der kapitalistischen Raffgier die Stirn und beginnen wie kleine Blumen überall zu sprießen. Auch in St. Peter.

Info: Die Treffen der "Aktiven Nachbarn" werden im Gemeindeblatt angekündigt.

Autor: Christian John