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Bei Haustürgeschäften gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht

Tiark Thurow

Von Tiark Thurow

Di, 25. Dezember 2018 um 21:30 Uhr

Wirtschaft

Grundsätzlich gilt bei Geschäften an der Haustür Widerrufsrecht. Verbraucher können einen Kaufvertrag in dieser Zeit ohne Angabe von Gründen rückgängig machen. Doch es gibt Ausnahmen.

Ein Kopfkissen im Wert von 80 Euro geschenkt – das versprach eine Werbeanzeige, auf die das Ehepaar K. sich meldete. Der Vertreter, der daraufhin die Eheleute besuchte, brachte nicht nur das Kissen mit. Der geschulte Verkäufer schaffte es außerdem, dem Paar zwei Matratzen im Wert von 3600 Euro anzudrehen. Als die beiden den Kauf an der Haustüre später bereuten, wandten sie sich an die Verbraucherzentrale.

Grundsätzlich gilt bei Geschäften an der Haustür ein vierzehntägiges Widerrufsrecht. Verbraucher können einen Kaufvertrag in dieser Zeit ohne Angabe von Gründen rückgängig machen. Es gibt Ausnahmen, auf die sich auch die Anbieter von Matratzen mitunter berufen: Versiegelte Waren können aus hygienischen Gründen, wenn die Versiegelung entfernt wurde, vom Widerrufsrecht ausgeschlossen sein.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale zieht die Ausnahme in diesem Fall aber nicht: Der Bundesgerichtshof hat in zwei Urteilen festgestellt, dass Verbraucher das Recht haben, Waren hinreichend auszuprobieren. Um festzustellen, ob ein Produkt geeignet ist, reicht es nicht aus, versiegelte Ware zu besichtigen.

Dem Ehepaar riet die Verbraucherzentrale, einen Widerruf schriftlich per Einschreiben gegenüber dem Unternehmen zu erklären. Sie sollten außerdem das SEPA-Lastschriftmandat und die Einverständniserklärung zur Entsorgung der Altmatratzen schriftlich widerrufen. Der Anbieter akzeptierte, zahlte das Geld zurück und holte die Matratzen kostenlos ab.

Tiark Thurow ist Fach- und Rechtsberater im Bereich Bauen, Wohnen, Energie der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
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