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04. Juni 2011
GEISTESBLITZE: Brust zu Pulver
"Der Säugling braucht zu seiner Ernährung Kohlehydrate." Der erste Satz im Artikel im europäischen Journal für Kindermedizin klingt belanglos. Aber er bedeutet für die Neugeborenen eine Umstellung. Er kündigt an: Bald kommen die Gläschen. Vor 77 Jahren hat der Münchener Kinderarzt Professor Günther Malyoth das Geheimnis der Muttermilch in diesen einen Satz gepackt. Malyoth ist Leiter der Forschungsabteilung im Haunerschen Kinderspital. Und mit den Kohlenhydraten meint er den Milchzucker, der die Babys pausbäckig machen soll. Für den Mediziner ist klar: Der Zucker muss nicht immer von der Mutter kommen, er kann genauso gut aus Kuhmilch gewonnen werden. Zusammen mit der Allgäuer Alpenmilch gründet Mayloth 1934 ein Unternehmen. Er nennt es nach seinem lateinischen Wahlspruch "Gedeihet":
Alete. Die Säuglingsnahrung, die die Firma produziert, ersetzt, was vorher kostenlos war: Muttermilch. "Wenn Appetit und Laune fehlt? Nimm Alete Nährzucker nach Dr. Malyoth" wirbt das Unternehmen. Vielleicht liegt es am Zucker, vielleicht an der Werbung – das Pulver verkauft sich gut. Allerdings ist bereits damals umstritten, ob solche Ernährung der Gesundheit der Kinder tatsächlich zuträglich ist.
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Die erste Fertignahrung für Säuglinge hatte kein geringerer als der berühmte Chemiker Justus von Liebig im Jahr 1865 hergestellt. Sein Kindermehl war ein Erfolg. Der Schweizer Henri Nestlé kombinierte die Mehl-Idee mit Kondensmilch und baute darauf seinen Weltkonzern. Seit 1971 gehört auch Alete zu Néstle. Noch heute wirbt Alete Fertignahrung mit "wertvoller Laktose (Milchzucker)". Bis zum ersten Baby-Gemüse dauert es noch 22 Jahre: Da kommt das Gemüse, noch in Dosen, auf den Markt.
Autor: jjev
